Die Party-Skihütte des Dortmunder Nachtlebens: Das Stade

dzDortmunder Disko-Legenden

Das Stade am Alten Markt gehört zu einer zünftigen Feiernacht in der City wie die Schnitzelklopf-Rhythmen zu Party-Schlagern. Einmal stand sogar Roman Weidenfeller hinterm Tresen.

Dortmund

, 17.08.2018 / Lesedauer: 5 min

Modern, fast schon klinisch nüchtern ist das Hansa-Carré. Dieser Durchgang, an dessen einem Ende, die Balkenstraße hinauf, der Friedensplatz liegt und am anderen der Alte Markt mit seiner Cafés und Restaurants.

Alles in dieser Passage wirkt neu, doch hinter der Glas- und Steinfassade atmet die Geschichte. Seit 1787 steht das Gebäude an dieser Stelle, veränderte immer wieder seine Form. Fast etwas versteckt liegt es hinter einer erhöhten Terrasse in einer dunklen Nische des Runds. Dass hier außerhalb der Arbeitswoche etwas los ist, schreit den Vorbeigehenden ein großes Transparent entgegen: „Willkommen im Stade live“. Eine Institution des Dortmunder Nachtlebens mit bewegter Geschichte.

Innen bricht das Stade mit dem kalten Stein des Carrés. Holz ist hier das vorherrschende Baumaterial. Tresen, Treppe, Wandverkleidung, alles aus Holz. Kneipen-, nein eher Skihütten-Charme versprüht das Stade. Würde jemand mit Ski-Schuhen und Wollmütze durch die Tür kommen und einen Kaiserschmarrn bestellen, man würde sich nicht wundern.

Grillwürstchen am frühen Morgen gegen den Kater am Morgen

Als Detlef Beckmann das Stade 1989 mit Fred Strasser übernahm und zum Stade live machte, gab es das Hansa-Carré noch nicht. Das Schnitzelhaus-Stade, das es vorher war, baute er immer weiter zu einer Party-Location um. Bier wurde in einer Bude auf der großen Außenterrasse ausgeschenkt. Bis in die frühen Morgenstunden brannte der Grill, und auch so mancher Besucher brannte sich einen.

Viele, die nach einer durchtanzten Nacht in Dortmund einen leeren Magen hatten, machten auf dem Heimweg einen Schlenker zum Stade und seinen Grillwürstchen. Nachträglich eine Grundlage schaffen, den Kater füttern, damit er am nächsten Tag nicht so schlimm wird.

Die Party-Skihütte des Dortmunder Nachtlebens: Das Stade

Inhaber Detlef Beckmann mit Betriebsleiterin Nicole Mielke vor dem Stade im Hansa-Carré. © Oliver Schaper

Abrisspartys gab's die ganze Zeit

Zwischendurch schloss das Stade ein Jahr lang. Umbauarbeiten. „Danach war innen alles neu, aber trotzdem noch genauso, wie es früher ausgesehen hatte. Mir war wichtig, dass der Charme erhalten bleibt“, sagt der 57-jährige Detlef Beckmann, den rund ums Stade alle nur „Det“ nennen. Hochmodern war das Stade nun, Teil eines modernen Carrés, aber irgendetwas fehlte doch. „Open-Air kann man nicht einfach ersetzen“, sagt Beckmann ein bisschen wehmütig. „Aber eigentlich war es durchgängig gut.“

Besonders gut war es aber in der Zeit, als die alte Stadtbibliothek 1998 abgerissen wurde, die dort war, wo jetzt das Karstadt Sporthaus steht. Beckmann erzählt mit leuchtenden Augen von dieser Zeit: „Wir feierten eigentlich durchgängig Abrisspartys. Einige von uns konnten es auch nicht lassen und blieben während der Sprengung im Stade. Das war natürlich verboten, aber so genau nachgeguckt, hat da auch keiner."

Durch kleine Löcher in den verkleideten Fenstern hätten sie damals zugeguckt, wie die Steine umherflogen. „Das war ein unglaublicher Knall. Als sich der Staub legte, konnte man die Petrikirche sehen. Das war vorher unmöglich. Danach ging die Party einfach weiter", erinnert sich Beckmann.

Ein riesiger Biergarten zwischen Hansa-Markt und Altem Markt

Dort, wo vorher die Stadtbibliothek stand, war nun Platz. Mit dem Bau des Sporthauses wurde erst später angefangen. Das Stade erweiterte seinen Biergarten. Für gut zwei Jahre gab es rund 3500 Sitzplätze, schätzt Beckmann. Wenn der 57-Jährige davon erzählt, gerät er ins Schwärmen.

