Wie ist die Kriminalität in Dortmund verteilt? Um diese Frage zu beantworten, haben wir drei Monate lang mehr als 150 Straftaten auf einem Stadtplan eingezeichnet. Das ist das Ergebnis.

Dortmund

, 04.01.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manche Stadtteile Dortmunds haben ein ziemlich schlechtes Image, unter anderem weil wöchentlich neue Polizeimeldungen aus dieser oder jener Nachbarschaft auftreten. In anderen Vororten scheint es hingegen monatelang praktisch keinerlei Kriminalität zu geben.

Um diese sublokalen Unterschiede innerhalb Dortmunds transparent zu machen, hat unsere Redaktion mehr als drei Monate lang die Pressemitteilungen der Polizei ausgewertet. Mehr als 150 Delikte haben wir nach Art der Straftat aufgeteilt auf Karten gesammelt.

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Aufgelistet sind alle Taten, zu denen unsere Redaktion zwischen 18. September und 31. Dezember Artikel verfasst hat. Dabei waren wir zum Großteil auf die Auswahl der Polizei angewiesen, die täglich Pressemitteilungen zu ausgewählten Straftaten verschickt.

Oliver Peiler, Leiter der Polizei-Pressestelle, betont, dass es sich dabei um keine repräsentative Darstellung der Kriminalität in Dortmund handelt. Von rund 60.000 Straftaten würden pro Jahr etwa 1000 veröffentlicht. „Natürlich veröffentlichen wir schwere Straftaten wie Straßenraub oder Sexualdelikte deutlich eher als einen Ladendiebstahl, einen PKW-Aufbruch oder eine gefährliche Körperverletzung“, so Peiler.

Polizei trifft die Auswahl nach verschiedenen Kriterien

Die Auswahl treffe die Polizei unter anderem nach Schwere der Tat, Gefährlichkeit eines Täters und der Frage, ob das Geschehen eine Wirkung auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung habe - positiv wie negativ. In manchen Fällen entscheiden die Ermittler auch, dass eine Veröffentlichung einen flüchtigen Täter warnen könnte.

Auf den ersten Blick fallen auf unseren Karten aber schon einige Unterschiede auf. Körperverletzungen und Raubüberfälle sind vor allem im Innenstadtbereich verortet. Immer wieder kommt es vor allem im und rund um den Hauptbahnhof zu Schlägereien und anderen Angriffen.

Als Kriminalitätsschwerpunkte hat die Polizei zuletzt neben dem Hauptbahnhof mehrere Bereiche der Nordstadt und das Brückstraßenviertel benannt. In unserem Beobachtungszeitraum fiel rund um die Brückstraße allerdings nur ein Fall auf - der ereignete sich nachts in einer dortigen Disco.

„Dort, wo Menschen zusammenkommen und hin und wieder Alkohol konsumieren, passiert auch etwas mehr“, begründet Oliver Peiler die Häufung im erweiterten Stadtzentrum: „Dieser Eindruck trügt sicherlich nicht.“

Einbrüche ereignen sich offenbar größtenteils im Süden der Stadt. Es gebe durchaus die Vermutung, dass sie eher dort passieren, wo einkommensstarke Anwohner zu finden sind, so Peiler, der aber auch sagt: „Das ist nur die halbe Wahrheit.“ Es gebe zwar Tätergruppen, die sich auf dieses gehobene Klientel konzentrieren. Häufig seien diese organisiert und gingen strukturiert vor.

„Rein zahlenmäßig gibt es aber auch viele Wohnungseinbrüche in einkommensschwachen Gegenden“, sagt der Pressesprecher. Dort, wo Fenster und Türen weniger gesichert sind und die Anonymität in der Nachbarschaft höher ist, agieren häufig Einzeltäter im Rahmen der Beschaffungskriminalität, um schnell zu Geld zu kommen.

Auffallend war im Herbst eine Häufung von Brandstiftungen im Dortmunder Norden. Die Polizei setze aber keinen „herausgehobenen Fokus“ auf dieses Thema. Peiler spricht zwar auch von einer Brandserie, es könne aber durchaus sein, dass Monate vorher kein gleichgelagerter Fall zur Veröffentlichung kam.

Im Gegensatz zur Innenstadt gibt es Vororte wie Sölde oder Brackel, Lanstrop oder Eichlinghofen. Aus diesen Stadtteilen sind in einem Vierteljahr gar keine Mitteilungen verzeichnet. „Fakt ist, dass es in einigen Vororten nahezu kein Nachtleben im Sinne von Gastronomie oder ähnlichem gibt“, so Peiler.

Das mache auch etwas mit der Kriminalitätsentwicklung eines Stadtteils. Von „Vorzeigestadtteilen“ möchte der Behördensprecher aber nicht reden.

Die Zahl der Trickdiebstähle hat zugenommen

Zusammenfassend betont die Polizei, dass die Auswertung der Pressemitteilungen kein komplettes Bild abgibt. In den vergangenen Monaten sei etwa die Bekämpfung von Trickdiebstählen zum Nachteil älterer Menschen ein wichtiges Arbeitsfeld der Polizei geworden.

Betrüger geben sich zum Beispiel als falsche Polizisten oder Handwerker aus, um an das Geld der Bürger zu kommen. Wenn die Adressen der Opfer nicht veröffentlicht werden, sind diese Fälle zum Beispiel nicht in unserer Auswertung berücksichtigt.

Beim Klick auf die Symbole der folgenden Karte sehen Sie Informationen zu jedem einzelnen Fall. Über das Navigationssymbol links oben können einzelne Deliktgruppen ein- oder ausgeblendet werden.

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