Die Fliegenden Bilder am U fallen bald komplett aus, wenn nichts passiert

dzU-Turm

Die Fliegenden Bilder am U-Turm sind eins der beliebtesten Wahrzeichen der Stadt. Doch ihre Technik ist alt, jetzt ist ein Fenster zur Hälfte ausgefallen. Die Stadt muss dringend handeln.

Dortmund

, 16.10.2018, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Darauf, dass die Technik der Fliegenden Bilder langsam aber sicher den Geist aufgibt, macht ihr Erfinder Adolf Winkelmann seit mindestens einem Jahr immer wieder aufmerksam. Schon seit dreieinhalb Jahren kümmert sich sein Angestellter Gerrit Hecht in Vollzeit um den Erhalt des Kunstwerks.

Denn ständig fallen Teile aus und müssen ersetzt werden, doch die Technik ist einzigartig, Ersatzteile gibt es nicht. Jetzt ist zum ersten Mal ein komplettes halbes Fenster ausgefallen, ausgerechnet auf der Ostseite, Richtung Stadtzentrum.

Das ist besonders ärgerlich, weil dort zurzeit die für das U so wichtige Pink-Floyd-Ausstellung läuft und Winkelmann extra dafür neue Videos gemacht hat.

Die neuen Videos:

Winkelmann: „Täglich gehen uns Bauteile kaputt“

Das ausgefallene halbe Fenster ist laut Winkelmann erst der Anfang vom Ende. „Die Situation ist dramatisch. Täglich gehen uns Bauteile kaputt.“ Manche könne er sofort ersetzen, aber immer nur einzelne Lamellen. Es gebe in Süddeutschland noch einen Menschen, den letzten von denen, die vor zehn Jahren für Winkelmann diese Anlage konzipiert haben.

Der komme hin und wieder und helfe bei der Reparatur. Aber vieles sei nicht mehr reparabel. Ob das zur Hälfte ausgefallene Fenster wieder hergestellt werden kann, weiß Winkelmann zurzeit nicht.

Möglich, dass die Fliegenden Bilder ganz abgeschaltet werden

Immer wieder in den vergangenen Monaten waren einzelne Stellen der Fenster kaputt, sichtbar als waagerechte, schwarze Streifen. Die Streifen werden breiter werden, bald fällt vielleicht ein ganzes Fenster aus.

Wenn die Lücken zu groß werden, werde er die Fliegenden Bilder komplett abschalten müssen, sagt Winkelmann. „Ich kann da ja nicht so einen Schrotthaufen laufen lassen.“ Wie es aussieht, werde das nicht mehr lange dauern, befürchtet er: „Wir müssen damit rechnen, dass wir mehrere Monate oder ein halbes Jahr lang einen schwarzen U-Turm haben werden.“

Die Instandsetzung muss ein Jahr lang vorbereitet werden

Denn die notwendige Erneuerung der kompletten Leucht- und Steuertechnik setzt eine längere Vorbereitung voraus. Das Projekt muss ausgeschrieben werden. Dann müssen die Angebote von Firmen abgewartet werden - das hatte 2016/17 schon den Theaterumbau verzögert, weil für einige Arbeiten keine Angebote reinkamen. Dazu kommt die einzigartige Technik der Fliegenden Bilder. Winkelmann: „Ich kenne zwei Firmen, die das theoretisch können.“

Dann muss Winkelmann mit den anbietenden Firmen eine aus künstlerischer Sicht brauchbare Konstruktion aushandeln, deutlich haltbarer und leichter zu warten als die aktuelle. Anschließend muss die Firma die Technik herstellen. Der eigentliche Einbau der neuen Technik wird etwa zwei Wochen dauern, schätzt Winkelmann. Doch bis es dazu kommen kann, werde wohl ein Jahr vergehen.

Kostenschätzung: Mehrere 100.000 bis 2 Millionen Euro

Diese Jahresfrist kann erst beginnen, wenn der Rat der Stadt entscheidet, den Auftrag zu erteilen und die Kosten zu übernehmen. Im März rechnete die Stadt mit mehreren Hunderttausend Euro, Winkelmann hält 1 bis 2 Millionen Euro für realistischer.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Stadt am Montag mit, dass die Verwaltung gerade die Prozesse vorbereite, damit die Arbeiten nach der Pink-Floyd-Ausstellung (läuft bis Februar 2019) beginnen können. Wenn der Verwaltungsvorstand am 30. Oktober der Instandsetzung zustimmt, gehe die Vorlage am selben Tag in den Kulturausschuss und könne am 15. November im Rat beschlossen werden.

Winkelmann sagt, er begrüße diese konkrete Ankündigung der Stadt - und hoffe, dass die bisherige „kaugummiartige Verzögerung“ der Stadt damit ein Ende habe.

  • Zu sehen sind die Fliegenden Bilder jeden Tag von 6 bis 24 Uhr in den Fenstern an der zweistöckigen Krone direkt unterm U.
  • Es gibt mehr als 100 verschiedene Filme, die täglich wechseln.
  • Während der Pink-Floyd-Ausstellung ist ein neues Feature zu sehen: Alle fünf Minuten überlagert ein zweiter Film das laufende Video, der eine weiße Mauer zeigt, die sich aufbaut und anschließend wieder zusammenfällt.
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