Heiraten in Corona-Zeiten: Dortmunder Paar hat es genossen

dzCorona-Hochzeit

Trauung ohne Gäste und Trauzeugen: Ein Paar aus Dortmund berichtet von seiner Corona-Hochzeit. Depressive Stimmung? Keineswegs! Wie Romantik und Glückseligkeit trotz Corona möglich sind.

von Nick Kaspers

Dortmund

, 04.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Kontaktverbot verbietet seit Montag (23.3.) das Treffen von mehr als zwei Personen. In Dortmund darf noch standesamtlich geheiratet werden, jedoch ohne Gäste beim Amt und ohne anschließende Feier mit den Liebsten. Viele Paare verzichten daher ganz auf die Hochzeit, bis das Coronavirus überstanden ist.

Dass man dennoch in der bedrückenden Zeit der Corona-Krise trotz fehlender Gäste, ausfallenden Feierlichkeiten und sogar ohne Trauzeugen eine romantische Hochzeit zelebrieren kann, zeigten Rosemary Snelling-Gögh und Norbert Gögh. Sie erzählen ihre etwas verrückte Hochzeitsgeschichte.

Rosemary Snelling-Gögh, geborene Snelling, und ihr Mann Norbert Gögh aus Dortmund sind seit einem Jahr ein Paar. Ihre standesamtliche und kirchliche Hochzeit war für den 18. Juli geplant – beides an einem Tag. Das Coronavirus machte ihre Planung zunichte.

„Am vergangenen Montag (23.3.) bekamen wir einen Anruf vom Standesamt“, berichtet Rosemary. Die Nachricht: Aktuell vergebe die Stadt wegen Corona keine Hochzeits-Termine mehr. Somit sei auch ihr Termin erstmal auf Eis gelegt. Ein neuer Termin musste her.

Hochzeit mit erschwerten Bedingungen

Norbert Gögh besitzt die ungarische Staatsbürgerschaft. Daher gestaltete sich die Hochzeitsplanung für ihn und Rosemary schwieriger als für ein Paar, bei dem beide Partner die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Eine Befreiung auf die Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses musste beim Standesamt beantragt werden.

Die wurde zwar vom Oberlandesgericht genehmigt, ist im Anschluss aber nur sechs Monate gültig. Bei einem deutlich späteren Termin hätte das Paar die Papiere erneut einreichen und die Bearbeitungskosten nochmal zahlen müssen.

Noch am selben Tag, nur fünf Minuten nach der Absage der Hochzeit, klingelte das Telefon zum zweiten Mal – und wieder war es das Standesamt. „Die Mitarbeiterin hat gesagt, eine Büro- und Krisenhochzeit wäre früher möglich“, erzählt Rosemary. „Der neue Termin hat uns erstmal geplättet“, sagt sie weiter, denn: Er war schon am nächsten Tag, um 8 Uhr morgens. Doch das Paar sagte zu.

„Wir haben schnell in unserem Kleiderschrank gekramt und Sachen rausgesucht, die eigentlich nicht für eine Hochzeit gedacht waren“, sagt die Dortmunderin.

Die Eheringe hatte das Paar schon im Voraus gekauft. Wie man sich einen Brautstrauß organisiert, wenn Blumenläden geschlossen sind, zeigten Rosemary und Norbert in bester Manier.

Ein Brautstrauß aus Rewe-Blumen und Garten-Blättern

„Rosen und Margeriten haben wir in einem Rewe gekauft“, so Rosemary. Grünzweige und Blätter kamen aus dem Garten. Schnell zusammengebunden und fertig war der Brautstrauß. Rosemary schildert: „Es war alles ein bisschen wie in Trance. Es ging so schnell vorbei, dass man es kaum mitbekommen hat.“

Am Dienstagmorgen (24.3.) machten sich die beiden über den Friedensplatz auf den Weg zum Dortmunder Rathaus. „Mein Mann sagt, wir sind wie Adam und Eva durch das Rathaus gegangen“, erzählt Rosemary. Denn gespürt hätten sie vor allem Leere – auf den Straßen, und im Rathaus.

Ähnlich leer sei es im Trauzimmer gewesen. Das Hochzeitspaar, eine Standesbeamtin, das war’s. Keine Gäste, keine Trauzeugen. „Es war schon ein komisches Gefühl, aber es war trotzdem sehr schön“, sagt Rosemary. Denn küssen durfte sich das Paar auch trotz Corona-Krise.

Nur 10 bis 15 Minuten habe die Trauung im Rathaus gedauert. Dann sei alles wieder vorbei gewesen. „Manchmal haben wir uns schon gefragt, ob das alles real ist“, sagt Rosemary. Auch im Nachhinein schildert sie ihre Gedanken so: „Es ist immer noch total irreal, dass das wirklich passiert ist.“

Vor dem Rathaus seien die frisch Vermählten von einem befreundeten Paar empfangen und nach altem Brauch mit Reis beworfen wurden. „Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass sie uns beglückwünscht haben – mit ausreichendem Sicherheitsabstand natürlich.“

Hochzeitsfeier und Flitterwochen in etwas anderer Form

Eine große Feier gab es im Anschluss an die Trauung nicht. „Wir sind an der Ruhr entlang spaziert, haben die Sonne genossen und hatten ein schönes Abendessen“, sagt Rosemary. Während des Spaziergangs habe das Paar eine Freundin getroffen: „Sie ‚musste‘ den Brautstrauß fangen. Witzigerweise kam dabei ein Schwan angeschwommen, der wie bestellt unbedingt mit auf die Fotos wollte.“

Dieser Schwan wollte auf den Hochzeitsbildern nicht fehlen und mogelte sich aufs Foto.

Dieser Schwan wollte auf den Hochzeitsbildern nicht fehlen und mogelte sich aufs Foto. © privat

Nachdem das Coronavirus überstanden ist, will das Paar die kirchliche Hochzeit nachholen. „Im Prinzip feiern wir dann doppelt, denn sonst wäre alles an einem Tag gewesen.“

Die Situation rund um das Virus habe ihnen die romantische Stimmung nicht vermiest: „Wir haben vor allem die kleinen Momente schätzen gelernt“, beschreibt Rosemary. Das Paar habe sich eigentlich eine Feier mit vielen Gästen bei der Hochzeit vorgestellt, doch auch ohne Party sei es „wunderschön“ gewesen.

Und Flitterwochen? Die waren eigentlich in Form eines Italien-Urlaubs geplant – nicht aber in Corona-Zeiten. „Wir wollen sie nachholen. Nun haben wir erstmal Flitterwochen auf Balkonien in Wellinghofen“, lacht Rosemary.

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