Dortmunder halten Straßen für mies - Stadt hält sie für „durchaus gut“

dzOnline-Umfrage

Marode Straßen, Schlagloch-Pisten und Flickenteppiche nerven die Dortmunderinnen und Dortmunder seit Jahren. An ihrer Wut darüber hat sich nichts geändert, wie unsere Online-Umfrage belegt.

Dortmund

, 30.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Jahr 2014, vor der letzten Kommunalwahl, befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa in unserem Auftrag die Dortmunderinnen und Dortmunder, welches Thema ihnen am meisten auf den Nägeln brennt. Die Antwort war eindeutig: Auf Platz 1 landete der Zustand der Straßen.

SERIE

DIE ARBEIT DER STADT IM UMFRAGE-CHECK

Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt - und damit ein neuer Chef für die Dortmunder Stadtverwaltung. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.
In der Folgezeit wurde ein Straßenerneuerungsprogramm aufgelegt, wurden viele Millionen Euro im städtischen Haushalt für diesen Zweck bereitgestellt. Doch in den Folgejahren standen diese zweistelligen Millionensummen oft nur im Etat, ausgegeben wurde nur ein Teil davon. Zunächst lag ein Grund in fehlender Planungskapazität, dann gab es andere Probleme wie etwa explodierende Baupreise. Unterm Strich überrascht es daher nicht, dass sich zumindest dem Gefühl der Dortmunder nach zu urteilen beim Zustand der Straße nicht allzuviel zum Guten gewendet hat.

80,5 Prozent vergeben schlechte Noten

Bei unserer nicht repräsentativen Online-Umfrage, an der sich rund 2.700 Nutzer beteiligt haben, gab es erneut sehr schlechte Noten für die Straßen in unserer Stadt. Der Aussage „Der Zustand der Dortmunder Straßen ist schlecht“ stimmten insgesamt 80,5 Prozent zu, und lediglich 2,3 Prozent sind der Meinung, dass diese Aussage überhaupt nicht zutrifft. Viel schlechtere Noten kann man bei einer Umfrage kaum noch erhalten.

Und wie bewertet die Stadt dieses Umfrageergebnis? „Der Eindruck, dass sich das Dortmunder Straßennetz in einem schlechten Zustand befindet, ist sicherlich subjektiv unterschiedlich“, schreibt die Stadt und fährt fort: „Das Dortmunder Straßennetz insgesamt befindet sich durchaus in einem guten Zustand“.

Mit der kaputten Alufelge ins Rathaus

Das sehen viele Dortmunderinnen und Dortmunder ganz anders, was sich auch an den ergänzenden Bemerkungen ablesen lässt, die einige Umfrage-Teilnehmer zu diesem Thema machten. Da heißt es unter anderem: „Die Straßen sind in einem katastrophalen Zustand. Das Problem dabei ist: Die werden kaputt geflickt.“ Oder: „In Dortmund flanieren geht nur mit Bergsteigertiefeln“, meint eine Frau mit Blick auf die Kampstraße, deren Umbau schon seit Jahren abgeschlossen sein sollte, aber bis heute noch nicht einmal richtig begonnen hat.

Und ein Autofahrer schreibt über Dortmunder Rumpelpisten: „Die sollen die Straßen endlich mal fertig machen. Die nächste Alufelge, die ich mir in einem Schlagloch kaputt fahre, bringe ich persönlich ins Rathaus.“

Nur die Hauptstraßen sind sehr gut oder gut

Auf diesen Besuch würden die Menschen im Rathaus sicherlich gerne verzichten. Die Stellungnahme der Stadt zeigt aber, dass die Verantwortlichen im Rathaus den Ärger so vieler Menschen aber zumindest zum Teil nachvollziehen können.

Der Zustand der Straßen sei halt sehr unterschiedlich. „So sind Hauptverkehrsstraßen eher in einem sehr guten bis guten Zustand, wohingegen Anliegerstraßen bisweilen einen ausreichenden bis schlechten baulichen, aber verkehrssicheren Zustand aufweisen“, ist in der städtischen Stellungnahme zu lesen. Das Peinliche für die Stadt: Für viele Hauptstraßen - nämlich die Bundes- und Landesstraßen mit ihrem relativ guten Zustand - sind Bund und Land zuständig, für alle anderen Straßen aber die Stadt.

Auch verweist die Stadt auf die Zustandserfassungen der vergangenen Jahre. Demnach befänden sich rund 70 Prozent der 1.800 Kilometer Straßen in Dortmund in einem „guten bis befriedigenden Zustand, 30 Prozent in einem ausreichenden und lediglich 8 Prozent in einem zwar schlechten, aber immer noch verkehrssicheren Zustand.

Kritik an auf wundersame Weise verbesserten Noten

Diese Zustandserfassung der Dortmunder Straßen ist allerdings in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. So deckte unserer Redaktion 2016 auf, dass sich die Durchschnittsnote aller Straßen in Dortmund zwischen den beiden Erfassungen 2009 und 2014 von 3,1 auf 2,6 verbessert hat. Mit den wirklichen Veränderungen vor Ort hatte das allerdings praktisch nichts zu tun. Nach einer Überprüfung der Daten erklärte die Stadt die wundersame Verbesserung mit einem Berechnungsfehler im Computerprogramm.

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