Wie Dortmunder Schulleiter und Lehrer die Rückkehr der Maskenpflicht sehen

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Wenig überrascht reagieren Dortmunder Schulleiter auf die nach den Herbstferien wieder geltende Maskenpflicht im Unterricht. Von anderer Seite allerdings wird auch deutliche Kritik geübt.

Dortmund

, 21.10.2020, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Christof Nattkemper kam die Nachricht am Mittwochnachmittag nicht überraschend. Dass nach den Herbstferien wieder eine Maskenpflicht im Unterricht gilt, werde für die Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums in Hörde kein großes Problem darstellen. „Für meine Schüler“, sagt der Schulleiter, „bedeutet das keine Umstellung. Wir haben auch nach der Lockerung dafür plädiert, die Masken im Unterricht weiter aufzubehalten“, sagt Nattkemper.

Der allergrößte Teil der Schüler habe sich an diese Empfehlung auch gehalten. „Schwierig ist es natürlich in der Jahrgangsstufe 5. Die Kleinen leiden besonders unter der Situation, weil Mimik verschwindet“, so Christof Nattkemper.

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Der Chef des Goethe-Gymnasiums geht davon aus, dass sich aber trotz der Unannehmlichkeit alle Schüler an die Maskenpflicht halten werden. „Denn sonst ist kein Präsenzunterricht möglich. Und Distanzunterricht ist alles andere als erstrebenswert“, sagt er.

Maskenpflicht im Unterricht „ist sinnvoll“

An der Hauptschule am Hafen wurde ebenfalls auch nach dem offiziellen Aussetzen der Maskenpflicht im Unterricht weiterhin auf den Mundschutz im Klassenzimmer gesetzt. Schulleiter Dr. Norbert Rempe-Thiemann hat sich dazu entschieden, „weil uns die Situation in der Nordstadt doch anders vorkommt als im Ministerium in Düsseldorf“. Deswegen findet er es sinnvoll, dass nun wieder flächendeckend in Nordrhein-Westfalen die Maskenpflicht im Unterricht eingeführt wird.

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„Ich kann die Entscheidung der Schulministerin nur begrüßen“, sagt Schulleiter Rempe-Thiemann. Auch seine Schüler hätten den Unterricht mit Maske bisher gut durchgezogen und verstanden, dass es sich dabei um eine wichtige Schutzmaßnahme handelt.

Deswegen ist der Schulleiter sich sicher, dass auch die Wiedereinführung der Pflicht bei Schülern und auch Eltern Anklang finden wird. „Ich glaube schon, dass das von den Schülern und Eltern angenommen wird. Wir haben in der Elternschaft nicht die typischen Maskenverweigerer, sondern eher Eltern, die in großer Sorge sind“, sagt Rempe-Thiemann.

„Die Anordnung ist nachvollziehbar, insbesondere deswegen, weil keine andere Regelung für den Fall steigender Infektionszahlen getroffen wurde“, sagt die Schuldezernentin der Stadt Dortmund, Daniela Schneckenburger.

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Flexibler allerdings wäre nach ihrer Ansicht ein Stufenplan gewesen, wie ihn die Bayern aufgestellt haben - mit einer Aufteilung zwischen Distanz- und Präsenzunterricht. „Das stufen- und schulformangepasst zu verwirklichen, wäre vielleicht die bessere Lösung“, so Schneckenburger.

Sie hätte es vorgezogen, wenn man im Schulministerium für bestimmte Inzidenzen bestimmte Beschulungsformen definiert hätte. „Dann hätten sich die Lehrer darauf einstellen können.“

Verbände kritisieren: Es fehlen Räume und Personal

Grundsätzliche Zustimmung gepaart mit sehr kritischen Anmerkungen kommt vom Verband Bildung und Erziehung NRW (VBE), der seinen Sitz am Westfalendamm hat. „Die Wiedereinführung ist mehr als nachvollziehbar, allerdings muss die Frage gestellt werden, ob dies wirklich die einzige Maßnahme bleiben kann. Denn nur, wer sich in der Schule sicher fühlt, kann lehren oder lernen. Warum die Pflicht nur für Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe 5 gelten soll, ist fraglich“, erklärt Stefan Behlau, Vorsitzender des VBE in Nordrhein-Westfalen.

Ähnlich äußert sich Volker Maibaum, Vorsitzender der Lehrer-Gewerkschaft GEW in Dortmund: „Neben der Maskenpflicht wären kleinere Lerngruppen die beste Maßnahme, um Abstände einzuhalten. Dafür fehlen aber Räume und Personal.“

Das unterstreicht auch Stefan Behlau: „Hier sind die Versäumnisse der Vergangenheit und Gegenwart überdeutlich. Nach wie vor ist das Abstandhalten in den Klassenräumen nicht möglich, Maskenpflicht und Stoßlüften sind leider die einzigen Antworten, die die Landesregierung auf dringende Fragen gibt.“

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