Tafel feiert Riesenerfolg im Kampf gegen Vernichtung von Lebensmitteln

dzSoziales Engagement

Lebensmittel werden schon von den Erzeugern in riesigen Mengen weggeworfen. Für die Tafel ist es ein logistisches Problem, mehr davon zu retten. Da hilft jetzt ein Dortmunder Unternehmen.

Dortmund

, 18.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte Dr. Horst Röhr, der Vorsitzende der Dortmunder Tafel, nur einen Tiefkühlcontainer zur Lagerung von Eis, Tiefkühlpizzen und anderer Tiefkühlware ausleihen. Was die Anfrage bei der Bloedorn Container GmbH aber auslöste, ist eine wunderbare Geschichte.

Seit zwei Jahren bereits unterstützt das Wickeder Unternehmen die Tafel mit Spenden und stellte auch schon einen ausgekleideten Container zur Kinderbetreuung an der Tafel-Zentrale an der Osterlandwehr zur Verfügung.

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„Bei der Frage nach einem Tiefkühlcontainer kam die Sprache darauf, dass wir für die vielen Bedürftigen in Dortmund, die zudem in der Corona-Krise noch mehr werden, zu wenige Waren haben“, sagt Dr. Wilhelm Grote, Vorstandsmitglied bei der Dortmunder Tafel. Das Hauptproblem: der Transport der tonnenweise benötigten Lebensmittel oder auch Drogerieartikel.

Lebensmittel-Überproduktion für ganze Sattelzüge

Zwar stellt die Atlas Schuhfabrik, die seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner der Tafel ist, nahe des Altwickeder Hellwegs Lagerflächen zur Verfügung und verlegte jetzt auch auf eigene Kosten Stromkabel für zwei bis fünf Kühlcontainer, aber das Ranschaffen der Ware in dem Umfang, wie es nötig wäre, war immer schwierig.

Olaf Watermann, der Logistikleiter der Tafel, schildert es so: „Ich kann bei großen deutschen Produzenten von Joghurt oder Keksen die Überproduktion oder die wegen minimalster Fehler aussortierte Ware nicht nur palettenweise, sondern lediglich mit vollen Sattelzügen abholen. Die Firmen wollen nicht 30 Ansprechpartner von 30 Tafeln haben, sondern einen. Sonst wird die Ware weggeschmissen.“

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Sattelzüge hat die Bloedorn Container GmbH, das Logistik-Knowhow auch – vor allem aber auch das Herz. „Wir waren immer schon aufgeschlossen gegenüber sozialen Projekten. Und hier zeigte sich, dass wir nicht nur spenden können, sondern konkret helfen können – und zwar mit dem, was unser Job ist“, sagt Firmen-Mitinhaber Mathias Weber.

Wenn er jetzt einen leeren Container aus Hamburg abholt, dann denkt er die Tafel gleich mit und lässt ihn unterwegs bei einem großen Keksfabrikanten mit Ausschussware voll packen.

„Viele Fahrten werden in der Transportlogistik auch über eine Frachtenbörse abgewickelt. Auch darüber können wir Transporte für die Tafel organisieren“, so Mathias Weber.

Hier wird Kühlware wie Joghurt in einen Container der Bloedorn Container GmbH umgeladen.

Hier wird Kühlware wie Joghurt in einen Container der Bloedorn Container GmbH umgeladen. © Bloedorn Container GmbH

Dass es so möglich ist, riesige Warenmengen am Markt zu halten, sie für die Bedürftigen in unserer Gesellschaft zu retten und die Lebensmittelvernichtung einzudämmen, mache ihm und den Mitarbeitern einfach Spaß.

„Und ein großer Aufwand ist das für uns nicht. Warum soll die Tafel mit Siebeneinhalb-Tonnern Waren abholen, während wir mit gleichem Aufwand das Zehnfache fahren können? Wir brauchen nur die Adresse und eine Telefonnummer. Den Rest machen wir“, sagt Mathias Weber.

Dortmunder Tafel ist anderen um einige Jahre voraus

Für die Tafel bedeutet diese Zusammenarbeit einen Quantensprung. „Damit sind wir anderen Tafeln jetzt um einige Jahre voraus“, sagt Volker Geißler aus der Betriebsleitung der Dortmunder Tafel. „Als Verteiler-Tafel auch für 47 kleinere Tafeln in der Region“, ergänzt er, „sind wir in NRW mit am besten aufgestellt.“

Allein in Dortmund werden 4500 Berechtigte und deren Familien versorgt – also rund 13.000 Menschen. „Zudem beliefern wir auch 31 soziale Einrichtungen wie Kindertagesstätten oder Übernachtungsstellen“, sagt Vorstandsmitglied Wilhelm Grote.

Die kostenlose Hilfe der Firma Bloedorn ist der Tafel erstmal bis Weihnachten sicher. „Dann gibt es eventuell Fördermittel von der Politik, die ja auch die Lebensmittelvernichtung bekämpfen will“, so Volker Geißler.

Dortmunder Tafel

Geldspenden werden weiter benötigt

  • „Nach wie vor können wir jede Geldspende dringend gebrauchen, denn der Bedarf steigt weiter“, sagt Dr. Wilhelm Grote aus dem Vorstand der Dortmunder Tafel.
  • Das Spendenkonto bei der Sparkasse Dortmund lautet: DE 11 4405 0199 0001 1628 61
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