Prof. Dr. Carsten Watzl hat in einem Interview mit der britischen BBC einen viel beachteten Vorschlag gemacht. © IFADO
Impfung gegen Corona

Dortmunder Immunologe macht Kanzlerin Merkel brisanten Vorschlag

Der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl hat Bundeskanzlerin Angela Merkel einen brisanten Impf-Vorschlag auf internationaler Ebene gemacht – und dabei unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

Das E-Mail-Fach von Prof. Dr. Carsten Watzl ist am Wochenende recht vollgelaufen. Der Dortmunder Immunologe vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund hatte in einem Interview mit der britischen BBC einen brisanten Vorschlag gemacht, der nicht lange auf Reaktionen warten ließ.

Hintergrund ist der Streit um den Corona-Impfstoff von Astra Zeneca. Kanzlerin Angela Merkel soll sich mit dem Präparat, dessen Wirksamkeit viele nicht trauen, im Fernsehen impfen lassen, schlug Watzl in dem BBC-Interview vor. So könne Merkel die Skepsis gegenüber dem britischen Impfstoff einfangen, hofft Watzl, der auch Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie ist.

Die Astra-Zeneca-Impfung habe mehr ein Image- als ein wissenschaftliches Problem, stellte Watzl am Montag (1.3.) im Gespräch mit dieser Redaktion fest. „Wir Wissenschaftler können zwar mit wissenschaftlichen Fakten darlegen, dass es mit Astra Zeneca eine sichere und effektive Impfung ist – und wir werden heute dazu noch als Deutsche Gesellschaft für Immunologie eine Stellungnahme veröffentlichen –, aber wir Wissenschaftler können leider nur begrenzt etwas an diesem Image ändern.“

Prof. Dr. Carsten Watzl ist auch Gast bei unserem nächsten Live-Talk „Wir müssen reden“ zum Thema Impfen. Sie können ihn am Freitag, 5. März, um 18.30 Uhr kostenlos unter www.ruhrnachrichten.de verfolgen. Mit dabei sind außerdem Dr. Hermann Geldmann, Leiter des Impfzentrums Recklinghausen, Impf-Skeptiker Christian Thome sowie Gesa Gosing-Heyden, die an Corona erkrankt war. Fragen schon jetzt per Mail an: reden@ruhrnachrichten.de.

Studien aus Großbritannien

In Deutschland wurde der Impfstoff aus England auch deshalb als Vakzin zweiter Klasse angesehen, weil die Ständige Impfkommission vor dem Hintergrund damals fehlender Daten den Einsatz bei über 65-Jährigen nicht empfohlen hat.

„Doch jetzt liegen solche Daten vor. Aus England und Schottland gibt es Studien, die eine sehr gute Effektivität gerade auch bei Älteren zeigen“, so Watzl. Es sei abzusehen, dass die Ständige Impfkommission Astra Zeneca auch für über 65-Jährige befürworten werde. Das geschehe etwa in 14 Tagen zeitgleich mit der Zulassung des Impfstoffes von Johnson & Johnson, vermutet der Immunologe.

Nur inoffizielle Reaktionen

„Da würde es zeitlich gut passen, wenn Kanzlerin Merkel, die mit 66 Jahren im Moment dieses Vakzin nicht bekommen kann, sich damit impfen lassen würde“, sagt der Mediziner.

Offizielle Reaktionen auf seine Idee hat Watzl noch nicht bekommen, aber jede Menge inoffizielle, „von Leuten, die das gut finden, anderen, die das für unnötig halten, weil Frau Merkel ja noch nicht dran ist, und von Leuten, die sagen, das bringt eh‘ nichts, denn ihr spritzt sowieso nur Kochsalzlösung. Eben die ganze Bandbreite.“

Die Kanzlerin habe sich auf seinen Vorschlag noch nicht gemeldet. „Das erwarte ich auch nicht“, sagt Watzl, „es ist nur ein Vorschlag. Ich würde mich natürlich auch liebend gern selber sofort mit Astra Zeneca impfen lassen, aber ich glaube, die Öffentlichkeitswirksamkeit, wenn ich mich impfen lassen würde, wäre null.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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