In der Serie „Straßen voller Leben“ stellen wir Dortmunds urbanste Ecken vor. Heute: ein regelrechtes Dorf wenige hundert Meter von der City entfernt. Insider-Tipps von Birgitta Wenger-Klein.

Dortmund

, 12.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Birgitta Wenger-Klein ist seit fast 25 Jahren Bewohnerin des Saarlandstraßenviertels und Inhaberin der Landgrafen-Apotheke an der Hausnummer 90. Vor acht Jahren zog sie mit ihrem Geschäft vom Rand (Landgrafenstraße) ins Herzen dieses Viertels. „Es ist absolut lebenswert hier. Man kann hierbleiben, wenn man möchte. Obwohl die Innenstadt so nah ist“, sagt sie. Als Bewohnerin schätzt sie die kurzen Wege für die Versorgung mit Dingen des täglichen Lebens. Wie wichtig ihr das Umfeld ist, zeigt sich daran, dass sie sich als Vorsitzende der Interessengemeinschaft Saarlandstraßenviertel ehrenamtlich einsetzt.

Diese Straße ist ein Dorf mitten in der Stadt

Die Saarlandstraße ist eine der lebendigsten Straßen in der Dortmunder Innenstadt. Birgitta Wenger-Klein lebt und arbeitet hier seit fast 25 Jahren. © Felix Guth

In ihrer Apotheke spiegelt sich das tägliche Leben in dieser Wohn- und Geschäftsgegend. „Ich finde es beachtlich, wie sehr die Menschen hier aufeinander achten. Viele bieten Hilfe an, pflegen ihre Nachbarn und sorgen sich um andere“, sagt Birgitta Wenger-Klein.

Es gibt keinen zentralen Platz und keine Dorfpinte - aber trotzdem ist der Zusammenhalt groß

Der Zusammenhalt ist groß, obwohl es keinen zentralen Platz oder eine Dorfpinte gibt. „Aber man begegnet sich oft im Vorbeigehen und kommt dann ins Gespräch“, sagt die Apothekerin. Die „menschliche Seite des Viertels“ sei eine der großen Stärken.

Zugleich bleibe die Saarlandstraße attraktiv und lebendig, weil immer wieder junge Leute zuziehen. Viele große Wohnungen werden für Wohngemeinschaften genutzt. Die Mieten sind nicht günstig, bewegen sich aber unterhalb des Niveaus des benachbarten Kreuzviertels.

Die Art der Geschäfte entlang der Straße ist in ständigem Wandel. Vergleicht man die Straße damit, wie sie vor 25 Jahren aussah, bleibt wie überall die Erkenntnis: Es ist nichts mehr wie es war. Und das ist überhaupt nicht schlimm.

Es gibt keine Schuhgeschäfte, Hähnchen-Grills oder Metzgereien mehr, dafür Kaffeeröstereien, Straßencafés, Geschäfte für Interieur und Beauty und Fleisch-Boutiquen. Was früher einmal unter Bewohnern des Viertels als „Inselbüdchen“ bekannt war, ist heute die „Bude 116“, ein schwer angesagter Treffpunkt für ein schnelles Bier unter Hipstern.

Spannender Kontrast zwischen urbanen Trends und alteingesessenen Geschäften

Im Kontrast dazu halten sich dennoch einige alteingesessene Geschäfte. Das wohl bemerkenswerteste unter ihnen ist der Einrichtungs- und Spielzeugladen Kuhlmann. Ein Geschäft, das von „Flair und Freundlichkeit“ lebt, wie es Inhaberin Rosemarie Ufer selbst beschreibt. Ein Geschäft, dass immer noch genauso aussieht wie vor 25 Jahren. Eng, die Regale dicht bestückt, das Playmobil zu Pyramiden aufgetürmt.

Diese Straße ist ein Dorf mitten in der Stadt

Mitten in der Stadt lebt es sich in dieser Straße wie in einem Dorf. © Oliver Schaper

Damals wie heute stehen Kinder staunend vor dem Schaufenster. „Wir wollten den Laden mal umbauen. Aber die Kunden haben gesagt: Dann könne wir ja gleich zu Karstadt gehen. Deshalb haben wir es gelassen“, sagt Rosemarie Ufer. „Wer ohne Lächen hier herein kommt, der geht mit einem Lächeln wieder heraus“, sagt sie. Dieser Satz ist erfrischend klar und eine Erklärung dafür, warum das Geschäft noch existiert. Und doch wirkt er wie aus einer anderen Zeit.

Es ist diese Mischung aus Dorfleben und urbanen Trends, die das Saarlandstraßenviertel besonders macht. „Man kennt sich, obwohl man in der Großstadt ist. Und gleichzeitig hat man durch die Infrastruktur Zugang zu allem, was in der City passiert“, sagt Birgitta Wenger-Klein.

Die Straße zieht wegen des guten Gastronomieangebots und der Einkaufsmöglichkeiten auch viele Besucher aus umliegenden Vierteln an. Ihnen empfiehlt Birgitta Wenger-Klein folgende Strategie für einen gelungenen Tag.

Diese Straße ist ein Dorf mitten in der Stadt

Vom Filet-Shop über den Bioladen bis zum Plattenhändler: Die Einkaufsmöglichkeiten auf der Saarlandstraße sind vielfältig. © Felix Guth

Tipp 1: Durchshoppen rund um die Saarlandstraße 100

Wer einen ausgefallen Essenswunsch hat oder sich etwas Gutes gönnen möchte, der ist im Saarlandstraßenviertel richtig. „Es gibt viele Spezial-Geschäfte, die sich lohnen“, sagt Birgitta Wenger-Klein und nennt als Beispiele Fruchtbare Erde oder den Filet-Shop.

Diese Straße ist ein Dorf mitten in der Stadt

Süße Entspannung: Vom schnellen Eis bis zur Spitzenküche bietet das Saarlandstraßenviertel viele Optionen. © Felix Guth

Tipp 2: Körper und Geist etwas Gutes zwischen Plauener Straße und Ruhrallee

Als Ausgleich zu den notwendigen Besorgungen empfiehlt die Apothekerin einen Bummel durch die Interieur-Geschäfte entlang der Straße oder einen Besuch eines der Beauty-Salons. Oder alternativ dazu eine kulinarische Auszeit im „Café Lotte“ an der Dresdener Straße, im „Neues Schwarz“ jenseits der Ruhrallee oder im „Kitchen Club“.

Diese Straße ist ein Dorf mitten in der Stadt

Das Stadewäldchen ist eine Oase mitten in der Großstadt. © Felix Guth

Tipp 3: Entspannung pur im Stadewäldchen, Saarlandstraße 4

„Zum Schluss sollte man relaxen“, sagt Birgitta Wenger-Klein. Am besten funktioniere dies mit einem Eis (Eiswerk oder Kuhbar) und unter einem schattigen Baum. Das Saarlandstraßenviertel ist durch starken Verkehr alles andere als eine ruhige Wohngegend. Doch ein stilles Paradies ist nah: Das Stadewäldchen schließt das Viertel in Richtung Märkische Straße ab. „Außerdem gibt es mehrere kleine Grünflächen, etwa an der Plauener Straße oder an der Landgrafenstraße“, sagt Birgitta Wenger-Klein.

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