Dortmunder sammeln hunderte Kippen von Hand auf – und kommen vor lauter Stummeln kaum voran

dz„Clean Up“

Zum zweiten Mal hatte die Youngcaritas zum „Clean Up“ aufgerufen. Dabei wird die City von weggeworfenen Zigarettenkippen befreit. Unser Autor hat mitgemacht.

Dortmund

, 11.02.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ausgestattet mit Gummihandschuhen und großen Flaschen geht es los. Es ist später Nachmittag. Die Dortmunder Innenstadt ist voll von Menschen. Kein perfekter Zeitpunkt um sich auf den Knien durch die City zu bewegen – könnte man meinen. Für die vom Netztwerk „Youngcaritas“ geplante Zigarettenstummel-Aktion ist die volle Innenstadt allerdings genau die richtige Umgebung.

„Wir sind zwar dieses Mal eine etwas kleinere Gruppe, aber dadurch, dass wir auf dem Boden herumkrabbeln, können wir trotzdem auf unsere Aktion aufmerksam machen“, erklärt Kristina Sobiech vom Caritasverband Dortmund.

#fillthebottle als weltweites Projekt

Zum zweiten Mal hat die Youngcaritas zum „Clean Up“ aufgerufen, wie die gemeinnützige Aktion genannt wird. Weltweit versammeln sich dabei Menschen unter dem Hashtag #fillthebottle, um ihre Umgebung von weggeworfenen Zigarettenkippen zu befreien. Und dieses Mal bin ich mit von der Partie.

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Am Hansaplatz in der Innenstadt geht es los. Im Feierabendgetümmel hangeln wir uns in der Hocke von Zigarettenstummel zu Zigarettenstummel. Meinen Eindruck, dass man vor lauter Kippen kaum vorwärts kommt, teilt auch Stella, die sich dem Aufruf der youngcaritas kurzerhand angeschlossen hat:

„Ich habe vor zwei Tagen wieder mit dem Rauchen angefangen, aber die herumliegenden Zigaretten finde ich einfach ein Unding. Dadurch, dass sich die Kippen ja nicht zersetzen, bleiben sie einfach ewig auf den Wegen liegen. Ich habe deshalb immer eine Box mit, in der ich meinen Zigarettenmüll sammel.“ Eine Raucherin, die den Kippen den Kampf ansagt.

Dortmunder sammeln hunderte Kippen von Hand auf – und kommen vor lauter Stummeln kaum voran

Stella ist selbst Raucherin. Für ihren Zigarettenmüll hat sie aber immer eine extra Box parat, damit die Glimmstängel nicht in der Gegend herumliegen. © Kristina Sobiech

Dass freiwillig Menschen die weggeworfenen Zigaretten anderer Leute einsammeln, scheint allerdings für viele Passanten eine befremdliche Vorstellung zu sein. Unsere kleine Gruppe sieht sich beinahe durchgehend den ungläubigen Blicken von vorbeigehenden Passanten ausgesetzt.

Die überwiegende Resonanz in den entstehenden Gesprächen: Was für eine tolle Aktion. Warum gibt es so etwas eigentlich nicht häufiger? Und dennoch - an diesem Nachmittag zählt unsere Sammel-Crew lediglich sieben Mitstreiter. Das tut dem Engagement allerdings keinen Abbruch.

Nicht alle Beobachter sind von der Aktion überzeugt

Auch als wir nach schätzungsweise 800 aufgesammelten Kippen von einem jungen Mann mit qualmender Zigarette in der Hand gefragt werden, weshalb wir denn den Müll nicht einfach liegen lassen und stattdessen den SUV-Fahrern in der Stadt auf die Nerven gehen würden, bleibt der Ehrgeiz ungetrübt.

„Die Flaschen machen wir heute auf jeden Fall voll“, beteuert Bernard Austermann. Mit seinen 64 Jahren ist der Dortmunder mit Abstand der älteste Kippen-Sammler der Gruppe. „Ich finde es wirklich toll, dass sich die jungen Leute hier auf diese Art und Weise engagieren und möchte gerne meinen Teil dazu beitragen“, so Austermann.

„Man muss die Tabakunternehmen in die Pflicht nehmen“

Mittlerweile haben wir uns fast bis zum Westenhellweg gerobbt. Dort treffen wir auf Dieter Schade. Ihm sind die vielen Zigarettenkippen schon lange ein Dorn im Auge: „Die liegen hier in jeder Fuge. Ich finde, man müsste die Tabakunternehmen da mehr in die Pflicht nehmen.“

Dortmunder sammeln hunderte Kippen von Hand auf – und kommen vor lauter Stummeln kaum voran

Nur etwas mehr als eine Stunde hat es gedauert, bis die großen 1,5-Liter-Flaschen mit Zigarettenkippen aus der Innenstadt gefüllt waren. © Kristina Sobiech

Mir stellt sich an diesem Freitagnachmittag indes die Frage, woher die engagierten Sammler ihre ungebrochene Motivation nehmen. Aber Christel hat eine einfache Erklärung: „Jede Kippe, die weg ist, ist weg.“ Das scheint ebenso simpel wie einleuchtend.

Als nach mehr als einer Stunde alle Flaschen gefüllt sind, machen die emsigen Sammler Feierabend. Zur Belohnung spendiert der Inhaber eines benachbarten Kiosks eine Runde Kaffee. Das Herumgekrabbel auf dem Boden hat sich ausgezahlt.

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