Corona-Krise gefährdet Dortmunder Filmprojekt

dzBachelor-Abschlussarbeit

Lotte Ruf hat mit mehr als 100 Crew-Mitgliedern über ein Jahr lang an einer Web-Serie gearbeitet. Nun droht alles den Bach runter zu gehen. Ein Corona-Fallbeispiel der Filmbranche.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 28.03.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wesen von Filmpremieren besteht darin, dass Menschen im Kino zusammenkommen. Gemeinsam einen Film anschauen. Lotte Ruf (24) ist frischgebackene Filmproduzentin aus Dortmund und hat im letzten Jahr mit einem rund 100-köpfigen Team eine Historien-Web-Serie produziert. Das war für sie die Bachelor-Abschlussprüfung des Studiengangs „Film & Sound“ an der FH Dortmund. Im Juli 2019 wurde die Serie abgedreht. Das WDR-Fernsehen wurde auf das Projekt aufmerksam und widmete Lotte einen Filmbeitrag über den organisatorischen Alltag am Set. In diesem Jahr sollte der Film der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dies verhinderte aber das Coronavirus. Alle öffentlichen Veranstaltungen wurden abgesagt.

Kinopremiere im Dortmunder U ausgefallen

Am 13. März sollte mit rund 130 geladenen Gästen aus Hamburg, Berlin und Dortmund die Filmpremiere im Kino des Dortmunder U stattfinden. Einen Tag zuvor wurden in Dortmund alle öffentlichen Veranstaltungen durch die Stadtverwaltung abgesagt. Eine Vorpremiere konnte zwölf Tage vorher, am 1. März, aber noch vor einem (deutlich reduzierten) Publikum im Düsseldorfer Kino „Blackbox“ stattfinden.

Die aktuelle Situation stellt Lotte Ruf wie viele andere auch vor ein großes Problem. Das zentrale Augenmerk vieler Menschen besteht aktuell darin, Mengen von Klopapier zu horten. Da bleibt wenig Zeit, um sich der Kultur zu widmen. Auf eine solche Situation wurde Lotte im Studium nicht vorbereitet: „Nach neun Semestern Filmstudium wollte ich jetzt mit diesem Abschlussfilm meinen Übergang in die Berufswelt vorbereiten. Über 100 Menschen haben in mehr als einem Jahr Arbeit ihr Herzblut in das Projekt gesteckt. Die Produktionskosten belaufen sich auf eine alles andere als unerhebliche Summe."

Filmproduktionsfirmen „bricht alles weg“

Adrian, der für eine Dortmunder Film-Produktionsfirma arbeitet, erzählt, dass momentan fast das gesamte Filmgeschäft einbreche. Lediglich kleinste Produktionen, an denen nicht viele Menschen zusammen arbeiten, könne man derzeit noch betreuen. Auch Lottes Produktion steht vor der erheblichen Schwierigkeit, die Produktionskosten wieder einzuspielen.

Teil der Werbekampange für „Haus Kummerveldt“, so der Titel des Filmes, sollte die Vorführung bei Filmfestivals sein. Als „Beste Produktion“ wurde man beim Sehsüchte-International-Student-Film-Festival der Filmhochschule Babelsberg nominiert, dem größten Studentenfilmfestival Europas. Auch hier hat die rapide Verbreitung des Coronavirus für eine Absage des Termins gesorgt. Wann und ob es stattfinden wird, weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand.

Auch in der FH Dortmund geht nichts mehr

Neben den öffentlichen Auftritten geht für Lotte Ruf auch in der Fachhochschule nichts mehr. Hier arbeitet sie normalerweise im Produktionsbüro und hilft anderen Studierenden bei der Umsetzung ihrer Ideen in konkrete Filmarbeit. Da auch hier die Türen geschlossen bleiben, kann momentan kein kreatives Potential genutzt werden. Für Lotte Ruf ist die aktuelle Situation in jeder Hinsicht schwierig. Arbeitsangebote als „Executive Producerin“ wurden in Folge der Coronakrise ebenfalls auf Eis gelegt.

„Haus Kummerveldt“ erscheint online - bald Arbeit an Teil 2?

Immerhin: Lottes Rufs Team hat derzeit die Möglichkeit, über eine Cloud in Kontakt zu bleiben und einen Trailer für „Haus Kummerveldt“ vorzubereiten. Im April soll der dann auf die Film-Homepage www.hauskummerveldt.de geladen werden. Und auch über eine Fortsetzung denken Produktion und Regie nach. Die zwangsverordnete Arbeitspause möchten sie nutzen, um an einem Drehbuch für Teil 2 zu arbeiten. Ihre Hoffnung auf einen baldigen Start ins Berufsleben hat Lotte noch nicht aufgegeben.

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