Die erste Rose im Nordstadt-Garten war nur ein Stängel aus der Ukraine

dzMit vielen Fotos

Oleksandra Mihal-Gulchina aus der Nordstadt ist Einzelkämpferin in ihrer Häuserzeile, aber unverdrossen hat sie ein grünes Kleinod geschaffen. Gartencenter brauchte sie dafür nicht.

Dortmund

, 01.08.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Oleksandra Mihal-Gulchina aus der Herderstraße in der Dortmunder Nordstadt Besuch erwartet, kann sie die Hausnummer getrost weglassen. Es reicht, wenn sie sagt: „Das Haus mit dem großen Rosenstock an der Wand.“ Die rot blühende Kletterrose, die sie vor mehr als 20 Jahren selbst gezogen und gepflanzt hat, reicht inzwischen bis unter ihr Fenster im ersten Stock.

Auch vor ihrer Haustür des Mehrfamilienhauses sieht es anders aus als links und rechts daneben. Auf gut 25 Quadratmetern Vorgarten blühen neun weitere Rosen, Schmuckkörbchen und die erste Blüte der Schwertlilien ist auch schon zu erkennen. „Das hier ist nur das Präludium“, das Vorspiel, sagt sie – und ist schon beim nächsten Beet um die Ecke.

Eine bunt blühende Oase

Vor 26 Jahren ist Oleksandra Mihal-Gulchina mit ihrem Mann Alik Gulchin und ihrer Tochter aus der Ukraine gekommen. Schon in ihrer damaligen Heimat war die heute fast 74-Jährige eine Garten- und Blumenliebhaberin.

Im Gepäck hatte sie einen Rosenstängel aus dem Garten des Schuldirektors im Heimatort, „Stäbchen“, sagt sie zu den Stecklingen. Das hat sie auf der Reise gehütet wie ihren Augapfel und dann hinter das Haus gepflanzt. „Im letzten Jahr hat die Rose erstmals geblüht“, erzählt sie stolz und zeigt auf die roten Blüten.

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Dafür braucht man Geduld. Und die hat Oleksandra Mihal-Gulchina. Stunden um Stunden verbringt sie in den Beeten, vor, neben und hinter dem Haus, wo sie eine bunt blühende Oase geschaffen hat.

Neben 63 Rosen entfalten dort Schmuckkörbchen, Knollenbegonien, Pfingstrosen, weißer und rosafarbener Mohn, Frauenmantel, Geranien, Astern, Kapmargeriten, Hortensien und Hibiskus, Funkien und Fuchsien ihre Blatt- und Blütenpracht. Ihre gelbe Lilie unter dem Fenster ist zwei Meter hoch. „Die weiß, dass du im ersten Stock wohnst“, habe mal eine Freundin gesagt.

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Der Garten von Oleksandra Mihal-Gulchina

Den Garten in der Herderstraße 84 in der Dortmunder Nordstadt hat Oleksandra Mihal-Gulchina mit viel Liebe und in mehr als 20 Jahren vor und hinter dem Mehrfamilienhaus angelegt. Die weitaus meisten Pflanzen hat sie selbst aus Stecklingen und Samen gezogen.
21.07.2020
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Die Kletterrose vor dem Haus an der Herderstraße hat Oleksandra Mihal-Gulchina vor mehr als 20 Jahren aus einem Steckling selbst gezogen. Die Rose reicht bis unter ihr Fenster im ersten Stock.© Gulchan
Viele Ecken hat Oleksandra Mihal-Gulchina liebevoll dekoriert.© Schaper
Blick auf das grüne Paradies hinter dem Haus.© Schaper
Die Beete hat Oleksandra Mihal-Gulchina im Laufe der Jahre nach und nach angelegt.© Schaper
Es blüht und grünt in Oleksandra Mihal-Gulchinas Garten. © Schaper
Oleksandra Mihal-Gulchina und Alik Gulchan mit ihrem Enkel Gabriel im Garten. © Schaper
Es blüht und grünt in Oleksandra Mihal-Gulchinas Garten. © Schaper
Bei Oleksandra Mihal-Gulchinas wachsen viele Pflanzen auch in Gefäßen. Manche müssen im Keller überwintern.© Schaper
Jede Ecke ist mit Liebe zum Detail gestaltet.© Schaper
Oleksandra Mihal-Gulchina neben ihrer Pflanztreppe, die ihr Mann Alik gebaut hat. Hier päppelt sie auch "Waisenpflanzen" wieder hoch, die ihr andere Leute vor die Tür gestellt haben. © Schaper
Oleksandra Mihal-Gulchina und ihr Mann genießen den Garten in ihrer Hollywood-Schaukel, wenn sie nicht gerade darin arbeiten. © Schaper
Oleksandra Mihal-Gulchina und ihr Mann mit Enkel Gabriel Greiving (11) in ihrer Hollywood-Schaukel - ein lauschiges Plätzchen.© Schaper
Blick in den Garten.© Schaper
Alik Gulchan unterstützt seine Frau, vor allem wenn es darum geht, Gartenzubehör zu werkeln.© Schaper
Die Lilie ist zwei Meter hoch gewachsen.© Schaper
Diese Hortensie blüht im Vorgarten.© Schaper
Auch diese Rose hat Oleksandra Mihal-Gulchina selbst gezogen.© Schaper
Enkel Gabriel Grieven fühlt sich wohl im Garten seiner Oma.© Schaper
Oleksandra Mihal-Gulchina mit Enkel Gabriel im Beet an der seitlichen Hauswand. Das hat sie erst vor drei Jahren angelegt.© Schaper
Blick in Oleksandra Mihal-Gulchinas Garten. © Schaper
Impression aus Oleksandra Mihal-Gulchinas Garten.© Schaper
Oleksandra Mihal-Gulchina in ihrem grünen Reich. © Schaper
Es grünt und blüht entlang der Hauswand und gegenüber.© Schaper
Schmuckkörbchen (Cosmeen) findet man reichlich hier.© Schaper
Blick in Oleksandra Mihal-Gulchinas Garten.© Schaper
Die Hollywood-Schaukel ist im Sommer ein lauschiges Plätzchen.© Schaper
Den rosafarbenen Mohn hat Oleksandra Mihal-Gulchina aus Samen gezogen, die sie geschenkt bekommen hat.© Schaper
Hier und da findet man auch Gartendekorationen zu den Blumen.© Schaper
Die Geranien gedeihen hier auch mit wenig Sonne prächtig.© Schaper
Ebenso die Rosen an der Hausrückwand.© Gulchan

