Wer Live-Musik liebt, der hat in diesem Herbst wieder die Qual der Wahl. Drei Redakteure geben ihre persönlichen fünf Konzert-Tipps. Diese Konzerte sollte man in Dortmund nicht verpassen.

Dortmund

, 11.09.2018, 04:15 Uhr / Lesedauer: 7 min

Peter Wulle (55) liebt Rock und Jazz, tummelt sich gerne im Musiktheater Piano in Lütgendortmund oder im Jazzclub Domicil in der City und empfiehlt diese fünf Konzerte:

ECM-Jazznight mit Vijay Iyer und Nik Bärtsch (6. November im Konzerthaus)

In den vergangenen Jahren hat sich Vijay Iyer zu einem der besten Pianisten der Jazz-Welt entwickelt. Der New Yorker steht mit seinem Sextett für einen stets Grenzen auslotenden, energiegeladenen und auch melodiösen Jazz. Der Tastenvirtuose wird für einen Klangzauber sorgen. Und den darf man auch von dem Schweizer Nik Bärtsch und seiner Formation Ronin erwarten. Allerdings ganz anders.

Bärtsch öffnet elektronische Klangräume, in denen er Funk, Klassisches oder auch japanische Ritualmusik in faszinierender Weise und hochdifferenziert verschmelzen lässt. Kurzum: Dieser Abend des europäischen Edel-Jazzlabels ECM verspricht ein Abend für Musik-Gourmets mit Entdeckergeist zu werden.

Info: Konzerthaus, Brückstraße 21, 20 Uhr, 21 bis 55 Euro im Vorverkauf

John Scofield bei den Dortmunder Jazztagen (11. November im Domicil)

Mit Pat Metheny und Al DiMeola gehört John Scofield für mich – und längst nicht nur für mich – zu den drei größten Jazz-Gitarristen unserer Zeit. Mit John Scofield kommt also ein Weltstar ins Domicil an der Hansastraße. Und der macht keinen Hehl daraus, wie alt er ist: nämlich 66. „Combo 66“ betitelt er sein neues Album, das erst Ende dieses Monats erscheint. Es soll groovy, jazz-rockig und entspannt sein.

Ich freue mich drauf, den Supergitarristen nach Jahren mal wieder in bester Club-Atmosphäre zu erleben – noch dazu mit erstklassigen Begleitmusikern wie Schlagzeuger Bill Stewart, Kontrabassist Vincente Archer, den man vor allem als Mitglied des Robert Glasper Trios kennt, und dem Pianisten sowie Organisten Gerald Clayton.

Info: Domicil, Hansastraße 7-11, 20 Uhr, 39 Euro im Vorverkauf

Diese Konzerte in Dortmund sollten Sie im Herbst nicht verpassen

John Scofield kommt zu den Dortmunder Jazztagen ins Domicil. © Nils Foltynowicz (Archiv)


Defunkt (2. Dezember im Musiktheater Piano)

Diese Formation aus New York steht für absolute Groove-Power. Nach ihrem Gastspiel im Januar dieses Jahres kommen die Funk-Experten erneut nach Lütgendortmund, um im Musiktheater Piano die Luft flirren zu lassen. Die sechsköpfige Funk-Rock-Band um den Posaunisten und Sänger Joseph Bowie, einem Bruder des Jazz-Trompeters Lester Bowie, gibt es seit 1978. Und seitdem stehen Defunkt für mitreißende Live-Shows. Kopf aus und tanzen!

Info: Piano, Lütgendortmunder Straße 43, 20 Uhr, 28 Euro im Vorverkauf

Diese Konzerte in Dortmund sollten Sie im Herbst nicht verpassen

Die New Yorker Formation Defunkt bringt Groove Power ins Musiktheater Piano. © Stephan Schütze (Archiv)


Till Brönner/Dieter Ilg (5. Dezember im Konzerthaus)

Das wird ein sehr intimes Konzerterlebnis, bei dem ich gespannt bin, wie es im Konzerthaus funktioniert. Diese beiden auch international anerkannten deutschen Jazz-Stars, der Trompeter Till Brönner und der Bassist Dieter Ilg, sind schon das ganze Jahr mit dem Repertoire ihres Albums „Nightfall“ auf Tour.

