Der Kampf mit dem Spannbettlaken

dzUnter uns Dortmundern

Bettenbeziehen sollte olympische Sportart werden, jedenfalls wenn man Spannbettlaken verwendet. Man oder besser Frau kann da enden wie ein zappelnder Fisch im Schleppnetz.

Dortmund

, 16.08.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Warum siehst du so derangiert aus“, fragt der Mann am Frühstückstisch, als ich mich erschöpft auf den Stuhl plumpsen lasse. „Ich habe gerade die Betten neu bezogen“, sag‘ ich. „Du machst aber eher den Eindruck, als hättest du dich in einem Schleppnetz verheddert.“

„So ähnlich ist das auch, wenn ich deine alten BVB-Spannbettlaken über die neuen Matratzen ziehe“, sag‘ ich, „wie man es dreht und wendet – die eingelaufenen Laken mit dem Signal-Iduna-Park passen einfach nicht. Spannbettlaken aufzuziehen, sollte ohnehin olympische Sportart werden. Vierkampf: Gewichtheben, Freistil-Ringen, Tauziehen und Sportgymnastik.“ – „Um eine neue olympische Disziplin einzuführen, müssen mindestens 75 Länder und vier Kontinente diese Sportart ausüben“, sagt der Mann, der mir immer die Welt erklärt.

„Ich glaube, das wäre kein Problem. Spannbettlaken gehören inzwischen zu den globalen Errungenschaften der Menschheit“, sag‘ ich, „sie haben schließlich das Bettenmachen in der ganzen Welt revolutioniert. Aber wahrscheinlich würde Spannbettlaken aufziehen ohnehin ein reiner Frauenkampfsport.“

Mein Gegenüber rollt die Augen: „Du hast Probleme.“ – „Ich schenk sie dir“, sag‘ ich, „das nächste Mal übernimmst du das Bettenbeziehen. Allerdings bekomme ich dann Albträume vor Angst, dass alle Ecken vom Spannbettlaken im Schlaf gleichzeitig losflitschen und ich wirklich wie im Schleppnetz gefangen bin. Und du als schwarz-gelber Laken-Laokoon aus dem Bett fällst.“

„Ich würde die Ecken festtackern“, schlägt mein Haushaltsoptimierer vor. Spannbettlaken halte er ohnehin nicht für eine sehr gelungene Erfindung. „Allein, wie du die immer in den Schrank quetschst. Richtig unansehnlich ist das.“ – „Hässlicher können die BVB-Laken davon auch nicht werden“, sag’ ich, „ich kriege sie aber auch nicht anders zusammen. Ob knüllen, rollen oder wie Haushalts-Profis empfehlen, vor dem Falten die Ecken ineinanderstecken – es endet immer im Stoff-Chaos.“

Spannbettlaken dürfe man sich nicht mit dem Verstand nähern. Das habe gar keinen Sinn, doziert mein Hausmann. Das sei wie bei Stadtplänen und Packungsbeilagen. Die bekomme man auch nicht mehr zusammen, wenn sie einmal benutzt seien. Mit den Spannbettlaken sei es nun mal wie es ist, und ich solle mich mal ruhig weiter bei der Hausarbeit sportlich betätigen, rät mein Gegenüber: „Das erspart dir auch das Fitnessstudio.“

PS: Ich glaube, die einzige Lösung beim Kampf mit dem zu kleinen Stück Stoff ist, größere Spannbettlaken zu kaufen. Doch gefaltet sind sie davon noch nicht. Diese Lösung ist uns der Spannbettlaken-Erfinder bisher schuldig geblieben.

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