Jede Pflanze hat eine Geschichte

Oleksandra Mihal-Gulchina kennt jede einzelne ihrer Pflanzen in den frisch geharkten Beeten und kann zu jeder eine Geschichte erzählen. Mit einem Beet im Hintergarten hat sie angefangen, dann kam noch eins und noch eins hinzu. Vor drei Jahren nahm sie sich die Seitenwand des Gebäudekomplexes vor. Ihr Mann beobachtete das mit zwielichtigen Gefühlen und fragte: „Willst du die ganze Herderstraße bepflanzen?“

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Als der Besitzer des gesamten Gebäudekomplexes einen Garten in der Nachbarschaft, bei dessen Anlage Oleksandra Mihal-Gulchina mitgeholfen hatte, von heute auf morgen wegrasieren ließ, bangte sie um ihr kleines Paradies. Doch der Immobilien-Besitzer aus Bremen, der sein Eigentum vor Ort begutachtete, war beeindruckt. „Er hat voll Respekt gesagt: ‚Nur das bleibt‘“, erzählt sie.

Fahrbare Untersetzer für schwere Töpfe

Der Hausverwalter ließ sie daraufhin wissen: „Jetzt können Sie machen, was Sie wollen.“ Jetzt habe sie eine „Carte blanche“, eine unbeschränkte Vollmacht, sagt sie mit einem Lachen im Gesicht. Überhaupt: Die Freude über ihren Garten ist ansteckend.

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Auch wenn ihr Mann Alik (75) hier und da mal über ihr Engagement brummeln mag, so unterstützt er sie doch tatkräftig. Er hat ihr aus Sperrmüll fahrbare Untersetzer gebaut, die Rollen von ausrangierten Möbeln abgeschraubt, damit sie ihre vielen schweren Töpfe im Laufe des Tages hin- und herrollen kann. Alle sollen schließlich mal Sonne in dem Garten bekommen, der auf der Westseite des Hauses die meiste Zeit des Tages überschattet wird von den vielen großen Bäumen am Gartenrand.

Ihr Mann hat ihr auch die Pflanztreppe nachgebaut, die sie in einem Discounter-Prospekt gesehen hat. „Dafür brauchen wir keine 17 Euro wegzuwerfen, das kannst du selbst bauen“, hat sie zu ihm gesagt.

Eine Pflanztreppe für Waisenkinder

Nun steht die Treppe voll mit bepflanzen Blumentöpfen, darunter auch „Waisenkinder“, wie sie sagt. Das sind ausgemergelte Pflanzen, die ihr Leute vor die Tür gestellt haben, weil sie um Oleksandra Mihal-Gulchinas Leidenschaft wissen.

Sie gibt so schnell keine Pflanze auf und päppelt sie wieder hoch. Wie das Tannenbäumchen, das verwaist und zerrupft vor einer Kneipe am Signal Iduna Park sein Dasein fristete, bis Alik Gulchan fragte, ob er es mitnehmen dürfe. Nun wächst es im wieder grünen Kleid hinterm Haus zur stolzen Tanne heran.

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„Wir investieren in den Garten Kraft, Liebe, Zeit und nur ein bisschen Geld“, sagt die Blumenfreundin. Von ihren 63 Rosen sind nur zwei gekauft, die anderen meist selbst gezogen, oder im Einzelfall waren sie ein Geschenk, etwa von ihrer Tochter. Andere Pflanzen zieht sie aus Samen. Das „bisschen Geld“ braucht sie für Dünger, Blumenerde und Mittel gegen Schädlinge, vor allem Schneckenkorn.

In Schönheit groß werden

„Die Schnecke ist der Feind Nummer eins“, erzählt sie. Und dann gibt es da noch einige Nachbarn, die den Anblick des kleinen Paradieses mit der Hollywoodschaukel nicht zu schätzen wissen, ihre Zigaretten vom Balkon runter in die Beete werfen oder die Blumen im Beet kaputt trampeln. Da wird Oleksandra Mihal-Gulchina schon zornig: „Ich verstehe das nicht“, sagt sie, „die Kinder sollen doch nicht in Müll groß werden, sondern in Schönheit.“ Das ist ihre Mission.

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