Vor einigen Monaten habe ich das Duo bereits in Datteln live erlebt. Es war ein Abend voller Harmonie, schöner Melodien und mit netten Anekdoten und Moderationen von Till Brönner. Zugegeben: Der Preis dafür, scheint mir etwas happig. Höhepunkt des Konzerts war für mich die traumhaft schöne Version des Beatles-Klassikers „Eleonore Rigby“.

Info: Konzerthaus, Brückstraße 21, 20 Uhr, 39 bis 66,50 Euro

Guru Guru (28. September im Musiktheater Piano)

Die Krautrocker von Guru Guru sind ein gutes Stück deutscher Musikgeschichte. Sie gründeten sich im Jahr der Studentenrevolte 1968. Dass es sie nach 50 Jahren immer noch gibt, ist fantastisch. Mit ihnen lebt der Geist der progressiven Rockmusik „made in Germany“ weiter.

Wurde diese Musik von Bands wie Amon Düül, Neu!, Can, Kraan oder eben Guru Guru früher despektierlich als Krautrock bezeichnet, erlebt sie heute eine verspätete Würdigung und Renaissance. In die Zeitmaschine also und Rolle rückwärts in die frühen 70er!

Info: Piano, Lütgendortmunder Straße 43, 20.30 Uhr, 18 Euro im Vorverkauf

Hören Sie in die Musik der empfohlenen Künstler rein:


Jana Klüh (29) hat ihr Herz an Indie-Pop und -Elektro verloren. Für Folk, Oldschool-Hip-Hop und gutgemachten Pop kann sie sich aber auch begeistern. Und manchmal auch einfach nur für einen sympathischen Musiker. Das sind ihre fünf Konzert-Tipps:

Way Back When Festival (28. bis 30. September im FZW, Pauluskirche, Domicil)

Musik, die man schon kennt, einmal live zu hören, Lieder, die man liebt, lautgrölend mitzusingen, das ist ein wunderbares Gefühl. Genauso wunderbar, finde ich, ist es aber Musik zu entdecken, die man noch gar nicht kennt, sich überraschen zu lassen von schönen Melodien und kraftvollen Stimmen. Und das geht am besten live. Das Way Back When ist genauso ein Festival zum Entdecken.

Eine der vielen interessant klingenden Bands, die dieses Jahr dabei sind, habe ich letztens sogar schon entdeckt. Ein Kollege schickte mir den Link zu einem Song der Band „Men I Trust“. „Tailwhip“ läuft bei mir seitdem rauf und runter. Und wie der Zufall es will, ist das kanadische Dream-Pop-Trio beim Way-Back-When-Festival dabei (am Festival-Samstag um 21.30 Uhr im FZW). Ich bin gespannt, wie sie live klingen.

Info: Way Back When im FZW, Ritterstraße 20, Pauluskirche, Schützenstraße 35, Domcil, Hansastraße 7-11, ab 18 Uhr, Karten: Drei-Tages-Ticket 79 Euro, Tagesticket 39 Euro

Diese Konzerte in Dortmund sollten Sie im Herbst nicht verpassen

Wer Spaß daran hat, neue Musik zu entdecken, ist beim Way-Back-When-Festival vom 28. bis 30. September gut aufgehoben. © Oliver Schaper (Archiv)


Sasha (15. Oktober in der Warsteiner Music Hall)

Sascha Schmitz ist ein grundsympathischer Kerl. Ich finde ihn sehr charmant, sehr bodenständig, sehr dortmunderisch. Kein Wunder, hier hat er seine ersten Schritte als Musiker gemacht und einige Jahre gelebt. Das Konzert ist also ein Heimspiel – und dürfte allein deshalb besonders werden. Sashas frühe Hits – „If you believe“ – haben mich durch meine Kindheit begleitet und Dick Brave war eine coole Socke. Ich habe immer großen Respekt davor, wenn Musiker sehr wandlungsfähig sind. Und Sasha ist es definitiv. Jetzt singt er auf Deutsch. Und auch das kann er. Ein Konzert perfekt für einen Familienausflug – da ist für jeden was dabei.

Info: Warsteiner Music Hall, Phoenixplatz 4, 20 Uhr, Karten: 45 bis 60 Euro

Diese Konzerte in Dortmund sollten Sie im Herbst nicht verpassen

Konzerte in Dortmund sind für Sasha immer ein Heimspiel. Am 15. Oktober ist er in der Warsteiner Music Hall. © Nils Foltynowicz (Archiv)


Bukahara (23. November im FZW)

Die Kölner Band Bukahara ist ein Beweis dafür, wie gut und spannend Pop-Musik sein kann. Jeder Song der Band klingt ein bisschen anders, geht in eine andere Richtung, ist beeinflusst von anderen Stilen. Ich habe die Gruppe schon einmal beim Juicy-Beats-Festival gesehen – ihre Songs passten perfekt zum sommerlichen Open-Air-Flair.

