Dortmunder Casino profitiert von strengeren Regeln - Mitarbeiter trotzdem in Sorge

dz Spielbank Hohensyburg

Die Kasse klingelt: Nach Jahren des Niedergangs verzeichnet die Spielbank Hohensyburg wieder steigende Einnahmen. Die Mitarbeiter bangen aber weiter um ihre Arbeitsplätze.

Dortmund

, 14.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gebeutelt durch Spielhallen und Online-Casinos kannten die Erträge der Spielbank Hohensyburg in den vergangenen Jahren nur einen Weg: Sie rutschten kontinuierlich in den Keller. 2015 ließen die Gäste rund 24,8 Millionen Euro in Automaten und an Spieltischen. 2016 waren es 23,8 Millionen Euro und 2017 - vorläufiger Tiefpunkt - 23,6 Millionen Euro.

Nun hat sich das Blatt gedreht: Nach Jahren des Niedergangs ist der Bruttospielertrag 2018 wieder auf 26,8 Millionen Euro gestiegen. Daran gemessen, liegt das Dortmunder Haus hinter dem Duisburger Casino an zweiter Stelle in NRW. 238.000 Besucher sind auf den Burgberg geströmt.

Die Dortmunder Spielbank ist wie die Casinos in Duisburg, Aachen und Bad Oeynhausen unter dem Dach des landeseigenen Betreibers Westspiel angesiedelt. Auch dort rechnet man mit insgesamt steigenden Erträgen: Rechnungen zufolge sollen 2019 alle vier Häuser in NRW 115 Millionen Euro einspielen – gegenüber 92,3 Millionen Euro in 2018.

Beschäftigte wollen Job-Garantie

Einen wesentlichen Grund sieht man bei Westspiel in den neuen und strengeren Regeln für „Daddelhallen“, mit denen die Spielhallenflut eingedämmt werden soll. Die Reaktion der Spielbanken ließ nicht lange auf sich warten: Sie haben ihr Angebot an Spielgeräten ausgeweitet. Bevor Kunden ihr Glück mit Online-Casinos versuchen, sollen sie lieber in Spielbanken marschieren, so das Credo in der Duisburger Westspiel-Zentrale.

Trotz steigender Erträge sind die Sorgen der rund 220 Mitarbeiter auf der Hohensyburg nicht kleiner geworden. Grund: Die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf treibt ihre Pläne für den Verkauf von Westspiel voran. Dazu liegt nun ein Referentenentwurf vor, der es dem künftigen Konzessionsinhaber erlaubt, in NRW zwei weitere Spielbanken zu eröffnen.

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Die Forderungen der Arbeitnehmer liegen auf der Hand: „Wir wollen eine Arbeitsplatzgarantie“, hat Jens Hashagen, Betriebsratsvorsitzender im Casino Hohensyburg, SPD-Landtagsfraktionschef Thomas Kutschaty unlängst bei dessen Besuch in Dortmund wissen lassen. Bislang sei den Beschäftigten nur ein Zeitraum von zwei Jahren angeboten worden. „Und das zu schlechteren Konditionen als bisher“, klagt Hashagen.

Das Angebot sei mit einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit von rund 2,5 Stunden verbunden - für die Mitarbeiter nicht annehmbar. Zumal sie obendrein zweifeln, ob ein privater Hausherr den Spielerschutz ebenso ernst nimmt wie ein öffentlicher.

Neuer Eigentümer bis 2021?

2017 etwa habe Westspiel seine NRW-Casinos für rund 280 Spielsucht-gefährdete Besucher gesperrt. „So etwas lässt sich nur mit geschultem Personal und sicheren Arbeitsplätzen gewährleisten“, sagt Hashagen. „Aber unsere Interessen werden von den Entscheidungsträgern wohl als nicht berechtigt angesehen.“

Darüber hinaus drängen die Betriebsräte auf regelmäßige Tariferhöhungen. 2015 habe es die letzte Gehaltserhöhung geben, sagt Hashagen. Zudem hätten die Mitarbeiter deutliche Einschnitte hinnehmen müssen. Ob die von der SPD ungeliebte Privatisierung von Westspiel noch gestoppt wird, ist fraglich: Hashagen befürchtet vielmehr, dass der „neue Eigentümer im zweiten Quartal 2021“ feststehen könnte.

Das dürfte auch Stadtkämmerer Jörg Stüdemann interessieren: Weil Casinos von Gewerbe- und Vergnügungssteuer befreit sind, zahlen sie eine Spielbankabgabe an die jeweilige Kommune. So sind 2018 gut 3,2 Millionen Euro in Dortmunds Stadtkasse geflossen. Die Stadt hat bereits wissen lassen: Sollte die Spielbank-Abgabe wegfallen, fordert sie Ersatz.

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