Der lange Kampf gegen den Tod in der Grube

dzGrubenunglücke

Zahlreiche Grubenunglücke begleiteten die Dortmunder Bergbau-Geschichte. Aber auch Schutzvorkehrungen gegen Schlagwetter-Explosionen wurden maßgeblich in Dortmund vorangetrieben.

Dortmund

, 20.11.2018, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit harter Arbeit unter extremen Bedingungen wird der Bergbau verbunden. Die Arbeit unter Tage war sogar lebensgefährlich. Immer wieder kam es zu tragischen Unglücken mit vielen Toten. Bei den Bemühungen um mehr Sicherheit unter Tage spielte Dortmund eine große Rolle.

Schlagende Wetter waren die größte Gefahr. Dazu kam es, wenn sich unter Tage austretendes Methangas unkontrolliert entzündete. Die Folge waren verheerende Schlagwetterexplosionen. Feuer mit enormen Temperaturen und Druckwellen forderten dann immer wieder Menschenleben. Vor allem ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Bergbau im Ruhrgebiet in immer größere Tiefen vordrang, stieg die Zahl solcher Unglücke dramatisch an.

Verheerende Brände forderten viele Todesopfer

Das erste größere Grubenunglück im Raum Dortmund ist für 1872 überliefert als auf der Zeche Vereinigte Wittwe&Barop sechs Bergleute bei einer Schlagwetterexplosion ums Leben kamen. Fünf Jahre später forderte ein Grubenbrand auf der Zeche Borussia in Kley 15 Menschenleben, 1905 waren dort nach einem Brand 39 Todesopfer zu beklagen.

Drei Tote gab es 1880 bei einer Schlagwetterexplosion auf der Zeche Westfalia. Dieses Bergwerk in der Nordstadt ging später in der Zeche Kaiserstuhl auf – und damit in der Dortmunder Zeche, die am häufigsten von Grubenunglücken betroffen war. 1882 kam es hier zu einer ersten Schlagwetterexplosion mit sieben Toten. Besonders verheerend war die Explosion am 19. August 1893: 62 Kumpel kamen ums Leben. An sie erinnert ein eindrucksvolles Gräberfeld auf dem Ostfriedhof.

Der lange Kampf gegen den Tod in der Grube

Die Zeche Kaiserstuhl in der Nordstadt wurde von einer ganzen Unglücksserie heimgesucht. © Fritz Mielert/Sammlung Klöpper

Und die Unglücksserie auf Kaiserstuhl ging weiter: 20 Tote forderte eine weitere Schlagwetter-Explosion am 22. Dezember 1897, acht Tote eine Explosion am 20. Februar 1917. Am 8. August 1920 starben 31 Bergleute bei einem Seilfahrt-Unglück, drei durch „Kohlenfall“ auf der Zeche Kaiserstuhl II am 6. August 1932. Und bei einem Brand im Hauptschacht von Kaiserstuhl I kamen am 16. Januar 1943 42 Bergleute ums Leben.

Aber auch in anderen Dortmunder Gruben gib es weiter Unglücke – etwa auf der Zeche Dorstfeld, wo am 16. Mai 1925 47 Menschen bei einer Sprengstoff- und Kohlenstaubexplosion sterben.

Der lange Kampf gegen den Tod in der Grube

Entsetzen und Trauer herrschten nach dem Grubenunglück auf der Zeche Minister Stein am 11. Februar 1925 in Eving. © Frankl/Sammlung Beuchel

Zum schwersten Grubenunglück in der Dortmunder Bergbaugeschichte kommt es 1925 auf der Zeche Minister Stein in Eving. Umherfliegende glühende Teile der Sprengkapsel und Methangas lösten eine verheerende Explosion aus. Die Grubenwehr war zwar schnell vor Ort, konnte aber nicht viel ausrichten und nur vier Bergleute bewusstlos bergen. Fünf Bergleute des Reviers hatten sich selbst retten können. 136 Bergleute verloren ihr Leben.

Große Anteilnahme nach dem Unglück in Eving

Eving trug Trauer. In der Kolonie Kirdorf gleich neben dem Unglücksschacht war fast jede Familie betroffen, einige hatten mit Vater und Söhnen sogar mehrere Tote zu beklagen. Reichskanzler Luther besuchte einen Tag nach dem Unglück die Zeche. Tausende Dortmunder standen beim Trauerzug für die verunglückten Bergleute am 17. Februar 1925 Spalier. Wie groß die Anteilnahme der Bevölkerung am Schicksal der betroffenen Familien war, zeigt die Tatsache, dass bei einer Spendensammlung für die Hinterbliebenen 1,36 Millionen Reichsmark zusammenkamen.

Der lange Kampf gegen den Tod in der Grube

In einem langen Trauerzug wurden die 136 Opfer des Grubenunglücks auf Minister Stein zu Grabe getragen. © Frankl/Sammlung Beuchel

Und das Unglück hatte auch weitreichende Folgen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte der preußische Staat Schlagwetterkommissionen eingerichtet, um die Zahl der Grubenunglücke einzudämmen. Und 1908 war nahe der Zeche Gneisenau in Derne eine Versuchsstrecke eingerichtet worden, um Maßnahmen gegen Grubengas-Unglücke zu erproben.

Nach dem Unglück auf Minister Stein wurden dann neue Bergpolizei-Verordnungen mit Explosionsschutz-Maßnahmen wie etwa Berieselungsanlagen zum Binden des Kohlenstaubs erlassen. 1927 wurde schließlich die Gründung einer Versuchsgrube beschlossen, in der unter Tage geforscht werden sollte. Nach Anfängen auf der Zeche Hibernia in Gelsenkirchen wurde 1942 die ehemalige Zeche Tremonia zwischen dem Kreuzviertel und Dorstfeld zur Versuchsgrube, die bis 1996 betrieben wurde.

Großer Beitrag zur Arbeitssicherheit

„Sowohl die Versuchsgrube Tremonia als auch die Versuchsstrecke in Dortmund-Derne haben im Verbund mit den einzelnen Organisationen des Grubenrettungswesens und weiteren Stellen seit den 1950er Jahren ein im internationalen Vergleich ambitioniertes System der Gefahrenprävention etabliert, das nicht nur im Explosionsschutz sehr erfolgreich gewirkt hat“, stellte Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des Montanhistorischen Dokumentationszentrums am Deutschen Bergbaumuseum Bochum fest.

Ganz gebannt war die Gefahr aber auch in den letzten Jahrzehnten des Ruhrbergbaus nicht. Am 22. März 1979 ereignete sich auf der Zeche Hansa in Huckarde, wo es 1940 bereits ein Unglück mit 52 Toten und 1944 mit 95 Toten gegeben hatte, in 870 Metern Tiefe eine Schlagwetterexplosion, bei der sieben Bergleute starben. Es war das letzte Grubenunglück in Dortmund.

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