„Die Ratten kommen mir schon entgegen“

dzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Zuständigkeitsprobleme bei einem mit Ratten überfüllten Platz, die Dortmunder Miss-Wahl und eine Oldtimer Rally: In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ schauen wir zurück.

von Beat Linde

Dortmund

, 18.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 18. August 1990:

Zuständigkeitsdebakel um Ratten

Schon längst weiß man: Wo Menschen sind, leben auch Ratten. Die kleinen Nager lieben die Abfälle und Essensreste, die wir ihnen hinterlassen. Entsprechend groß war die Freude der Ratten, als sie den Parkplatz einer Grünanlage in Huckarde für sich entdeckten. Überall leere Flaschen, weggeworfene Pausenbrote und alte Pommesreste. Das führte dazu, dass die Population der Tiere rasant anwuchs.

Was wiederum die Anwohner in der Parsivalstraße in Huckarde weniger freute. Einer von ihnen, Edmund Dolski, klagte damals gegenüber unserer Redaktion: „Seit etwa eineinhalb Jahren kümmert sich niemand mehr um diese Fläche. Die Ratten kommen mir schon entgegen.“

Also entschloss er sich, bei der Stadt nachzuhorchen, wurde allerdings mehrfach weitergereicht: Das Tiefbauamt war für den Parklatz zuständig, das Grünflächenamt für die Sträucher, das Stadtreinigungsamt für den Bürgersteig und für die Rattenbekämpfung schließlich das Ordnungsamt.

Dort hatte man allerdings keinen Aktenvermerk und auch kein Weisungsrecht. Der einzige Tipp, den sie Dolski gegeben konnten, war: „Wenn ein Amt es auf das andere schiebt, muss man sich in letzter Instanz an den Oberstadtdirektor wenden, der wird’s dann schon richten.“

Sozialhilfeempfänger mit Luxus-Anlage

Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei Luxusartikel in einer Wohnung gefunden. An und für sich kein Fund, der die Gerichte alarmieren könnte, allerdings handelte es sich um ein Ehepaar, das Sozialhilfe empfing. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass es sich wohl um Einnahmen aus Straftaten handelte, mit denen etwa die 4000 DM teure Stereo-Anlage gekauft wurde und eine Anzahlung auf ein Auto geleistet wurde.

Vor Gericht konnte dem Ehepaar allerdings nichts nachgewiesen werden. Die Leute argumentierten, das Geld stamme von Bekannten und Freunden - und so endete das Verfahren mit einem Freispruch.

Miss Dortmund kommt aus Hagen

In 30 Jahren hat sich einiges verändert. Auch das allgemeine Frauenbild. Bei den Miss-Wahlen in Dortmund 1990 kam es noch „auf viel nackte Haut und einen ansprechenden Body an“, wie unsere Redaktion damals schrieb. Eine Teilnehmerin sagte selbst, dass man den ersten Teil, ein Interview, „auch hätte weglassen können“, und eine 26-Jährige verspotteten die Zuschauer als Oma.

Teilgenommen an der Wahl zur Miss Dortmund hatten viele Frauen aus dem gesamten Ruhrgebiet, gewonnen hatte schließlich die Hagenerin Silke Ruttkamp. Sie bekam ein Preisgeld in Höhe von 1000 DM und sicherte sich die Teilnahme an der Wahl zur Miss NRW.

Oldtimer-Rally

Die Ruhr Nachrichten waren Co-Veranstalter einer Classic Rally. Teilgenommen haben echte Raritäten wie ein Opel Lutzmann, Baujahr 1898, von dem weltweit nur noch drei Fahrzeuge existierten. Noch seltener war ein Horch, 12 Zylinder, Baujahr 1932. Den gab es nur noch zwei mal auf der Welt.

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