Ralf Bolle verlor in diesem Jahr seine Frau. © Bestattungen Bommert
Mein Corona-Jahr

Der Hinterbliebene: „Die Menschlichkeit der Beerdigung wurde uns genommen“

Kein Leichenschmaus und keine Gemeinschaft: Wer im Corona-Jahr einen Menschen zu Grabe tragen musste, hatte es besonders schwer. Ralf Bolle verlor seine Frau und erzählt von seinem Corona-Jahr.

Mit Beerdigungen kennt sich Ralf Bolle aus – schließlich arbeitet er beim Bestattungsunternehmen Bommert. In diesem Jahr musste er jedoch seine Frau selbst zu Grabe tragen.

Was war das schlimmste in diesem Jahr?

In dem zurückliegenden Corona-Jahr musste ich den schmerzlichen Verlust meiner Frau erfahren. Sie ist weder an Corona noch mit Corona verstorben. Politisch und medial ist ihr Tod von daher bedeutungslos, da er nicht in einer weiteren Zahl einer neuen Statistik aufgeführt werden kann. Doch für mich selbst ist es natürlich eine der schmerzlichsten Erfahrungen, die man als Mensch machen kann. Eine Erfahrung, die mich mit allen anderen verbindet, die in diesem Jahr und unter diesen Umständen einen Menschen verloren haben, den sie geliebt haben. Unabhängig davon, woran sie gestorben sind. Der Verlust ist an sich schon schlimm genug. Doch in diesem Jahr begleitet mich wie so viele andere, die Verzweiflung und Trauer darüber, den geliebten Menschen auf diesem Weg nicht ausreichend begleitet haben zu können. Diese Menschlichkeit wurde uns genommen, sofern man nicht das Privileg hatte, sich zu Hause um den Erkrankten kümmern zu können. Der Schmerz darüber bleibt. So wie der Verlust. Ein Corona-Kollateral-Schaden.

War das beste in diesem Jahr?

Doch was bleibt, wenn alles fehlt? Es bleibt die Freude über ein neugeborenes Enkelkind. Es bleibt die gefühlte Wärme, die eine liebevolle Familie auch in kalten Tagen hervorzaubert. Es bleibt die Zuversicht, die uns Menschen ausmacht. Auch die Zuversicht in ein neues Jahr.

Über den Autor
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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad
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