Ein Bienenschwarm am Freitag (18.6.) unter einer Fensterbank in der Uhlandstraße in der Dortmunder Nordstadt. © Schäfer
Mit Video

Dortmunder Imker prophezeit regelrechte Invasion von Bienenschwärmen

Das Frühjahr war zu kalt für die Bienen, aber trotzdem soll es in zwei Wochen sehr viele Bienenschwärme geben, sagt der Dortmunder Imker Ralf Schmidt – und hat eine verblüffend logische Erklärung.

Der Dortmunder Imker Ralf Schmidt ahnt, was auf ihn zukommt. Die ersten Vorboten liegen in seinem Mailfach. Post von Dortmundern, in deren Hof oder Garten sich Bienenschwärme ansiedeln. So auch in der Uhlandstraße in der Nordstadt. Dort hat sich ein Bienenschwarm von draußen von der Fensterbank einen Weg durchs Mauerwerk und die Heizungsleitung bis ins Innere einer Wohnung gebahnt.

Ein typischer Einsatz für Imker Schmidt, der den Schwarm einfängt. „In 14 Tagen wird es viele Bienenschwärme geben“, prophezeit der Experte – und erklärt, warum das so kommen wird.

Schuld ist das kalte, nasse Frühjahr, das auch während der gesamten Rapsblüte angehalten hat. Der gelbe Raps stand zwar wunderschön und für Bienen verlockend im Feld, aber für die Honigbienen war es zu kühl und hat zu viel geregnet, um auf Nahrungssuche zu gehen und den Nektar in den Stock zu holen. Schmidt: „Der Rapshonig braucht 13 bis 14 Grad.“ Das Wetter habe den Imkern einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Dieses Jahr gibt es so gut wie keinen Rapshonig.“

Doch weil die Bienen wegen der ausgefallenen Nektarsuche wenig Arbeit hatten, hatten sie Zeit und auch Platz, sich zu vermehren; denn „in jede Wabe, in der Honig liegt, kann die Königin kein Ei legen“, so der Imker, „aber wenn wenig Honig kommt, hat sie Platz. Und die Bienen können sich auf ihre Brut konzentrieren.“

„Bienensterben ist eine Propaganda-Lüge“

Sobald im Bienenvolk eine neue Königin das Licht der Welt erblickt, zieht die alte Königin mit einem Teil des Volkes aus und sucht ein neues Zuhause. Das sind die Bienenschwärme, die sich zunächst in der Nähe ihres alten Zuhauses an einem geeigneten Ort ein neues Domizil suchen, in der Regel Äste, manchmal auch eine Fensternische oder eine Terassenüberdachung. Das „Schwärmen“ ist bei den Bienen die natürliche Art der Vermehrung.

Wer einen Bienenschwarm in seinem Haus oder seinem Garten findet, sollte die Ruhe bewahren. „Kein Grund zur Panik“, sagt Ralf Schmidt. Imker sammelten diese Schwärme gern ein. Doch dafür müssen sie schnell sein.

Imker müssen schnell sein

Denn ein Bienenschwarm lässt sich in der Regel nur vorübergehend nieder, deshalb sei es wichtig, diesen schnell zu bergen, so Schmidt. Und ohne imkerliche Hilfe sei ein Bienenschwarm kaum überlebensfähig.

Angesichts der erwarteten Bienenschwärme also Entwarnung, was das Bienensterben betrifft? Imker Schmidt winkt ab. „Es gibt kein Bienensterben bei Honigbienen, die von Imkern gehalten werden. Das ist eine Propaganda-Lüge von amerikanischen Imkern, die um Subventionen buhlen.“

Bedroht sind die Wildbienen

Bei den Wildbienen allerdings sei das anders, sagt Schmidt, „die sind bedroht.“ Doch auch bei den Wildbienen habe sich die Situation verbessert. Chemische Schädlingsbekämpfungsmittel würden inzwischen zurückhaltender eingesetzt als früher.

„Heute rufen Landwirte mich an und fragen, ob die Bienen noch fliegen oder ob sie schon spritzen können. Wenn die Bienen noch draußen sind, spritzen sie abends im Dunkeln“, berichtet der Imker.

Über 550 Wildbienenarten gibt es in Deutschland, mehr als die Hälfte von ihnen sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Sie hat dieser kalte Frühling besonders hart getroffen, denn sie sind in der freien Wildbahn auf sich gestellt.

Kontakt

Bienenschwarm in Hof oder Garten?

Ansprechpartner für Bienenschwärme in Dortmund ist zum Beispiel Stefan Kronenberg, 44269 Dortmund, 0176 63 17 59 90, E-Mail: [email protected]

Weitere Informationen zum Thema Bienenschwärme gibt es auf der Homepage dortmunder-bienenfreunde.de

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt