Dortmunder Firmen fehlen im Corona-Jahr die Azubis - 1300 Stellen frei

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Die Corona-Pandemie hat den Ausbildungsmarkt im Frühjahr ziemlich ausgebremst. Jetzt fehlen vielen Betrieben die Nachwuchskräfte - denn Bewerbungen bleiben aus.

Dortmund

, 03.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die neuen Auszubildenden kann Antje Tauscher, Prokuristin der Vogt-Gruppe, an den Fingern einer Hand abzählen. Gerade mal vier junge Männer haben bisher bei dem Unternehmen in Barop ihre Ausbildung zum Gebäudereiniger begonnen. „Es gibt kaum Bewerbungen. Ab März ging nichts mehr. Dabei suchen wir händeringend Auszubildende“, sagt Antje Tauscher.

17 bis 20 Auszubildende stellt die Vogt-Gruppe, die in Dortmund insgesamt 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, eigentlich in jedem Jahr ein. Daran ist in diesem Jahr nicht zu denken. „Viele Schulabgänger sind verunsichert, ob sie sich noch bewerben und persönlich vorstellen können oder ob das wegen der Corona-Pandemie nicht geht“, sagt Antje Tauscher.

Und Heike Bettermann, Leiterin der Dortmunder Agentur für Arbeit, stellt fest, dass viele Jugendliche wegen der im Frühjahr an den Schulen ausgefallenen Angebote zur Berufsorientierung ihre Berufswahl noch nicht abgeschlossen haben und einen Ausbildungsbeginn auf das nächste Jahr verschieben. „Das allerdings sollte man nicht tun. Denn im nächsten Jahr haben wir wahrscheinlich die gleiche Stellensituation, aber dann mehr Bewerber“, sagt Heike Bettermann und betont eine Fülle an Chancen, die es in diesem Jahr noch auf dem Ausbildungsmarkt gebe.

Arbeitgeber melden täglich neue Lehrstellen

„Es ist ein Mythos, dass es keine Ausbildungsplätze in diesem Jahr gibt. Der Ausbildungsmarkt hängt stattdessen rund sechs bis acht Wochen in der Besetzung freier Stellen zurück. Der finale Endspurt am Ausbildungsmarkt wird sich daher in diesem Jahr nicht wie üblich im August abspielen, sondern auch in die Zeit der Nachvermittlung ziehen“, so Heike Bettermann.

Ende Juli waren in Dortmund noch 1314 Ausbildungsstellen gemeldet. „Und es ist noch viel Bewegung. Arbeitgeber melden uns täglich weitere neue freie Ausbildungsstellen und suchen auch für diesen Sommer noch Nachwuchskräfte“, sagt Juli Hartmann von der Ausbildungsstellen-Vermittlung im Arbeitgeberservice.

Die meisten offenen Ausbildungsplätze in Dortmund gibt es aktuell laut einer Statistik der Arbeitsagentur in kaufmännischen Berufen.

Die meisten offenen Ausbildungsplätze in Dortmund gibt es aktuell laut einer Statistik der Arbeitsagentur in kaufmännischen Berufen. © picture-alliance/ gms

Statistisch kamen im Juli in Dortmund auf jede unversorgte Bewerberin oder jeden unversorgten Bewerber 1,2 unbesetzte Ausbildungsstellen. 2434 junge Menschen haben seit Beginn des Ausbildungsjahres bereits einen Ausbildungsvertrag sicher, oder sie haben eine Alternative (Vorjahr: 2.862). Aktuell sind nach den Daten der Arbeitsagentur noch 1138 Jugendliche im Agenturbezirk auf Ausbildungssuche.

Ausbildungsprämie ist „wichtiges Signal“

Und die finden reichlich Angebote vor - längst nicht nur für eine Ausbildung als Gebäudereiniger. Ausbildungsstellen in kaufmännischen Berufen (Kaufmann/-frau Einzelhandel 91; Verkäufer/in 82) führen die Liste der offenen Plätze an. Aber auch in der Lagerlogistik (34), in Arztpraxen (Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r 44), und in handwerklichen Berufen werden noch Auszubildende gesucht. „Wer ein wenig flexibel ist und auch innerhalb einer Berufsfamilie sucht, kann noch im Sommer mit einer Ausbildung beginnen“, sagt Heike Bettermann.

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Diese Einschätzung stützt Berthold Schröder, der Präsident der Handwerkskammer Dortmund. „Die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe ist ungebrochen. Aktuell gibt es in Dortmund noch 197 freie Lehrstellen in unserer Lehrstellenbörse“, sagt er. Das sind sogar mehr als im Vorjahr. Da gab es nur 179 Stellen. Auch in der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund sind noch rund 200 Stellen zu finden.

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, begrüßt die Ausbildungsprämie und sieht darin ein „wichtiges Signal der Wertschätzung an die Betriebe“.

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, begrüßt die Ausbildungsprämie und sieht darin ein „wichtiges Signal der Wertschätzung an die Betriebe“. © HWK/Andreas Buck

Was fehlt, sind die Auszubildenden. „Aktuell haben wir in Dortmund einen Rückgang von 14 Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen“, sagt Berthold Schröder. Auch wenn die Betriebe in der Corona-Krise längst zeigten, dass sie ihren Fachkräftenachwuchs unbedingt über die eigene Ausbildung gewinnen wollen, begrüßt der Kammerpräsident die Ausbildungsprämie der Bundesregierung als „wichtiges Signal der Wertschätzung an die Betriebe“.

Begleitung für Azubis und Betriebe

Die Anfragen dazu häufen sich in der Agentur für Arbeit bereits. „Das Interesse ist groß und die Anträge für die Ausbildungsprämie sind online abrufbar“, sagt Julia Hartmann vom Arbeitgeber-Service. Sie stellt auch klar, dass Betriebe nicht erst auf die Bewilligung der Prämie warten müssten. Sie werde auch rückwirkend gewährt. Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. So gibt es die Prämie zum Beispiel nur für Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern.

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Hilfe von der Arbeitsagentur können dagegen alle Betriebe und Azubis erwarten. Damit auch im Oktober noch ein Ausbildungsstart möglich ist, wird Unterstützung angeboten, damit die Versäumnisse im Lehr- und Ausbildungsplan aufgeholt werden können. „Die Berufsschulen werden sich auf den verzögerten Ausbildungsstart einstellen müssen, aber auch Agenturen und Kammern sagen in diesem Jahr eine besonders intensive Unterstützung zu“, sagt Heike Bettermann. Diese reicht von ausbildungsbegleitenden Hilfen bis hin zur Förderung und Begleitung junger Menschen und ihrer Betriebe.

Ausbildung in Dortmund

Freie Stellen und Bewerbungen

  • Informationen zur Ausbildung und eine Liste mit allen der Arbeitsagentur gemeldeten freien Ausbildungsstellen in Dortmund gibt es unter www.jugendberufshaus-dortmund.de
  • Die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer ist online zu finden unter www.hwk-do.de, die der IHK unter www.ihk-lehrstellenboerse.de
  • Wer Interesse an einer Ausbildung zum Gebäudereiniger bei der Vogt-Gruppe hat, kann sich bei Iryna Tschatchina melden unter Tel. (0231) 7932 114 oder per Mail an bewerber@vogt-gruppe.de
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