Dortmunderin (74) sollte für Kind in Erftstadt zahlen, das sie gar nicht kennt

dzZwangsvollstreckung angedroht

Brigitte Mosebach ist Dortmunderin und 74 Jahre alt. In Erftstadt war sie noch nie. Dennoch sollte sie dort für die Betreuung eines Kindes bezahlen - ihr drohte die Zwangsvollstreckung.

Dortmund

, 19.10.2018, 15:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war an einem Freitagmittag, als Brigitte Mosebach diesen Brief erhielt, der sie fassungslos machte: Die Stadtkasse Dortmund drohte mit Zwangsvollstreckung, die Begründung für sie - absurd.

Brigitte Mosebach sollte exakt 426,98 Euro bezahlen, für die Betreuung eines Kindes im Offenen Ganztag in Erftstadt. Brigitte Mosebach war aber noch nie in Erftstadt und hat dort auch kein Kind in der Betreuung. Sie ist 74 Jahre alt und lebt in Dortmund.

Brigitte Mosebach macht nicht den Eindruck, als sei sie leicht zu erschrecken. Aber der Inhalt des Briefes schockt dann doch. Wie kann das sein? Absender des Briefes war die Stadtkasse Dortmund, die das Ersuchen aus Erftstadt offenbar weitergeleitet hat.

Die Frauen greifen sofort zum Telefon

Mutter und Tochter greifen umgehend zum Telefonhörer, um die Sache zu klären. Dort ist man zwar freundlich, direkt helfen kann man aber nicht, sondern verweist nach Erftstadt. Der nächste Anruf: Auch hier ist man freundlich, aber die beiden Dortmunderinnen müssen ein bisschen warten, bis die Akte herausgesucht ist. Glücklicherweise kommt der Rückruf innerhalb einer Stunde, das erspart den beiden Frauen ein ungewisses Wochenende. Der Sachverhalt klärt sich zwar irgendwie auf, aber verstehen, das können die beiden Frauen den Irrtum nicht.

Dortmunderin (74) sollte für Kind in Erftstadt zahlen, das sie gar nicht kennt

Der Brief, der die Familie in Aufregung versetzte. © Britta Linnhoff

Der Absender, die Stadt Erftstadt, hat sie mit einer anderen Frau verwechselt.

Kann passieren, aber in diesem Fall war das so naheliegend eigentlich nicht. Die die gesuchte Frau und eigentliche Adressatin des Briefes heißt gar nicht Mosebach, sondern trägt einen ganz anderen Namen. Und der wiederum ist auch nur fast gleich (es fehlt ein „e“) mit dem Mädchennamen der Seniorin. Den aber trägt sie schon seit 55 Jahren nicht mehr.

„Wie kann es sein, dass man das nicht besser prüft?“

“Man hätte doch einfach schon am Geburtsdatum erkennen können, dass es dabei nicht um mich gehen kann“, sagt Brigitte Mosebach. Sie und ihre Tochter können nicht verstehen, dass die Kommune weder Namen, Adressen oder Geburtsnamen überprüft. „Bei so einer wichtigen Sache müsste das doch so sein“, sagt Brigitte Mosebach. Und wieso geht über Jahre die Post an den richtigen Namen? Denn die Forderung bezieht sich auf das Jahr 2010. Nun plötzlich, nach all‘ den Jahren, schickt man die Briefe an eine Frau Mosebach, die seit 1964 nicht mehr ihren Mädchennamen trägt.

Das sei einfach schlampige Arbeit, finden Brigitte Mosebach und Tochter Antje. „Hätte ich nicht so eine tolle Tochter“, sagt Brigitte Mosebach, „wäre das alles für mich noch viel schlimmer gewesen“. Die Tochter telefoniert mehrfach mit Dortmund und Erftstadt - immer wieder hat sie andere Mitarbeiter am Apparat, denen sie die Geschichte immer wieder neu erzählen muss.

Warten auf den schriftlichen Bescheid

Auch, wenn am Telefon der Fehler eingeräumt wird: Die beiden Frauen wollen Klarheit, sicher sein, dass Ihnen nichts mehr passieren kann. Sie wollen das schriftlich. Es dauert sechs Tage, bis sie die Auskunft von der Dortmunder Stadtkasse bekommen, dass für sie die Sache erledigt ist. Aus Erftstadt noch nichts Neues. Ein erneuter Anruf, dann ist klar: Die Sache ist erledigt.

Das bestätigt Margret Leder, Pressesprecherin der Stadt Erftstadt: „Das Verfahren wurde direkt eingestellt“. Der Stadt sei bei der Abfrage der Meldedaten ein Fehler unterlaufen. Und: „Natürlich hätten wir anhand des Geburtsdatums erkennen können, dass Frau Mosebach nicht die richtige Adressatin ist.“ Man entschuldige sich dafür ausdrücklich. Ein entsprechendes Schreiben sei an die Dortmunderin unterwegs.

Die Stadt Dortmund hatte das Schreiben „im Rahmen eines Amtshilfeersuchens“ weitergeleitet, sagt der Frank Bußmann, Sprecher der Stadt Dortmund. Das sei ein „üblicher Vorgang“. Geprüft werde ein solches Ersuchen nicht. Die Dortmunder Zuständigen hätten aber schon frühzeitig die Kollegen in Erftstadt informiert, dass es sich hier um eine Verwechslung handele.

Nach sechs Tagen kehrt wieder Ruhe ein

Sechs Tage nach dem Brief und acht Tage vor dem Tag, an dem die Zwangsvollstreckung vollzogen werden sollte, kehrt für Brigitte und Antje Mosebach wieder Ruhe im beschaulichen Dortmunder Vorort ein. Erftstadt ist wieder weit weg.

In diesem Fall handelte es sich schlicht um eine Verwechslung. Dann sollte man sich direkt mit den Absendern in Verbindung setzen, dann sollte das schnell zu erledigen sein. Hat man aber den Verdacht, dass eine Betrugsmasche dahinter steckt, rät die Polizei, sich sofort mit ihnen in Verbindung zu setzen und Anzeige zu erstatten.
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