Wahlphänomen verhalf Satirepartei in Dortmund zum Erfolg

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Wo die Satirepartei „Die PARTEI“ die meisten Stimmen holte, schaffte sie es meist auf eher wenige Prozentpunkte. Dieser scheinbare Widerspruch ist Teil des Erfolgs der Partei.

Dortmund

, 16.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die 6,86 Prozent der Stimmen, die Stefan Dondrup von der PARTEI in der südlichen Nordstadt bei der Wahl zum Stadtrat erreicht hat, sind ein beachtliches Ergebnis. Auch die 5,5 Prozent in der westlichen Nordstadt, das zweitbeste Ergebnis der Satirepartei in Dortmund, können sich sehen lassen.

Was diese Zahlen allerdings nicht widerspiegeln: In anderen Wahlbezirken war die PARTEI eigentlich sogar noch stärker - nur schlägt sich das deutlich weniger in den Prozentzahlen nieder.

Weniger Stimmen, mehr Prozente

In jenem Wahlbezirk 2, zwischen Mallinckrodtstraße und Bahnhof, holte die PARTEI mit fast 7 Prozent ihr bestes Ergebnis in ganz Dortmund - und hatte doch 128 Stimmen weniger als im Wahlbezirk 9 auf der anderen Seite des Hauptbahnhofes. Und in der westlichen Nordstadt machten trotz der 5,5 Prozent im Vergleich zum Wahlbezirk 9 nicht einmal halb so viele Wähler ihr Kreuzchen bei der PARTEI.

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Doch das ist relativ schnell erklärt: Die Wahlbeteiligung in der Nordstadt ist eklatant schlecht. So gingen im Wahlbezirk 2 gerade mal 25,26 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne. Und wenn kaum jemand wählen geht, reichen weniger Stimmen als in anderen Wahllokalen eben für mehr Prozentpunkte.

CDU gewinnt keinen Blumentopf

Eine Rolle bei der niedrigen Wahlbeteiligung in der südlichen Nordstadt spielt sicherlich die soziale Komponente: Der Anteil der Wohnungen in Ein- oder Zweifamilienhäusern beträgt nur 0,6 Prozent - und ist somit so niedrig wie nirgendwo in Dortmund.

Der Ausländeranteil an der Bevölkerung liegt bei 52 Prozent, hinzu kommt ein Anteil von Deutschen mit Migrationshintergrund von 21,7 Prozent. In diesem multikulturellen Viertel kann die CDU traditionell keinen Blumentopf gewinnen: Mit 9,57 Prozent der Stimmen lagen die Christdemokraten meilenweit hinter den Grünen (29,5%), der SPD (21,3%) und der Linken (17%) - und nicht allzu weit vor der PARTEI.

Fast 60 Prozent Wahlbeteiligung

Ganz anders - zumindest, was die Wahlbeteiligung angeht - sieht es da im Wahlbezirk 9 aus, der sich vom östlichen Kreuzviertel ins Klinikviertel erstreckt und eher studentisch geprägt ist. 59,5 Prozent der 12.732 Wahlberechtigen stimmten hier auch tatsächlich ab. Nur in drei Bezirken im Süden war die Wahlbeteiligung noch höher.

Prof. h.c. Dr. h.c. Olaf Schlösser, Graf von Kronenberg, gehört künftig dem Rat der Stadt Dortmund an und legt Wert darauf, alle Titel ehrlich im Internet erworben zu haben.

Prof. h.c. Dr. h.c. Olaf Schlösser, Graf von Kronenberg, gehört künftig dem Rat der Stadt Dortmund an und legt Wert darauf, alle Titel ehrlich im Internet erworben zu haben. © Felix Linde

Und in jenem Wahlbezirk 9 kandidiert für die PARTEI mit Prof. h.c. Dr. h.c. Olaf Schlösser, Graf von Kronenberg, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Satirepartei. Schlösser, der großen Wert darauf legt, all seine Titel für ein paar Euro ehrlich im Internet erworben zu haben, ist Generalsekretär der PARTEI in NRW und Ehrenvorsitzender des Dortmunder Kreisverbandes.

Der Graf holt die meisten Stimmen

Der Ehrenvorsitzende konnte mit 310 Stimmen die meisten PARTEI-Wähler aller Dortmunder Bezirke auf sich vereinen. Sein Pech: die hohe Wahlbeteiligung, die ihm nur 4,11 Prozent der Stimmen in seinem Bezirk bescherte.

Im Gegensatz dazu holte Carina Guhl trotz fehlender Adelstitel in Hörde-Süd mit 213 Stimmen ordentliche 5,18 Prozent. Allerdings spielte auch ihr die Wahlbeteiligung von unter 40 Prozent in die Karten.

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Auch andere Parteigenossen verbuchten in absoluten Stimmen ansehnliche Ergebnisse, blieben jedoch unter der 5-Prozent-Marke. Katharina Diwisch, ebenso wie Schlösser und Dondrup künftig Ratsmitglied, holte in der östlichen Innenstadt-Nord 197 Stimmen. Wegen der recht hohen Wahlbeteiligung sprangen am Ende aber nur wenig spektakuläre 3,52 Prozent heraus.

Zumindest bei der Stimmenanzahl echte Bringer für die PARTEI: Michael Theymann (südliche Innenstadt, 291 Stimmen, 3,93 %) und Bettina Neuhaus (Unionviertel/westl. Kreuzviertel, 285, 3,77 %). Trotzdem fallen sie in den meisten Statistiken unter die Rubrik „Sonstige“.

Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz und Elitenförderung

  • Der Kurzname Die PARTEI steht für Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative.
  • Bundesvorsitzender der 2004 gegründeten Partei ist der Satiriker und Journalist Martin Sonneborn, der seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments ist.
  • Vorsitzender des Kreisverbandes Dortmund ist Hendrik Klünner, seine Stellvertreterinnen sind Julia Beatrix Rüding und Katharina Diwisch.
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