Dortmunder wehren sich gegen Neonazis: Arbeitskreis verteilt Hilfsmittel

Rechtsextremismus

Der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus hatte 2019 viel zu tun. Die Organisatoren sehen die Neonazis auf dem absteigenden Ast. Eine dringende Warnung haben die Aktivisten trotzdem.

Dortmund

, 21.01.2020, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dortmunder wehren sich gegen Neonazis: Arbeitskreis verteilt Hilfsmittel

Mehrere Hundert Menschen demonstrierten im Herbst unter dem Titel „Thor Steinar dichtmachen“ in der Dortmunder Innenstadt. © Oliver Schaper

Ein „sehr turbulentes Jahr“ liegt hinter dem Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus. So formuliert es Jutta Reiter vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) als Arbeitskreis-Sprecherin. Viele Nazi-Demos, der Thor-Steinar-Laden am Brüderweg, die „Nazi-Kiez“-Graffitiwand in Dorstfeld und ein AfD-Bürgerdialog in der Nordstadt bestimmten vor allem den Herbst.

Nach dem Terroranschlag von Halle gingen rund 2000 Dortmunder im Oktober auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. „Wir fanden, die Bürgergesellschaft hat sich stark aufgestellt“, sagt Reiter: „Die Neonazis waren aktivistisch wie immer, aber mit immer weniger Erfolg.“

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Einige von ihnen wurden im Lauf des Jahres von der Polizei festgenommen, außerdem wurde den Dortmunder Rechten mit der „Nazi-Kiez“-Graffitiwand in Dorstfeld ein wichtiges Symbol genommen. „Wir sehen, dass sie an Gewicht in dieser Stadt verlieren, sie sind aber dennoch nicht zu unterschätzen“, warnt Reiter eindringlich. Das Bedrohungs- und Einschüchterungspotenzial sei weiterhin hoch.

Dortmunder wehren sich gegen Neonazis: Arbeitskreis verteilt Hilfsmittel

Friedrich Stiller und Jutta Reiter präsentieren die neuen Notfalltaschen. © Kevin Kindel

Dem Arbeitskreis ist für die kommenden Monate „Hilfe zur Selbsthilfe“ für die einzelnen Stadtteile wichtig. Zehn befüllte Notfalltaschen werden an verschiedene Stellen verteilt, in denen es alles gebe, was man für spontane Demonstrationen brauche.

Ein Banner mit der Aufschrift „Bunt statt braun“ ist darin enthalten, außerdem Armbinden für zu bestimmende Ordner, Trillerpfeifen und Infos zur Vorgehensweise bei Demo-Anmeldungen oder Spontanversammlungen.

„Ein Thema für die Mitte der Gesellschaft“

Co-Organisator Pfarrer Friedrich Stiller betont: „Das ist kein Thema nur für Menschen, die links orientiert sind. Es ist ein Thema für die Mitte der Gesellschaft.“ Mit Blick auf die Kommunalwahl im September beobachte der Arbeitskreis auch die Rechtspopulisten in der Stadt genau. Das beste Mittel gegen rechte Wahlerfolge sei eine hohe Wahlbeteiligung.

Eine wichtige Grenzlinie zwischen Rechtsextremismus und -populismus sei das Verhältnis zur Gewalt als Mittel der Politik, sagt Stiller: „Das ist noch ein klarer Unterschied.“ In ihrem „Gehabe“ und den von ihnen gesetzten Themen würde er die AfD aber „keinesfalls als bürgerliche Partei bezeichnen“.

15 Institutionen gehören dem Arbeitskreis aktuell an. Darunter sind unter anderem politische Parteien, Kirchengemeinden oder die Fachhochschule. „Wir vertreten zusammen ein paar Hunderttausend Menschen“, sagt Friedrich Stiller: „Das Engagement zeigt, dass wir eine lebendige Zivilgesellschaft haben.“

Im Herbst 2020 feiert der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus sein 15-jähriges Bestehen. Geplant werden ein „Tag der Demokratie“ und öffentliche Aktionen im Stadtbild - genauere Infos zu den Vorhaben werden noch bekannt gegeben.

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