Dortmunds bekanntester Architekt Eckhard Gerber: „Wir bauen für Menschen“

dzInterview zum 80. Geburtstag

Dortmunds bekanntester Architekt Prof. Eckhard Gerber feiert an diesem Samstag seinen 80. Geburtstag. Im Interview spricht er über Freude am Beruf und den Stand der Baukultur in der Stadt.

Dortmund

, 13.10.2018, 04:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Büro Gerber Architekten ist nicht nur Dortmunds größtes, sondern auch das international renommierteste Architekturbüro der Stadt. Gründer und Inhaber Prof. Eckhard Gerber feiert am Samstag seinen 80. Geburtstag. Oliver Volmerich sprach mit ihm.

Sie werden 80 Jahre alt. Blickt man da als Architekt schon auf sein Lebenswerk zurück oder sagen Sie sich, da kann ja noch was kommen?

In jeden Fall das Zweite. Da kommt noch Einiges. Ich habe noch viel vor.

Sie könnten aber ja schon seit längerer Zeit den Ruhestand genießen, statt zu arbeiten.

Es ist für mich aber keine Arbeit. Es ist für mich eine Tätigkeit, die ich gerne mache, die mich fasziniert. Wir haben sehr spannende Aufgaben und sind als Gerber Architekten mit 170 Mitarbeitern ein großartiges Team. Dieses Arbeiten mit Menschen, für Menschen, ist ein Geschenk. Warum sollte man da aufhören.

Architektur lässt Einen also nicht los?

Nein. Es ist ein künstlerischer Beruf, auch wenn er mit sehr vielen anderen Aspekten verknüpft ist und an viele Dinge gebunden ist. Es geht um Gebrauchskunst. Die muss natürlich auch konstruktiv und technisch allen Anforderungen genügen und ausgefeilt sein.

In der Tat fällt an Ihren Gebäuden auf, dass Ihnen immer eine städtebauliche Einbindung sehr wichtig ist – etwa beim Gebäude der Dortmunder Volksbank, den Berufskollegs am U, dem Harenberghaus oder der Agentur für Arbeit.

Das ist für uns ein wichtiger Aspekt. Die Gebäude bilden mit ihren Eingangsbereichen selbst immer eine eigene kleine Stadtraum-Situation. Am Ende muss Architektur ein guter Beitrag sein für die Stadt und für die Öffentlichkeit. Wir alle am Bau und in der Planung Beteiligte haben diese besondere Verpflichtung. Wir bauen für Menschen.

Dortmunds bekanntester Architekt Eckhard Gerber: „Wir bauen für Menschen“

Mit seinen Bauten hat Eckhard Gerber gleich mehrere Wahrzeichen für Dortmund geschaffen. Dazu gehören der Umbau des U-Turms und das Harenberg-Haus. © Menne

Bei einem Musiker, der 80 Jahre alt wird, könnte man jetzt die größten Hits auflisten. Wenn wir das mal auf die Architektur übertragen: Was sind Ihre wichtigsten Bauten und Projekte? Oder was würden Sie als besondere Meilensteine bezeichnen?

In jedem Fall die Nationalbibliothek des Königreichs Saudi Arabien in Riad. Sie ist ein kultureller Meilenstein und hat deshalb einen ganz hohen Stellenwert. Aber auch die Universitäts- und Staatsbibliothek in Göttingen. Wir haben ja nur die Einladung zum Wettbewerb in Riad bekommen, weil wir die Bibliothek in Göttingen gebaut haben. Dann das MDR-Landesfunkhaus in Magdeburg und der Umbau für das Verkehrsministerium in Berlin, die Neue Messe in Karlsruhe, aber natürlich auch das Harenberg-Haus und als Komposition dazu der RWE-Tower und der U-Turm. Er erreicht nun auch national und international Aufmerksamkeit. Der neue Intendant Edwin Jacobs ist übrigens ein sehr, sehr großer Gewinn für das U. Er wird das Haus zu dem machen können, was das Haus auch leisten kann und soll: inhaltlich ein Zentrum sein für Kunst und Kreativität, für Dortmund, die ganze Region, aber auch international.

Was hätten Sie gern gebaut, für das sie keinen Zuschlag bekommen haben?