Umso spannender finde ich es, wie ihre Musik im düsteren November unter geschlossenem Dach klingt. Ich bin sicher, ein drohender Winterblues verflüchtigt sich nach diesem Abend schnell wieder. Wer Pop in einer Mischung aus Folk, Weltmusik, Gypsy-Klänge und Balkan-Sound mag, ist bei Bukahara richtig aufgehoben.

Info: FZW, Ritterstraße 20, 20 Uhr, Karten: 28,20 Euro

Scooter (6. Dezember in der Westfalenhalle)

Scooter fällt nicht unbedingt in die Kategorie der Musiker, die ich vergöttere. Aber ich habe grundsätzlich großen Respekt vor Musikern, die seit mehr als 20 Jahren erfolgreich sind. Und das sind H.P. Baxxter und seine Band ohne jeden Zweifel. So ziemlich jeder kann zu einem Lied von Scooter mitsingen – oder besser grölen.

Und seit ich bei der Silent Disco beim Juicy-Beats-Festival einmal mit meinen Freundinnen zu „Maria“ abgetanzt habe, bin ich heimlicher Fan. Es gibt ja manchmal diese Lieder, die man mit einem bestimmten Erlebnis verbindet.

Jedenfalls bin ich der festen Überzeugung, dass Scooter eine richtig gute Show in der Westfalenhalle abliefern. Und das reicht ja oft schon, um ein Konzert genießen zu können. Und wussten Sie, dass H.P. Baxxter sogar tatsächlich singen kann?

Info: Westfalenhalle, Rheinlanddamm 200, 20 Uhr, 51,75 Euro

We Used To be Tourists (19. Oktober im Sissikingkong)

Konzerte in großen Hallen mit einer riesigen Masse haben ihre ganz eigene Magie. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich aber immer das kleine, feine Wohnzimmerkonzert vorziehen. Solche gibt’s im Sissikingkong immer mal wieder, die Feine Gesellschaft organisiert sie regelmäßig.

Diesmal präsentiert sie das Kölner Folk-Quartett We Used To Be Tourists. Musik, wunderbar eingängig, zum Träumen und Genießen. Perfekt, um nach einem anstrengenden Arbeitstag abzuschalten und in die Welt der Musik zu entfliehen. Die Songs sind wunderschön – und je nach der ganz persönlichen Stimmung können sie sich wunderbar leicht oder melancholisch anfühlen.

Neben Gitarre, Klavier und Mandoline musizieren die vier mit den klangvollen Stimmen auch mit Banjo und Harmonium.

Info: Sissikingkong, Landwehrstraße 17, 20 Uhr, 7,70 Euro

Diese Konzerte in Dortmund sollten Sie im Herbst nicht verpassen

Die Redakteure (v.l.) Peter Wulle, Felix Guth und Jana Klüh geben ihre Konzert-Empfehlungen für den Herbst. © Christin Mols


Felix Guth (36) liebt Musik in all ihren Formen. Gerade läuft sehr viel Jazz- und Soul-Vinyl im Wohnzimmer, es darf aber auch mal derber Rock, Rap oder Drum‘n‘Bass sein. Konzerte tragen ihn durch das Jahr – auch wenn sie immer teurer werden. Das sind seine fünf Konzert-Tipps:

Selah Sue (30. September beim Way Back When Festival)

Sängerin sanfter Balladen, groovige Reggea-Braut oder auch mal fähige Raggamuffin- oder Dancehall-Rapperin: Die 29-jährige Selah Sue (bürgerlich Sanne Greet A. Putseys) ist musikalisch so vieles gleichzeitig. Seit Kurzem ist sie auch noch Mutter, weshalb sie es nach ihrem zweiten Album „Reason“ seit 2015 etwas ruhiger angehen ließ.

Beim Way Back When-Festival spielt sie in der Pauluskirche ein zurückgenommenes, akustisches Set – und vermutlich auch neues Songmaterial.

