Dortmunder Forscher warnen vor Gesundheitsrisiken durch Tattoos

Technische Universität

Dortmunder Toxikologen haben sich mit den Gefahren von Tätowiermitteln beschäftigt. Bald wird das Thema Tattoos in der Stadt eine größere Rolle spielen: bei einer Messe in den Westfalenhallen.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 16.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beim Tätowieren werden die Pigmente in die Mittlere Hautschicht mit über 100 Stichen pro Sekunde gestochen. Dortmunder Toxikologen sehen dabei Gefahren für die Gesundheit.

Beim Tätowieren werden die Pigmente in die Mittlere Hautschicht mit über 100 Stichen pro Sekunde gestochen. Dortmunder Toxikologen sehen dabei Gefahren für die Gesundheit. © picture alliance/dpa

„Deinen Namen stech' ich mir; Dann bist du für immer hier; Aber wenn du uns entzweist; Such' ich mir jemand, der genauso heißt."

Der Frontmann der Band Rammstein, Till Lindemann, scheint um die riesige Bedeutung der Ewigkeit und der damit einhergehenden Gefahren zu wissen. So heißt es zumindest im Text des Liedes „Tattoo" vom neusten Album der Band. In diesem Fall braucht es als Symbol für die tragische Ewigkeit nichts weiter als etwas „blaue Flut aus der Nadel, die das Blut in den Poren zum Kochen bringt“ – also ein Tattoo.

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Aber auch rein körperlich scheinen viele der häufig verwendeten Tätowiermittel Gefahren zu bergen. Davon zumindest sind die Dortmunder Toxikologen Jan Hengstler und Hermann Bolt vom Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund überzeugt.

In einem Interview in einer von ihnen herausgegebenen Fachzeitschrift berichten die beiden aktuell über mögliche Gesundheitsrisiken als Folge von Tätowierungen.

Von Hautreaktionen bis zum Verdacht krebserregend zu sein

In der Fachzeitschrift „Archives of Toxicology“ haben die Dortmunder Forscher Hengstler und Bold jüngst Frage und Antwort gestanden, über die Gefahren des Tinte-unter-die-Haut-stechens. Demnach sei die harmloseste Gefahr die Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut. So könnten laut Hengstler Tattoos auch nach Jahren noch anfangen, stark zu jucken.

Gefährlicher werde es, wenn man sich manche Tätowierstoffe anschaue. „Die Situation sollte sehr ernst genommen werden“, sagt Bolt zur Frage, was die Pigmente im Menschen anrichten könnten. Viele gängige Tätowiermittel enthielten mutmaßlich Stoffe, die in hohem Maße krebserregend sein könnten.

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So etwa die aromatischen Amine und polyzykische aromatische Kohlenwasserstoffe, die zwar schön auf der Haut aussähen, sich allerdings an die DNA binden und das Erbmaterial verändern könnten. Auch ein möglicher Abrieb von Chrom und Nickel beim Einführen der Tätowiernadel sei laut Bolt mehr als bedenklich. Abschließende Studien dazu gebe es allerdings noch nicht.

„Messen sind keine Großveranstaltungen!"

Tattoos werden in Dortmund besonders im Oktober ein größeres Thema werden. Denn dann steht die Tattoo-Messe „TattooCon“ an. Die Messe soll vom 9. bis 11. Oktober in den Dortmunder Westfalenhallen unter einem umfassenden Hygienekonzept stattfinden.

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Um die Hygienevorschriften umzusetzen, soll laut Veranstalterangaben in diesem Jahr die Veranstaltungsfläche der TattooCon deutlich erhöht werden.

Durch den Verkauf von Tagestickets soll ferner eine gleichmäßige Besucherauslastung gewährleistet werden, genauso wie durch breitere Gänge und großzügiger verteilte Ausstellungsstände.

Für die Anzahl der Ausstellervertreter, die sich gleichzeitig auf einem Stand befinden dürfen, soll es ebenfalls eine strikte Regelung geben.

Auf der TattooCon in den Dortmunder Westfalenhallen können sich Interessierte auch vor Ort tätowieren lassen (hier in 2019). In diesem Jahr soll der Andrang durch weitreichende Regelungen gemäßigt werden.

Auf der TattooCon in den Dortmunder Westfalenhallen können sich Interessierte auch vor Ort tätowieren lassen (hier in 2019). In diesem Jahr soll der Andrang durch weitreichende Regelungen gemäßigt werden. © picture alliance/dpa

Ebenso wird aktuell an einer Regelung für ein zentrales Teilnehmerregister für die Erfassung der Kontaktdaten gearbeitet. Neben einer allgemeinen Maskenpflicht (ausgenommen beim Sitzen) soll es ebenfalls verstärkte Angebote zur Händehygiene sowie eine Aufstockung der Sanitätsdienste geben.

Die Veranstalter weisen zudem darauf hin, dass es sich bei Messen laut Gesetz der NRW-Landesregierung vom 16. Juni nicht um Großveranstaltungen handele, und die TattooCon als angemeldete Messe somit stattfinden dürfe.

Von Rammstein-Sänger Till Lindemann ist übrigens nicht bekannt, dass er sich bisher mit einer Tätowierung verziert hätte. Das könnte einerseits an einer Angst vor den scheinbar so gesundheitsschädlichen Pigmentstoffen liegen. Oder aber, er fühlt sich einfach auch ohne Tinte wohl in seiner Haut.

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