Kira Tingelhoff und die Sanitätshaus-Mitarbeiter Dominik May, Stefan Hülscher und Malte Koppermann ärgern sich über das Vorgehen der Stadt Dortmund bei Corona-Schutzimpfung. © Oliver Volmerich
Corona-Schutzimpfung

Dortmunder Sanitätshaus klagt über Hürden bei Vergabe von Impfterminen

Auch Sanitätshaus-Mitarbeiter, die in Pflegeheimen tätig sind, können mit höchster Priorität gegen Corona geimpft werden. Wie die Stadt Dortmund das umsetzen will, stößt auf Unverständnis.

Sie nehmen Maß für passende Rollstühle, sie passen Kompressionsbekleidung und Prothesen an. „Wir sind mit den Patienten, auch Covid-Kranken, hautnah in Kontakt“, berichten Dominik May und Malte Koppermann.

Auf eine Corona-Schutzimpfung warten die beiden Mitarbeiter des Sanitätshauses Tingelhoff bislang aber vergeblich.

Dabei gehören auch Beschäftigte von Hilfsmittel-Diensten und Sanitätshäusern, „die regelmäßig in vollstationären Pflegeeinrichtungen tätig sind“, zu den Impfberechtigten der höchsten Prioritätsstufe.

So steht es explizit in einem Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums vom 18. Februar. Mit Hinweis darauf hat sich das Sanitätshaus mit Sitz in Körne auch schon früh an die Stadt Dortmund gewandt.

Im Januar hatte es von Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken noch per Mail die Auskunft gegeben, dass die Sanitätshaus-Mitarbeiter wohl erst ab dem 3. Quartal damit rechnen dürften, eine Impfmöglichkeit zu bekommen, berichtet Kira Tingelhoff. Sie kümmert sich in dem Familienunternehmen mit mehr als 260 Mitarbeitern um das Marketing. Mit dem aktuellen Erlass des Landes ist nun klar, dass es schneller geht.

Die Firma Tingelhoff hat sich deshalb vor zwei Wochen erneut an die Stadt gewandt und um Informationen über die Impfmöglichkeiten für Mitarbeiter gebeten. Auf eine Antwort warte man noch, berichtet Kira Tingelhoff.

Bestätigung der Pflegeheime

Die gab es immerhin auf Anfrage unsere Redaktion bei der Stadt. Um Mitarbeiter von Sanitätshäusern impfen zu können, sei eine schriftliche Bestätigung der Pflegeeinrichtungen nötig, erklärte Stadtsprecherin Anke Widow.

„Das Impfzentrum hat die vollstationären Pflegeeinrichtungen bereits angeschrieben und um die Benennung der durch den Erlass berechtigten Personen gebeten.“ Dabei geht man bei der Stadt davon aus, dass Personen und Firmen, die regelmäßig in den Pflegeeinrichtungen Dienstleistungen anbieten, in den Einrichtungen auch bekannt sind.

„Sofern das Sanitätshaus Tingelhoff in vollstationären Pflegeeinrichtungen regelmäßige Dienstleistungen erbringt, aber nicht von diesen angesprochen wurde, kann das Unternehmen zu den betreffenden Häusern Kontakt aufnehmen und um die Ausstellung einer entsprechenden Bescheinigung bitten“, teilt Anke Widow mit.

Das ist immerhin eine Auskunft. „Uns gegenüber war die Stadt Dortmund in zwei Wochen nicht in der Lage, auf unsere Anfrage zu antworten“, sagt Tingelhoff-Mitarbeiter Stefan Hülscher.

Viele verschiedene Stationen

Für die Firma Tingelhoff stellt sich aber auch die Frage, wie praktikabel das Vorgehen der Stadt ist. „Unsere Außendienstler fahren täglich bisweilen bis zu 15 verschiedene Stationen an. Wo sollen sie denn dann auf die Liste?“ fragt Kira Tingelhoff.