Info: Way Back When, Pauluskirche, Schützenstraße 35, 20.30 Uhr, Karten: Drei-Tages-Ticket 79 Euro, Tagesticket 39 Euro

Jack White (14. Oktober in der Warsteiner Music Hall)

Wer so wie ich Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre seine musikalische Prägung erfahren hat, der kam an Jack White nicht vorbei. Wobei: Die White Stripes, mit denen er 2003 der Welt den Über-Hit Seven Nation Army schenkte, fand ich anfangs eigentlich eher weniger interessant. Entdeckt habe ich White erst durch sein Solo-Material, bei denen er ein erstaunliches Gespür für moderne Musikentwicklung beweist. Beispielhaft nachzuhören auf seinem aktuellen Album Boarding House Reach, das Rock, R’n’B, Soul, Jazz und vieles mehr miteinander vermengt.

Das Konzert wird aber noch in einer weiteren Hinsicht interessant: Denn es herrscht ausdrückliches Handy-Verbot. Um ein Zeichen gegen das Dauerfilmen und Teilen auf Konzerten zu setzen, werden alle Geräte vor dem Konzert in einem speziellen System eingeschlossen und können nach dem Konzert wieder abgeholt werden. Ein Konzert ganz ohne Smartphones – das habe ich vermutlich zum letzten Mal in den frühen 00er-Jahren erlebt.

Info: Warsteiner Music Hall, Phoenixplatz 4, 20 Uhr, Karten 54,35 Euro

Editors (19. November in der Warsteiner Music Hall)

Es gab eine Zeit, da hielt ich die Editors für die schlechteren Interpol, die in etwa gleichzeitig auf der Bildfläche auftauchten. Heute sind beide Bands Indie-Ikonen und die Editors haben sich mit den Jahren sogar noch markanter weiterentwickelt als die etwas träge gewordenen Interpol. Live entfesseln sie ziemlich viel Wucht, wie schon beim Juicy-Beats-Festival zu erleben war.

Und schließlich gibt es da noch eine der schönsten Indie-Hymnen mit einer der zugleich bedrückendsten und wahrsten Textzeile aller Zeiten: „The saddest thing, that I’d ever saw, were smokers outside the hospital doors“ (Das traurigste, was ich je sah, waren Raucher vor dem Krankenhaus). Da bleibt einem der Würfelhusten im Hals stecken.

Info: Warsteiner Music Hall, Phoenixplatz 4, 20 Uhr, Karten 43,70 Euro

Diese Konzerte in Dortmund sollten Sie im Herbst nicht verpassen

Die Editors waren noch im Sommer beim Juicy Beats, am 19. November gastieren sie in der Warsteiner Music Hall. © Oliver Schaper


Grand Jam on Hendrix (6. Dezember im Domicil)

What could possibly go wrong, wenn man die Musik des Meisters spielt? Nichts und zugleich alles. Jimi Hendrix ist der Mann, der mich die E-Gitarre lieben lehrte. Bis heute beeinflusst sein Spiel Musiker auf der ganzen Welt. Das Quintett Grand Jam ist mir noch nicht begegnet, besteht aber offenbar aus einer Reihe herausragender Jazz- und Groove-Musiker. Ich erwarte spannende Variationen. Vielleicht schaut ja auch der Geist des Meisters kurz im Domicil vorbei und spielt uns ein Solo.

Info: Domcil, Hansastraße 7-11 Beginn, 20 Uhr, Tickets 18 Euro

Cypress Hill (15. Dezember in der Warsteiner Music Hall)

Cypress m…f…n Hill. In meiner Stadt. Das hätte mich als Jugendlicher vor Freude die Wand hoch laufen lassen. 20 Jahre später ist es immer noch eine sehr freudige Überraschung, die alten Hip-Hop-Herren noch einmal in Aktion zu sehen. Sie sind Rap-Pioniere, Sprachrohr für die Hispanics-Bewegung in den USA und Aktivisten für die Legalisierung des Cannabiskonsums, sie sind Urheber einiger ganz schön guter Hip-Hop-Tracks.

Ende September kommt ein neues Album. Das wird sicher interessant. Richtig explodieren wird die Warsteiner Music Hall aber wohl vor allem bei den Klassiker wie Insane In The Brain, Tequila Sunrise oder How Can I Just Kill A Man.

Info: Warsteiner Music Hall, Phoenixplatz 4, 20 Uhr, Karten: 52 Euro

Diese Konzerte in Dortmund sollten Sie im Herbst nicht verpassen

Rapper B-Real und seine Hip-Hop-Gruppe Cypress Hill kommen aus Los Angeles nach Dortmund. © dpa

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