Die grobe und großformatige Kunst des ganz feinsinngen Künstlers Jan Bormann

dzTorhaus Rombergpark

In 50 Jahren hat Jan Bormann viele öffentliche Kunstwerke für Dortmund und Castrop-Rauxel geschaffen. Jetzt ist er 80 - eine Schau im Torhaus Rombergpark zeigt nun seine Arbeiten.

Brünninghausen

, 28.06.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist soetwas wie ein Feingeist fürs Grobe, ein Künstler, der nicht mit dünnem Pinsel und Pastellfarben arbeitet, sondern mit massivem Stahl, Kernlochbohrern und Schmiedefeuern. Vor wenigen Wochen ist Jan Bormann 80 geworden. Seit 50 Jahren ist der aus Dortmund stammende und in Castrop-Rauxel lebende und arbeitende Künstler als freiberuflicher Bildhauer tätig.

Die grobe und großformatige Kunst des ganz feinsinngen Künstlers Jan Bormann

Mit diesem "Rollerball" am Phoenix-See wollte Jan Bormann 2016 eine optische Verunsicherung schaffen. Der "Rollerball" steht nicht auf einer geraden Fläche. © Archiv

Aus Anlass dieser beiden Jubiläen zeigt ab Sonntag, 30. Juni, eine Ausstellung im Torhaus Rombergpark einen Querschnitt seiner freien Arbeiten, aber auch Fotos von Auftragsarbeiten. Diese Auftragsarbeiten sind größer als das Torhaus selbst, passen also nicht in eine Ausstellung, sondern sind Kunstwerke im öffentlichen Raum. In Dortmund ist beispielsweise die Spielstraße Lessingstraße mit dem großen Stahlring von ihm, in Castrop-Rauxel die „Sonnenuhr“ auf der Halde Schwerin.

Viele Werke im öffentlichen Raum stammen von Jan Bormann

Insgesamt hat Jan Bormann in fünf Jahrzehnten 37 öffentliche Werke für Dortmund geschaffen - zuletzt den „Rollerball“ am Phoenix-See. In Castrop-Rauxel stehen 13 Werke von ihm. Während er in der Europastadt eine Persönlichkeit ist und einen Namen hat, ist er in Dortmund nahezu unbekannt. „Hier kennt mich kein Mensch“, sagt er selbst.

Die grobe und großformatige Kunst des ganz feinsinngen Künstlers Jan Bormann

Jan Bormanns Ring aus Stahl auf Schwerin. Er hat viele Landmarken und Ortsmerkmale wie diese aus Industriegütern der Region geschaffen. © Archiv Helmut Orwat

Die Torhaus-Ausstellung, die auch seine 200. Ausstellung ist, bietet nun die Gelegenheit, den Künstler kennenzulernen, der hinter dem Deportationsdenkmal an der Ruhrallee oder der „Flüsterbrücke“ an der Emscher in Hörde sowie hinter dem riesigen, scheinbar rollenden Stahlring auf Schwerin steckt. „Wenn ich Werke für den öffentlichen Raum mache, habe ich eine Verantwortung für den Ort. Ich maßschneidere ein Werk dafür und gucke genau auf Lichtachsen und die räumlichen Besonderheiten“, sagt Bormann mit seiner weichen Stimme, die ganz im Gegensatz steht zu seinen groben und von der schweren Arbeit rauen Händen.

In den Werken steckt eine kaum verborgene Kraft

Im Torhaus kann man Jan Bormann in seinen kleinen, freien Arbeiten entdecken. „Auf geheimnisvoll-sensible Weise verraten die Werke kaum verborgene Kraft unter rauer oder eleganter Oberfläche, die, zurückhaltend erst, bald eine tiefe, komplexe Magie offenbart“, schreibt der Dortmunder Kunstkritiker Konrad Schmidt auf der Einladungskarte zur Ausstellung. Bestes Beispiel ist vielleicht die „Pyramidale Form“ aus Koks, die Jan Bormann in den vergangenen Monaten erst geschaffen hat und die zwischen den Stelen aus Blaubasalt und den hölzernen, aus einem Stamm herausgehauenen „Baumgeistern“ wie ein Diamant wirkt. „Ich war früher immer auf Zechen unterwegs und hab dort zum Beispiel Koks-Stücke gesammelt, die nicht die richtige Bruchgröße hatten und dort weggeworfen wurden“, sagt Bormann. Gut, dass er ein so großes Stück Koks in seinem Fundus hatte und es jetzt bearbeiten konnte. „Denn heute“, so sagt er, „gibt es ja gar keinen Koks mehr.“

Nach seiner Lehre und Gesellenzeit als Bildhauer nahm Bormann nach zehn Jahren das Studium an der damaligen Dortmunder Werkkunstschule auf, beendete es 1969 und machte sich selbstständig. Als Künstler konnte er sich seitdem verwirklichen, finanziell ist er aber jeden Monat froh, wenn er seine Lebenshaltungskosten decken kann. „Urlaub habe ich schon seit vielen Jahren nicht mehr gemacht“, sagt er. Seine ganze Kraft steckt der 80-Jährige in seine Kunst. Und diese Kraft findet sich in seinen Werken unter der Oberfläche. Man muss genau hinsehen.

Torhaus Rombergpark

Bormann-Ausstellung bis zum 21. Juli

  • Die Eröffnung der Ausstellung findet statt am Sonntag, 30. Juni, um 11 Uhr im Torhaus Rombergpark. Parkplätze sind unter der Adresse Am Rombergpark 55a vorhanden. Zur Einführung in das Schaffen Jan Bormanns spricht der Kunsthistoriker Dr. Falko Herlemann
  • Die Ausstellung im Torhaus, der Städtischen Galerie Dortmund, läuft bis zum 21. Juli 2019. Der Eintritt ist frei.
  • Die Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14 bis18 Uhr, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr.
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