Dortmund und das Ruhrgebiet bewerben sich um die Olympischen Spiele

dzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Die Olympischen Spiele sollen nach Dortmund kommen, vor Gericht wird derweil wegen eines abgestorbenen Hodens prozessiert. Das waren die Nachrichten der Dortmunder vor 30 Jahren.

von Beat Linde

Dortmund

, 25.08.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 25. August 1990:

Ruhrgebiet kandidiert für Olympia

Für das Ruhrgebiet gab es kühne olympische Pläne. Es ging um die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2000. Berlin und ein Städteverbund um Dortmund buhlten darum, die Sommerspiele nach Deutschland holen zu können.

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Willi Daume, selbst ein Dortmunder, klang optimistisch: „An der Tatsache, dass das Ruhrgebiet in der Lage wäre exzellente Olympische Spiele zu organisieren, besteht nicht der geringste Zweifel.“

Ronald Reagan hatte ursprünglich den ambitionierten Plan, 1988 die Olympischen Spiele in beiden Hälften Berlins auszutragen, eine Idee, die im Zuge der Wiedervereinigung gerne von Berliner Politikern aufgenommen wurde. Oberbürgermeister Samtlebe wollte seinen Berliner Kollegen anrufen, um zu klären, welche der beiden Städte sich um die Spiele bemühen sollte.

Berlin bekam schließlich den Zuschlag, hatte aber aufgrund vieler Skandale im internationalen Vergleich keine Chance gegen den später erfolgreichen Bewerber Sydney.

Abgestorbener Hoden führt zu Prozess vor Zivilkammer

Während einer Jugendfreizeit für eine Kindergruppe zwischen 12 und 14 Jahren um Ostern 1989 verletzte sich ein damals 14-jähriger Junge schwer. Die Gruppe mietete ein mehrsitziges Go-Kart, bei einer scharfen Kurve kippte das Fahrzeug über und begrub den Jugendlichen unter sich.

Erst am Abend berichtete der Junge dem Betreuer der Gruppe von seinen starken Schmerzen im Unterleib. Ein Arzt stellte daraufhin eine schwere Verletzung an einem seiner Hoden fest.

Nachdem die Schwellung erst zurückgegangen war, stellte sich heraus, dass der Hoden abgestorben war und operativ entfernt werden musste. Die Mutter des Junges verklagte den Betreuer daraufhin, denn er wäre seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen.

Das Gericht wies ein Jahr nach dem Vorfall die Klage ab: Man könne nicht sagen, dass der Unfall nicht passiert wäre, wenn der Betreuer mit in dem Go-Kart gesessen hätte. Der Betreuer selbst sagte: „Wenn Betreuer von Jugendfreizeiten für jeden Unfall zur Verantwortung gezogen werden sollen, wird sich künftig keiner mehr für eine solche Aufgabe zur Verfügung stellen.“

Bank-Angestellte angeklagt wegen Kreditbetrugs

In einem zweiten Prozess in Dortmund ging es um eine mögliche Kreditbetrügerin. Die Angestellte der Bank für Gemeinwirtschaft soll ihren Arbeitgeber um 85.000 Mark geprellt haben, indem sie Kreditkunden erfand. Ein erster Verdacht kam auf, als ein Brief der Revisionsabteilung an einen ihrer Kunden nicht zugestellt werden konnte. Später stellte sich heraus, dass die fragliche Person gar nicht existierte.

Die Angestellte wurde vor Gericht freigesprochen, denn es konnte nicht geklärt werden, ob sie selbst für den Betrug verantwortlich war oder sie anderen Betrügern aufgesessen war. Ihren Job hatte sie bereits vor diesem Fall verloren, weil sie einem bereits verurteilten Kreditbetrüger durch Nachlässigkeit zu einem Kredit verholfen hatte.

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