Eine LED-Tafel erinnerte die Passanten Anfang November zwischen Westen- und Ostenhellweg an die Maskenpflicht auf den Einkaufsstraßen. Jetzt wurde die Pflicht aufs gesamte Zentrum ausgeweitet. © dpa (Archivbild)
Meinung

Die Maskenpflicht für Dortmunds Zentrum ist pure Symbolpolitik

Die Stadtverwaltung verhängt im Kampf gegen Corona eine Maskenpflicht für die gesamte Dortmunder City. Der Schritt ist verständlich - aber dabei helfen wird er nicht. Ein Kommentar.

Dortmund ist nach wie vor weit entfernt vom angestrebten Ziel einer 7-Tages-Inzidenz von unter 50. Um dieses Ziel zu erreichen, beschloss die Stadtverwaltung am Freitag eine Ausweitung der Maskenpflicht auf die gesamte Dortmunder City.

Das hört sich nach einem beherzten Schritt zur Bekämpfung des Coronavirus an. Doch eigentlich ist er überflüssig und wird nichts bringen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin ein großer Verfechter von Masken. Jeder sollte in öffentlichen geschlossenen Räumen eine Maske tragen, sei es im Wartezimmer des Arztes oder beim Einkaufen im Supermarkt.

Auch als die Stadt im Oktober entschied, eine Maskenpflicht auf dem Westenhellweg und an anderen belebten Orten im Freien einzuführen, fand ich das gut. An den Samstagen in der Vor-Weihnachtszeit war das Gewusel auf dem Westenhellweg besorgniserregend, da war ich, der mehrfach von vor Ort berichtete, froh über jede Stoffbarriere zwischen mir und den anderen Menschen.

Doch dann kam der Dezember-Lockdown. Mit der Schließung der meisten Einzelhandels-Geschäfte verschwanden auch die Menschenmassen aus der City – und für mich der Grund für eine Maskenpflicht im Freien.

Denn: An sich ist die Gefahr, sich im Freien mit Corona zu infizieren, sehr klein. Sage nicht ich, sondern das Robert-Koch-Institut (RKI): „Bei Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Außenbereich aufgrund der Luftbewegung sehr gering“, schreibt das RKI auf seiner Internetseite.

Wer in den vergangenen Tagen durch Dortmunds City ging, stellte fest, dass es dort mehr als luftig zuging – nicht nur in Sachen Wind, sondern auch in Bezug auf die Menschendichte. Man konnte problemlos mehr als genug Abstand halten.

Insofern ist die generelle Maskenpflicht in der City reine Symbolpolitik – wenn auch im bestmöglichen Sinne. Der Stadtverwaltung geht es darum, ein Zeichen zu setzen an die Dortmunder, jetzt nicht nachlässig zu werden.

Zwar sei der leichte Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen „erfreulich“, sagte die Dortmunder Krisenstabs-Leiterin Birgit Zoerner: „Für eine Entwarnung ist die Anzahl der Fälle allerdings weiterhin auf einem viel zu hohen Niveau.“ Und es gebe noch „die große Unbekannte der Virusmutationen“. Zwar gebe es bisher noch keinen nachgewiesenen Fall, doch das könne sich schnell ändern.

Die Masken im Gesicht eines jeden Passanten auf der Straße sind die plakativste Erinnerung an diese Gefahr.

Viel wichtiger im Kampf gegen Corona ist aktuell aber eine andere Maßnahme: die konsequente Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice. Hier hat die Stadtverwaltung selbst noch Nachholbedarf. Gegenwärtig arbeitet nur knapp jeder siebte Stadtangestellte mit einem PC-Arbeitsplatz von Zuhause.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel
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