Dortmund-Becher für Kaffee gegen Müllberge aus Plastik

dzUmweltschutz

Coffee-to-go in Wegwerfbechern produziert Müll. Die Idee gegen die Abfallflut: ein Dortmund-Becher als Pfandsystem. Doch diejenigen, die sich dafür einsetzen, haben langsam den Kaffee auf.

Dortmund

, 08.10.2018, 04:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer mehr Menschen trinken unterwegs Kaffee aus Einwegbechern. Die quellen dann aus Mülleimern oder werden achtlos weggeworfen und verschmutzen Straßen, öffentliche Plätze und die Natur. Laut Deutscher Umwelthilfe werden in Deutschland stündlich 320.000 Coffee-to-go-Becher verbraucht.

Auch wenn diese Zahl umstritten ist – Susanne Bräuning vom Café Röstwerk in Hörde ist diese Umweltverschmutzung ein Dorn im Auge. Sie gab deshalb den Anstoß für einen Dortmund-Becher – ein Pfandbecher, wie es ihn zum Beispiel in Düsseldorf gibt.

Susanne Bräuning hat die Idee in das Stadtbezirksmarketing getragen. „Dort herrschte Zustimmung“, sagt sie. Die Wirtschaftsförderung hat 10.000 Euro zur Einführung eines stadtbezirksübergreifenden Pfandsystems für Coffee-to-go-Becher bereitgestellt. Es gibt zwar verschiedene Anbieter solcher Systeme, doch bisher ist nicht erkennbar, wie sich das in Dortmund umsetzen lässt. Es fehlen Partner.

Einmal kaufen und dann immer wieder eintauschen

Der Mehrweg beim Kaffee-zum-Mitnehmen soll so aussehen: Man kauft für drei, vier Euro einmal einen Kaffee-Becher - etwa in einer Bäckerei oder einem Café - mit Deckel und Ring zum Anfassen und tauscht ihn nach Gebrauch beim Kauf des nächsten Kaffees gegen einen gespülten Becher ein.

Auf Zustimmung trifft die Idee fast allenthalben, „aber wir finden kein Packende“, sagt Ulrich Spangenberg, Geschäftsführer der Bezirksvertretung Hörde, auf Nachfrage. „Wir haben vergangene Woche in der Lenkungsgruppe des Stadtbezirksmarketings darüber gesprochen“, berichtet auch Thomas Weiland von der Stadtteilagentur, „doch aus dem Stadtteil heraus ist das nicht zu organisieren.“

Kontakt zum Kirchentags-Präsidium aufgenommen

Trotzdem will das umtriebige Stadtbezirksmarketing die Idee nicht einfach beerdigen, hat Angebote von mehreren Herstellern eingeholt und Kontakt zum Präsidium des Evangelischen Kirchentags aufgenommen. Das sei doch ein guter Auftakt für solch ein Projekt, sagt Wilhelm Mohrenstecher vom Vorstand des Stadtbezirksmarketings. Er hat schon mehrere solcher Pfandbecher. „Ich habe sie gekauft, wenn ich irgendwo war.“

Beim Evangelischen Kirchentag finde man „das von der Sache her total toll“, sagt Pressesprecher Christoph Hertel auf Anfrage. Doch sie umzusetzen, sei eine Sache der ortsansässigen Unternehmen. Man benutze beim Kirchentag bereits seit 20 Jahren Mehrwegbecher. Einen Dortmund-Becher würde man nicht als 1:1-Partner, aber „im Hintergrund unterstützen“.

Kaffeeketten mit eigenen Systemen

Auch bei der Fairtrade-Messe, die kürzlich in der Westfalenhalle stattgefunden hat, kam Mohrenstecher nicht weiter. Es gibt bereits Kaffeeketten und Bäckereien wie Malzer, die ihre eigenen Pfandbecher oder Mehrweg-Thermobecher anbieten. Auch die Bäckerei Grobe habe bereits einen Mehrweg-Thermobecher im Programm gehabt, sagt Geschäftsführer Jürgen Hinkelmann, „einen doppelwandigen Porzellanbecher. Der hat sehr lange warmgehalten.“ Durchgesetzt habe sich das aber nicht. „Was gesagt wird und getan wird, geht diametral in eine andere Richtung“, sagt Hinkelmann. Die Pfandquote gehe allgemein zurück.

Hinkelmann bezweifelt den ökologischen Sinn für einen Dortmund-Becher; denn das Problem beim Coffee-to-Go sei nicht der Becher, sondern der Deckel, der sich nicht komplett kompostieren lasse. „Wenn der Nutzen eines Dortmund-Bechers für uns nachvollziehbar ist, machen wir liebend gern mit.“

Umweltamtsleiter: „Auf die Geschäftswelt kommt‘s an“

Das Dortmunder Umweltamt würde einen Dortmund-Becher begrüßen, unterstreicht Amtsleiter Dr. Rainer Mackenbach auf Anfrage. Die Grünen im Rat hätten das Thema bereits über den Umweltausschuss in Verwaltung und Politik getragen. Mackenbach: „Jede Art des Mehrwegbechers ist Abfallvermeidung und spart Rohstoffe.“ Man habe Anregungen gegeben, könne die Sache aber nicht selbst in dem Umfang betreiben. Entscheidend sei, „dass die Geschäftswelt mitmacht. Ohne kommen wir nicht weiter“.

Es sei nur eine Frage der Zeit, glaubt Mackenbach, bis sich so ein Dortmund-Becher durchsetze: „Zur Fußball-Europameisterschaft 2024 werden wir soweit sein.“

Wirtschaftsförderung soll helfen

Der BVB, der seine Mehrwegbecher für Bier abgeschafft hatte, will sie jetzt wieder einführen. In Borussia Dortmund sieht das Stadtbezirksmarketing ebenso einen potenziellen Kooperationspartner wie die TU Dortmund und die Westfalenhalle. Aufstecken will man jedenfalls noch nicht. „Wir brauchen da mehr Unterstützung“, sagt Ulrich Spangenberg - und denkt an die „geballte Kraft der Wirtschaftsförderung“ und an Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

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