Zum Beispiel das Haus der Geschichte in Bonn. Diesen Wettbewerb haben wir damals gewonnen bei rund 160 Einsendungen, haben aber leider den Auftrag nicht erhalten. Praktisch schon den Auftrag perfekt hatten wir für das Stadion in Mönchengladbach, aber das ist damals durch den Abstieg von Gladbach in die 2. Liga in andere Fahrwasser geraten. Auch die Arena in München hätten wir gern gebaut. Wir waren mit der Firma Walter-Bau unter den acht internationalen Konsortien, die zum Wettbewerb eingeladen waren und hatten einen sehr spannenden Entwurf abgegeben: mit temporärem Dach und Lichtlenkfolien, um den Rasen ausreichend mit Sonnenlicht zu versorgen.

Schauen wir in die Zukunft. Eines der Quartiere, für die Ihr Büro viele Ideen entwickelt hat, ist der Dortmunder Hafen. Welche Chancen sehen Sie in einer Entwicklung etwa im Bereich Speicherstraße?

Sehr gute Chancen. Das Quartier ist ja über viele Jahre, naja, man kann noch nicht einmal sagen, vernachlässigt worden. Es war eben einfach noch nicht dran. Die Münsteraner und Düsseldorfer waren da weiter. Dort gibt es sehr positive Beispiele für Hafenentwicklungen. Ich glaube aber, dass Dortmund eine ähnliche Entwicklung nehmen kann.

Wie sehen Sie generell den Stand der Baukultur in Dortmund? Das Stadtbild der Nachkriegszeit ist ja stark durch die 50er-Jahre geprägt.

Die 50er Jahre hatten zwei Richtungen. Es gab zum einen das Vorbild Bauhaus und Mies van der Rohe, und zum anderen die typische 50er Jahre-Architektur wie zum Beispiel das Schauspielhaus in Bochum oder das Gesundheitshaus in Dortmund von Will Schwarz. Die 50er Jahre hatten anfangs in der öffentlichen Wahrnehmung aber keinen hohen Stellenwert. Nach 50 Jahren ist das nun ganz anders. Man muss bei der verhältnismäßig kurzzeitigen Bewertung von Architektur immer sehr vorsichtig sein. Man sollte Architektur älter werden lassen, um sich, mit genügend Abstand, ein abgewogenes Bild von der Qualität der Architektur machen zu können.

Welche Rolle spielt für die aktuelle Architektur und Baukultur der Gestaltungsbeirat der Stadt?

Ich war ja selbst in einigen Gestaltungsbeiräten tätig und weiß aus dieser Erfahrung, dass der Dortmunder Gestaltungsbeirat gegenüber anderen vergleichbaren Gremien einen sehr großen und sehr positiven Einfluss hat auf das, was in der Stadt gebaut wird. Die Politik hört auf die Emp-fehlungen des Beirats. Die Politik, die Verwaltung, aber auch die privaten Bauherren nehmen die Empfehlungen des Beirats ernst und setzen sie in der Regel auch um.
Und es haben sich in den letzten zehn Jahren auch dank der Hochschulen einige jüngere Architekten hier angesiedelt, die unser Stadtbild im positiven Sinne mit weiterentwickelt haben. Das tut der Stadt schon gut. Das Niveau der Gestaltqualität unserer Stadt hat sich damit erfreulicherweise wesentlich gesteigert.

Allein 19 Bauten und Projekte umfasst das Werk des Büros Gerber Architekten in Dortmund. Die bekanntesten sind das Arbeitsamt an der Steinstraße, das Justizzentrum an der Schwanenstraße, das Harenberg-Haus, der RWE-Turm, die Dortmunder Volksbank, der Umbau des U-Turms und die Berufskollegs am U-Turm, die jüngst mit dem Schulbaupreis NRW ausgezeichnet wurden. Dazu kommen die Stadtbahnstationen Stadtgarten und Brügmannplatz, die Sanierung der Villa Tönnishof und das Architektur-Atelier Tönnishof als Sitz des Büros von Gerber Architekten, das Heinz-Bach-Haus der Continentale, das Altenheim Am Zinsweg, die Sparkasse Münsterstraße, das Foyer der Wilo SE, die Sanierung des ehemaligen Postscheckamtes am Wall, die Verwaltung der Handwerkskammer und Umbau/Erweiterung von zwei Wohnhäusern an der Kolmarer Straße und in Kirchhörde.
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