Die Hafen AG gibt ihre Zentrale auf - auch wegen Brandschutzmängeln

dzDortmunder Hafen

Nach über 50 Jahren zieht die Hafen AG aus ihrer Zentrale an der Speicherstraße aus. Das hat mit einem der größten Städtebauprojekte der nächsten Jahre in Dortmund zu tun – aber nicht nur.

Dortmund

, 06.11.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die meisten Umzugskisten sind bereits gepackt: Ab kommendem Montag (11. November) zieht die Dortmunder Hafen AG aus dem Gebäude an der Speicherstraße 23 aus, das seit den 1960er-Jahren ihre Heimat war.

„Wir machen Platz für städtebauliche Innovationen“, sagt Hafen-Chef Uwe Büscher und meint damit die großen Veränderungen, die auf die westliche Seite des Schmiedinghafens rund um die Speicherstraße zukommen. Dort soll in den nächsten Jahren ein neues Quartier entstehen, mit Unternehmen aus der Digitalbranche. Darüber hinaus soll die Wasserkante eine schicke Hafenpromenade samt Gastro-Meile verpasst bekommen.

Mit der Neugestaltung des HSP-Geländes am Rand des Unionviertels ist das Hafenquartier Dortmunds größtes Stadtentwicklungsprojekt des kommenden Jahrzehnts. In diese schöne neue Welt passt der nüchterne Zweckbau am Knick der Speicherstraße, in dem neben der Hafen AG unter anderem auch die Verwaltung der Dortmunder Eisenbahn GmbH sitzt, nicht mehr rein. Es soll abgerissen werden.

Die Hafen AG gibt ihre Zentrale auf - auch wegen Brandschutzmängeln

Die Speicherstraße soll in den kommenden zehn Jahren komplett umgestaltet werden, ein neues Quartier soll entstehen. Die Hafen-AG-Zentrale (unten rechts in der Ecke) soll dafür abgerissen werden. © Hans Blossey (Archivbild)

Interner Bericht: „erhebliche Mängel“ im Brandschutz

Doch das ist nur ein Teil der ganzen Geschichte. Denn was bisher nicht bekannt war: Das Gebäude, in dem nach Angaben von Büscher momentan rund 100 Menschen arbeiten, ist nur ungenügend gegen Feuer geschützt. Laut zwei interner Berichte aus dem Januar 2018, die unserer Redaktion vorliegen, bestehen „erhebliche Mängel hinsichtlich Brandschutz“. Aufgefallen waren die Mängel nach Angaben von Büscher im Zuge des Umbaus des Foyers im Jahr zuvor.

Die Berichte zweier externer Ingenieurbüros bemängeln unter anderem fehlende Brandschotts, unzureichend gesicherte Leitungsstränge und mangelhafte Rettungswege. Auch abseits des Brandschutzes müsse viel an dem Bau aus dem Jahr 1966 gemacht werden, etwa an den Sanitäranlagen.

Allein die Kosten für die „unabdingbaren Maßnahmen“ zur Ertüchtigung des Gebäudes werden auf rund 100.000 Euro geschätzt, zusammen mit empfohlenen Bauarbeiten und zusätzlichen Brandschutzmaßnahmen kommt einer der Berichte sogar auf über 360.000 Euro.

Sanierung lohnte sich nicht, sagt die Hafen AG

Zu viel Geld für die Hafen AG. „Man muss darauf achten, was sich wirtschaftlich lohnt“, sagt Hafen-Chef Uwe Büscher. Letzten Endes hätten die Brandschutzmängel die Entscheidung zum Auszug und Abriss der Hafen-AG-Zentrale, der parallel diskutiert worden sei, begünstigt.

So wurden zwar die bestehenden Rauchmelder ergänzt, was einer der beiden Sachverständigen „zur Sicherung des Personenschutzes als Sofortmaßnahme dringend empfohlen“ hatte. Eine grundsätzliche Behebung der Brandschutzmängel, die laut einem der Berichte „nur im leergezogenen Objekt erfolgen kann“, gab es aber nicht.

Experte benutzt das Wort „katastrophal“

Doch ist es nicht fahrlässig, Brandschutzmängel fast zwei Jahre nicht zu beheben und stattdessen auf einen Auszug zu warten? Nein, sagt ein in der Branche angesehener Brandschutz-Experte, dem unsere Redaktion die Berichte zur Einschätzung vorgelegt hat.

Zwar gebe es mehrere Brandschutzmängel im Gebäude, sagt er beim Durchgehen der Berichte, einmal fällt sogar das Wort „katastrophal“, als er ein Bild des Deckenzwischenraums im Keller sieht, durch den wild elektrische Leitungen verlegt wurden. Dennoch spricht er davon, bei der abschließenden Bewertung „Augenmaß“ walten zu lassen.

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Das Zauberwort des Experten lautet: Bestandsschutz. Die wenigsten älteren Gebäude würden aktuellen Brandschutzrichtlinien genügen, sagt er: „Mit heutigen Standards könnten Sie jedes denkmalgeschützte Gebäude totmachen.“

„Danach hätte ich auch nicht saniert“

Solange es keinen groß angelegten Umbau im Gebäude gebe, bei dem sich beispielsweise die Rettungswege ändern oder tragende Wände wegfallen, würde die einmal erteilte Baugenehmigung aus den 1960er-Jahren gelten. Die rund 100.000 Euro teure Modernisierung des Hafen-AG-Foyers fällt wohl nicht in diese Kategorie.

Außerdem gingen die Berichte nirgendwo auf konkrete Gefahren ein, schließt der Experte. Sein Fazit, vor allem im Hinblick auf den statt der Sanierung geplanten Auszug der Hafen AG: „Nach diesen Berichten hätte ich auch nicht saniert.“

Gebäude verschwindet Anfang 2020

Und so wird das Gebäude 2020 verschwinden. Während die Verwaltung der Dortmunder Eisenbahn GmbH zu ihrer Betriebszentrale auf die Westfalenhütte zieht, geht es für die Hafen-Mitarbeiter lediglich aufs benachbarte ehemalige Knauff-Gelände, das die Hafen-Mutter DSW21 im Herbst 2018 gekauft hat. Das alte Verwaltungsgebäude des Metallverarbeiters wird zur neuen Hafen-Zentrale – zumindest vorübergehend.

Langfristig soll die Hafen AG in einen Neubau ziehen. Wo der entstehen soll, ist noch nicht klar, so Hafen-Chef Büscher: Dazu müsse man zuerst die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs für die nördliche Speicherstraße Anfang 2020 abwarten. Nur eines ist laut Büscher sicher: „Die Hafen AG wird am Hafen bleiben.“

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