„Und warum sollen unsere Kooperationspartner besser wissen, wer von unseren aufgrund verschiedener Schichten und Touren wechselnden Kolleginnen und Kollegen bei ihnen an welchem Tag unterwegs ist.“

Keiner der Partner kenne die vollen Kontaktdaten jedes Tingelhoff-Mitarbeiters, der dort ein- und ausgehe. „Und keiner dieser Partner hat verständlicherweise Zeit, Kapazitäten und Lust, sich auch noch um unsere Impftermine zu kümmern. Vom Thema Datenschutz ganz zu schweigen“, sagt Kira Tingelhoff.

Zu denen, die täglich mehrere Einrichtungen und auch private Patienten besuche, gehören auch Dominik May und Malte Koppermann. „Damit entsteht trotz aller Schutzmaßnahmen eine regelrechte Gefahrenkette, weil wir so das Virus weitertragen können“, stellt Koppermann fest. „Und wir haben fast ausschließlich mit Risiko-Patienten zu tun.“

„Unsere Mitarbeiter könnten im schlimmsten Fall das Virus von Station zu Station und von Heim zu Heim tragen“, ergänzt Kira Tingelhoff. Insofern bedeutet jeder Umweg bei der Impfanmeldung auch einen unnötigen Zeitverzug. „Einfacher und besser wäre es doch, man würde auf uns zukommen.“

Schnelle Hilfe im Kreis Unna

Dass dies möglich ist, zeigt der Kreis Unna. „Von dort haben wir auf unsere Anfrage eine schnelle Antwort und eine Excel-Liste bekommen, in der wir unsere Mitarbeiter für eine Impfung eintragen können – natürlich nur die, die auch im Kreis Unna tätig sind“, berichtet Kira Tingelhoff.

55 von 78 Außendienst-Mitarbeitern können so in Kürze im Impfzentrum in Unna geimpft werden. 23, die nur in Dortmund im Einsatz sind, müssen aber weiter warten.

Unverständlich erscheint das Verhalten der Stadt auch angesichts der Tatsache, dass viele Beschäftigte aus dem Pflegebereich ihre Einladung zu Impfterminen nicht wahrnehmen. Möglicherweise, weil sie den Impfstoff der Firma Astra Zeneca, der an unter 65-Jährige verimpft wird, scheuen.

Bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei die Impfbereitschaft hoch, stellt Kira Tingelhoff fest. Und daran habe auch die Nachricht, dass mit Astra Zeneca geimpft werde, nichts geändert. „Es hat sich daraufhin bei uns niemand gemeldet, dass er damit nicht geimpft werden möchte“, berichtet Kira Tingelhoff.

Meinung

Stadt baut unnötige bürokratische Hürden auf

  • Möglichst schnell möglichst viele Menschen, die in Kontakt mit Risikogruppen stehen, impfen: Das sollte eigentlich das Ziel im Kampf gegen Corona sein. Dabei müssen natürlich Regeln beachtet werden. Aber bürokratische Hürden sind fehl am Platz.
  • Man fragt sich deshalb in der Tat, warum Sanitätshäuser, deren Mitarbeiter Tag für Tag in vielen verschiedenen Pflegeheimen unterwegs sind, von den Pflegeheimen gemeldet werden müssen – dann möglicherweise doppelt und dreifach. Wie sollen die Heime glaubhaft belegen, welche wechselnden Mitarbeiter von Dienstleistenden regelmäßig ins Haus kommen? Und warum bürdet man den Heimen gerade in diesen Zeiten diesen bürokratischen Aufwand auf?
  • Die Vorgehen der Stadt Dortmund ist weltfremd und bürokratisch. Der Kreis Unna zeigt, dass es auch anders geht. Dortmund sollte sich daran ein Beispiel nehmen.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
Zur Autorenseite
Oliver Volmerich
Lesen Sie jetzt