Safri Duo spielten ihren Trommel-Disco-Klassiker „Played-A-Life“ beim Stadtfest auf dem alten Markt. Wobei über dem alten Markt eigentlich richtiger ist. Über den Köpfen der Biergarten-Besucher schwebend, hämmerte das Duo rhythmisch auf seine Trommeln ein. Alles auf einer Art Mobile, das von einem Kran getragen wurde.

Die Party-Skihütte des Dortmunder Nachtlebens: Das Stade

Inhaber Detlef Beckmann und Betriebsleiterin Nicole Mielke am Tresen des Stade. © Oliver Schaper

Bier vom Lkw für die Biergarten-Besucher

„Die zwei Jahre mit dem riesigen Biergarten waren zwar die anstrengendste, aber auch die schönste Zeit“, konstatiert Beckmann. Damals hätten sie Tankbier ausgeschenkt, direkt vom Lkw, weil sie sonst nicht hinterhergekommen wären. In Spitzenzeiten gingen damals 150.000 Liter im Jahr über den Tresen. Diese Zahl erreiche man heute längst nicht mehr. Aber das Trinkverhalten habe sich auch geändert, so Beckmann. Auch wenn das Bier in Dortmund an Bedeutung eingebüßt hat, wichtig ist es noch immer.

Ein anderes großes B der Stadt, die Borussia, hat aber bis heute nicht an seiner Strahlkraft verloren. Das merkt auch das Stade. Nach jedem Heimspiel pilgern Fans des BVB ins Hansa-Carré.

BVB-Profis bedienten Gäste

„Dann ist es hier brachial voll. Nur gelb-schwarze. Da ist auch egal, ob Sieg oder Niederlage“, sagt der Besitzer. Alle Spiele der Borussia werden live auf einer vier mal sieben Meter großen Leinwand übertragen. Vor allem die großen Spiele sind es, die Champion League-Spiele, die Pokalfinals, die das Stade füllen.

Die Party-Skihütte des Dortmunder Nachtlebens: Das Stade

Bei Spielen von Borussia Dortmund ist das Stade rappelvoll. © Oliver Schaper

Als die BVB-Fans 2011 und 2012 die letzten beiden deutschen Meisterschaften feierten, platzte die Stadt rund um den Alten Markt aus allen Nähten. Und auch im Stade war es brechend voll. „Da haben die Mitarbeiter auf der Tanzfläche geschlafen. Am nächsten Tag ging es ja morgens direkt weiter. Natürlich war das anstrengend, aber sie haben das geliebt“, erzählt Beckmann. „Das war da nicht einfach nur ein Job.“ BVB-Spieler wie Roman Weidenfeller standen damals am Zapfhahn und bedienten die Gäste.

Alle Altersgruppen treffen sich im Stade

Doch Fußball spielt auch abseits des BVB für das Bierhaus eine Rolle. Das Stade will eine Disco für jedermann sein. Fußballvereine und Junggesellenabschiede, die es an anderen Türen von Diskotheken eher schwieriger haben, sind hier Willkommen. Man habe sich auch nicht auf eine bestimmte Altersgruppe festgelegt, so Beckmann. „Die Leute, die zu uns kommen, legen eine gegenseitige Akzeptanz an den Tag.“ Zwischen 18 und 60 Jahren seien die Gäste. Im Stade treffen sich Generationen.

In seiner Zeit im Stade sei es nicht selten vorgekommen, dass Eltern sich auf der Tanzfläche umdrehen und plötzlich ihren Kindern gegenüberstehen. Gut möglich, dass sich die Eltern damals im Stade kennengelernt hätten. „Wir haben bei unseren Singlepartys ja halb Dortmund verkuppelt.“ Und auch bei den heutigen Singlepartys geht das noch ganz klassisch vonstatten – mit Herzchen aufkleben.

Von Schlager bis Jazz

Die Party-Skihütte des Dortmunder Nachtlebens: Das Stade

Die Pils Picker Jazz Band trat bis 2015 im Stade auf.

Der musikalische Fokus des Stade liege schon auf deutschem Schlager, sagt Beckmann. Größen der Szene wie Marianne Rosenberg, Olaf Henning, Michael Wendler und Mickie Krause traten hier schon auf. Auf eine Musikrichtung festlegen wolle man sich aber nicht.

Von Schlager bis zu internationaler Partymusik, von Helene Fischer bis Avicii läuft hier eigentlich alles. Und bis 2015 gab es jeden Samstagmorgen beim Frühschoppen mit der Pils Picker Jazz Band auch Jazz auf die Ohren.

Mit Blick auf die nahe Zukunft freut sich Detlef Beckmann schon auf den Weihnachtsmarkt: „Das ist sensationell, da haben wir immer volles Haus.“ Und danach ist ja auch fast schon wieder Zeit für die Karnevalpartys. Irgendetwas gibt es im Stade immer zu feiern.

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