„Den Boden unter den Füßen weggezogen“: Dortmunds Clubs kämpfen um ihre Zukunft

dzCoronavirus

Gleich mehrere Wirtschaftszweige stehen wegen des Coronavirus komplett still. Konzert- und Partyveranstalter stehen vor einer besonders unklaren Zukunft. Spenden sollen jetzt helfen.

Dortmund

, 27.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von einer Woche auf die andere waren Dortmunds Konzert- und Partylocations geschlossen. Das Coronavirus hat sämtliche Feste und Veranstaltungen, bei denen sich Menschen einigermaßen nahe kommen, zunichte gemacht. Für viele Firmen in Dortmund ist das der größte anzunehmende Unfall.

Das Team der Großmarktschänke schrieb etwa via Facebook: „Die Ereignisse der letzten Tage treffen uns ins Mark.“ Das gesamte Team des Clubs stehe ohne Einkommen da, das habe den Mitarbeitern „schlicht den Boden bzw. die Lebensgrundlage unter den Füßen weggezogen.“

Wie an sämtlichen anderen Party- und Konzertorten der Stadt gibt es auch im Junkyard an der Bornstraße aktuell keinerlei Betrieb. „Bei der Bank gibt‘s noch viele Unklarheiten, und beim Kurzarbeitergeld muss man erst zu 100 Prozent in Vorleistung treten“, heißt es vom Team. Von einer Versicherung habe man gehört, es sei nicht möglich, Zahlungen später zu leisten. Die Fragezeichen sind groß.

Was die Branche besonders hart trifft: Konzerte werden teilweise über ein Jahr im Voraus geplant, bei einigen ist schon bei Vertragsunterschrift ein Teil der Gage an den Künstler zu zahlen. Solche Auftritte brauchen einiges an Vorlaufzeit, doch die Veranstalter wissen überhaupt nicht, wann sie wieder öffnen dürfen.

300 Angestellte bei den Westfalenhallen

Die Westfalenhallen-Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 300 Personen. Wirklich festlegen, wie schwer die aktuelle Krise die größte Konzerthalle der Stadt trifft, möchte man sich dort nicht, aber: „Wenn gar keine Veranstaltung stattfindet, wirkt sich dies ganz klar negativ auf das Ergebnis aus“, so Marketing-Chef Li Listmann.

Eines der bislang letzten große Konzerte in Dortmund war der Auftritt von KIZ am Weltfrauentag in der Westfalenhalle.

Eines der bislang letzten große Konzerte in Dortmund war der Auftritt von KIZ am Weltfrauentag in der Westfalenhalle. © Sarah Rauch

Einige Mitarbeiter seien weiterhin im Dienst, etwa um technische Anlagen zu betreuen, andere könnten gerade Überstunden abbauen. „Wir stellen uns breit auf, was die Reaktion auf die Auswirkungen des Coronavirus betrifft“, so Listmann.

Selbst wenn bald wieder Konzerte in der Westfalenhalle stattfinden könnten - was sich aktuell nur größte Optimisten vorstellen - wäre es eine enorme Aufgabe, so kurzfristig Künstler zu buchen und Eintrittskarten zu verkaufen. „Je nach Veranstaltung fallen diese Dinge mehr oder weniger umfangreich aus“, sagt Li Listmann: „Jedoch erscheinen drei Wochen recht kurz für gewisse Veranstaltungsformate.“

„März und April sind die stärksten Tour-Monate“

Etwa die Hälfte der für die nahe Zukunft geplanten Konzerte hat das Junkyard-Team komplett absagen müssen. Bei vielen anderen Events sei man noch in Gesprächen mit den gebuchten Künstlern, die selbst enge Zeitpläne haben. „März und April sind für uns die stärksten Tour-Monate“, sagen die Verantwortlichen. Über den Sommer sind die Musiker dann (normalerweise) eher auf Festivals unterwegs.

„Wir haben acht sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter und etwa 35 regelmäßige Aushilfen“, heißt es vom Junkyard-Team: „Die sind auch neben ihrem Studium auf das Geld angewiesen.“

An der Bornstraße gibt es noch den Vorteil, dass das Team die Miete fürs Gelände „an ein uns zugetanes Umfeld“ zahlt, wie die Verantwortlichen sagen. Doch wie es weitergeht, ist ausgesprochen unklar: „Das ganze Team hängt in den Seilen.“

Sowohl das Junkyard als auch die Großmarktschänke wenden sich über ihre Internetauftritte mit Spendenaufrufen an ihre Fans. „Wir sind über jede Spende dankbar und werden versuchen, das Aus der Großmarktschänke dadurch abzuwenden und unsere laufenden Kosten zu decken sowie Arbeitsplätze und Minijobs zu erhalten“, ist zu lesen: „Noch ist alles ungewiss, aber wir müssen handeln - und zwar jetzt.“


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