Dortmund braucht eine Bill-Gates-Schule - Kant und Heisenberg sind out!

dzKolumne Klare Kante

Viele Dortmunder Schulen tragen Namen, die nicht mehr in die heutige Zeit passen. Unser Autor findet: Es wird Zeit, dass sich das ändert. Her mit Bill-Gates-Schule und Steve-Jobs-Gymnasium!

Dortmund

, 23.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Festschrift zum zehnten Geburtstag des Bert-Brecht-Gymnasiums 1979 begründete dessen damalige Direktorin Mariette Schumacher, warum sich die Kirchlinder Schule 1971 für den Namen des Dramatikers entschied, obwohl er „in vielen Bevölkerungskreisen immer noch auf Vorbehalte stößt“.

Brecht war 1956 in Ost-Berlin gestorben und hatte dem Kommunismus nahe gestanden. Mitten im Kalten Krieg keine Kleinigkeit. Nur eine weitere westdeutsche Schule trug Anfang der 70er-Jahre den Namen Brechts.

Schumacher schrieb: „Wir konnten nicht in ein geschlossenes und harmonisches Weltbild flüchten; wir hatten auch keine Tradition, die es zu hüten galt.“ Und weiter: „Wir waren in einer neuen Lage, wir konnten uns Neues offenhalten. Es steht einer so jungen Schule wohl eher an, sich weniger zufrieden rückblickend als vielmehr zukunftsbezogen zu orientieren.“

Schulnamen sind bedeutsam

Schumachers Beitrag zeigt, dass Namen, anders als ein Sprichwort behauptet, nicht Schall und Rauch sind. Namen haben eine Bedeutung. Auch deshalb ist nicht nur das BBG nach einer prominenten Persönlichkeit benannt. 13 der 17 Dortmunder Gymnasien tragen die Namen von Männern und Frauen der Vergangenheit.

Genau in diesem Wort liegt das Problem: Vergangenheit. Von den 13 gymnasialen Namenspatronen ist der letzte 1976 gestorben – der Physiker Werner Heisenberg. Bei Dortmunds Real-, Haupt- und Gesamtschulen sieht es wenig besser aus.

Für das Schulleben sind die Namenspatrone unwichtig - zu unwichtig

Damit soll die Lebensleistung von Brecht, Goethe, Heine nicht gemindert werden, ebenso wenig wie die Werte, für die die Frauenrechtlerin Helene Lange steht. Es sind wichtige Menschen, deren Botschaften bis heute zum Nachdenken anregen.

Aber die Namen spiegeln nicht wider, wofür Schulen heute stehen beziehungsweise stehen müssen. Sie stehen für ein Bildungsideal, das mit heute nicht mehr viel gemein hat (ob man das bedauert oder nicht). Die Welt hat sich geändert. Die Namen der Schulen sind seit Jahrzehnten dieselben geblieben.

Hinzu kommt: Die meisten Schülerinnen und Schüler werden sich mit den Namenspatronen schon deshalb nicht identifizieren können, weil sie die Würdensträger nicht kennen (Wie viele Schüler des Max-Planck-Gymnasiums wissen, wer Max Planck war?).

Dortmunds Schulen brauchen neue Namen

Dortmunds Schulen vergeben eine Chance, wenn sie sich nach Menschen benennen, die für das Schulleben geringe Rollen spielen. Es wird Zeit, den Schulen neue Namen zu geben. Dabei geht es nicht um Veränderung um der Veränderung willen. Es geht um ein Programm, das zu den Werten der Zeit passt. Um Namen, die auch in Jahrzehnten noch für eine Botschaft stehen können.

Die Stadt Dortmund sagt, sie wolle die Digitalisierung. Kann es bessere Orte geben, um diesen Willen zur Digitalisierung zu symbolisieren, als die Schulen, an denen eine Generation von Menschen ausgebildet wird, die digitaler sein wird als alle vor ihnen?

Es wird höchste Zeit für eine Schule, die nach Bill Gates benannt ist, der die Grundlagen für eine massenhafte Verbreitung von Computern geschaffen hat. Es wird Zeit für ein Steve-Jobs-Gymnasium, denn nichts hat die Welt in den vergangenen zehn Jahren so revolutioniert wie das iPhone. Es wird Zeit für eine Schule, an der Digitalisierung schon im Namen vorgelebt wird. Ein neuer Name reicht nicht aus, aber er wäre ein Anfang.

Eine Umbenennung wäre keine Dortmunder Premiere

Eine Dortmunder Premiere wäre eine Umbenennung übrigens nicht. Umbenennungen von Schulen hat es in Dortmund schon früher gegeben. Da wären wir wieder beim Max Planck. Denn das hieß früher Bismarck-Realgymnasium.

Die Schulkonferenz des „Gymnasiums in Entwicklung Dortmund-Kirchlinde“ hat 1971 Mut beweisen und sich für den Namen „Bert Brecht“ entschieden. Es ist Zeit für neuen Mut.

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