Die Folgen der Corona-Krise: So geht es in Dortmund am Bau weiter

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Fast kein Wirtschaftsbereich ist nicht betroffen von der Corona-Krise. Doch immerhin das Baugeschäft läuft weiter. Mittelfristig könnte es aber auch hier zu Problemen kommen.

Dortmund

, 28.03.2020, 20:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wird weiter fleißig gebaut an dem Neubaukomplex am Königswall. „Die Baustelle läuft weiter“, berichtet Franz-Bernd Große-Wilde als Vorstandschef des Spar- und Bauvereins. Die Genossenschaft baut hier an zentraler Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus-Ensemble. Auch auf anderen Wohnungs-Baustellen wie am Teigelbrand in Schüren laufe der Betrieb weiter, erklärt Große-Wilde.

In der Tat ist das Baugewerbe zurzeit noch vergleichsweise wenig von der Corona-Krise betroffen. Das belegt auch eine Blitzumfrage im Handwerk vom Anfang der Woche. Während im Bezirk der Handwerkskammer Dortmund mehr als ein Drittel (genau 36 Prozent) aller Betriebe schon über Auswirkungen der Corona-Krise berichteten, spürten im Bauhauptgewerbe erst 21 Prozent der Unternehmen Beeinträchtigungen.

Probleme gibt es am ehesten im kundennahen Bereich, etwa beim Innenausbau oder bei Modernisierungen im Bestand. Im Rohbau und auf Freiluft-Baustellen lasse sich die Arbeit auch mit Blick auf Schutzvorkehrungen vor der Corona-Gefahr gut organisieren, erklärt Thomas Pape als Obermeister der Baugewerbe-Innung. Trotzdem müsse man generell mit „gebremstem Schaum“ arbeiten, weil man mit Blick auf den Schutz vor Corona besonders vorsichtig sein müsse.

Abstandhalten auch beim Bau

Darauf drängt auch die Baugewerkschaft. „Das Abstandhalten macht die Hand-in-Hand-Arbeit nicht leichter, ist aber ein Muss. Trotzdem zeigt sich die Bauwirtschaft bislang insgesamt deutlich immuner gegen die Krise als viele andere Branchen“, erklärt Gabriele Henter von der IG BAU Bochum-Dortmund.

Zugleich appelliert die Gewerkschafterin an die Arbeitgeber, die strikte Einhaltung der Hygieneregeln sicherzustellen. Große Frühstücksrunden im Baucontainer seien aktuell ebenso tabu wie die Fahrt im vollbesetzten Bulli zur Baustelle.

Jede Baufirma müsse hier ihren eigenen Pandemie-Plan erstellen. Es dürfe nicht alles wie gewohnt weiterlaufen, betont die Gewerkschafterin. „Arbeitsabläufe müssen sich ändern. Der Schutz der Beschäftigten hat oberste Priorität.“

Sorge um Lieferketten

Mittelfristig sieht Thomas Pape aber auch durchaus Gefahren für die Fortsetzung des Betriebs auf den Baustellen. „Meine Sorge ist, dass die Lieferketten abbrechen“, erklärt der Obermeister. Das gilt für Baumaterial, aber auch für vorproduzierte Fertigteile. Da könnte es schon in der Planung haken.

„Über kurz oder lang könnte der Nachschub ausdünnen“, fürchtet Pape. „Bis dahin bemühen wir uns aber, mit allen nötigen Schutzmaßnahmen die Arbeit auf den Baustellen voranzutreiben.“

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Auch auf den städtischen Baustellen von Tiefbauamt und Immobilienwirtschaft sieht man sich bislang von den Folgen der Corona-Krise weitgehend verschont. Man rechne aber mittelfristig mit Auswirkungen - etwa durch personelle Ausfälle bei Baufirmen oder auch in der Verwaltung, erklärte Baudezernent Arnulf Rybicki.

Engpässe bei der Grünpflege

Schon in der Planung könne es zu Veränderungen an den bisherigen Terminschienen kommen, heißt es aus der Verwaltung. „In der Folge hätte dies auch Auswirkungen auf die bauliche Umsetzung von Projekten.“

Konkret spürbar ist die Corona-Krise bereits für das Grünflächenamt. Weil die Behindertenwerkstätten nach dem Erlass des Landes vom vergangenen Sonntag ihre Arbeit einstellen mussten, stehen sie der Stadt auch nicht mehr als Dienstleister für die Pflege von Grünanlagen und Spielplätzen zur Verfügung.

„Die Mitarbeiter in den Betriebshöfen des Grünflächenamtes sind zurzeit so stark ausgelastet, dass sie den Ausfall der Werkstätten nur bedingt auffangen können“, erklärt Stadtsprecher Christian Schön. Es wird deshalb um Verständnis gebeten, wenn etwa Papierkörbe in Grünanlagen nicht wie gewohnt geleert werden können.

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