Das Wirtshaus Krämer lockt mit Sauerbraten und Biereis ins Wannebachtal

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Für viele Dortmunder wird es immer „Krämer in der Wanne“ bleiben, auch wenn das Wirtshaus Krämer schon lange nicht mehr so heißt. Eine Spezialität aber hat sich über Jahrzehnte gehalten.

Dortmund

, 24.10.2018, 05:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Erinnerungen an die Kindheit kommen auf, an glückliche Zeiten, als „Krämer in der Wanne“ und „Haus Götter“ noch die perfekten Ziele für sonntägliche Familienausflüge im grünen Dortmunder Süden boten. In den 70er-Jahren lockte das Lokal dann mit Erdbeer- und Holunderwein Scharen junger Menschen auf die urige Steinterrasse.

Die legendären Fruchtweine gibt es bis heute, auch von dem alten Gebäude ist vieles erhalten. Der Pfau auf der Giebelseite und die goldene Schrift aber sind verschwunden. Das Traditionshaus musste einiges mitmachen: Schließungen, Zwangsversteigerung, Pächterwechsel, mehrere Jahre Leerstand. Aus „Krämer in der Wanne“ wurde schließlich „Wirtshaus Krämer“.

Das Wirtshaus ist auch ein Café

Seit Christian Schulte und Frank Feldkamp das Haus 2015 übernommen haben, knüpft es vor allem in der warmen Jahreszeit wieder an bessere Zeiten an. Dann ist die gemütliche Terrasse vor dem Haus schon zur Kaffeezeit gut gefüllt. Wanderer, Motorradfahrer und Ausflügler lieben das Lokal und den selbstgebackenen Kuchen. Die Autobahnbrücke, die gleich um die Ecke am Limbecker Postweg die Idylle durchbricht, stört die wenigsten.

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Restaurant-Check Wirtshaus Krämer

So sieht es aus im Wirtshaus Krämer.
21.10.2018
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Gemütlich ist es im Wirtshaus Krämer - ehemals in der Wanne.© Dieter Menne
Das Haus ist stolz auf seine lange Tradition.© Dieter Menne
Die Terrasse ist bei Ausflüglern beliebt.© Dieter Menne
Auch außen ist Krämer etwas Besonderes. © Dieter Menne
Gemütlich aber nicht spießig. © Dieter Menne
Uriges im modernen Gewand. © Dieter Menne
Manchmal auch witzig.© Dieter Menne
Altes trifft auf Modernes. © Dieter Menne
Verschiedene Tisch- und Stuhlformationen stehen zur Auswahl. © Dieter Menne
Großzügig ist es im Innern.© Dieter Menne
Krämer bietet auch Platz für Gesellschaften verschiedener Größen.© Dieter Menne
Die alten Mauern und das Gebälk sind zum Teil erhalten. © Dieter Menne
Einladend wirkt die Kombination aus Holz, Stein und gemütlichen Sesseln.© Dieter Menne
Decken und Böden sind zum Teil original.© Dieter Menne
Inhaber Christian Schulte ist jeden Tag im Laden.© Dieter Menne

Das Haus hat sich auch einen guten Namen gemacht für Hochzeits- und Geburtstagsfeiern. Bei kleineren Gesellschaften kann der Gastraum unterteilt werden, nicht selten ist aber das gesamte Restaurant belegt. Deshalb empfiehlt sich immer eine Reservierung, am Wochenende sowieso.

Ambiente

Wochentags geht es entspannt zu. Eine angenehmer Kontrast zu Lautstärke und Hektik mancher moderner Bistro-Ketten und Burgerbuden der berühmten System-Gastronomie. Das Innere des historischen Gebäudes ist auf jeden Fall einzigartig.

360-Grad-Foto: Schauen Sie sich im Wirtshaus Krämer um

Offengelegtes altes Mauerwerk, Holzbalken und Dielenboden treffen dort auf moderne Elemente wie Hochtische und einen U-förmigen Tresen im vorderen Bereich. Verschieden große Holztische in rund und eckig, Sesselchen und Bistro-Stühle wirken einladend. Eine Prise Rustikales sollte man allerdings mögen.

Service

Wir werden nett und schnell bedient, wobei es an diesem Abend mitten in der Woche nicht besonders voll ist. Die jungen Bedienungen sind offensichtlich keine ausgebildeten Fachkräfte, aber sie machen ihre Sache gut.

Küche

Die Gerichte passen zum Ambiente: bodenständige, bürgerliche Küche mit modernen Einflüssen. Neben dem klassischen Wirtshaus-Schnitzel an Champignoncreme, Backhendl und Pfeffer-Steak findet sich dort auch „Himmel und Äd“, eine lokale Spezialität aus Kartoffeln, Apfelmus und Blutwurst. Aber auch einen Burger hat das Krämer auf der Karte. Der Renner sei allerdings der Sauerbraten, sagt Christian Schulte, „sogar im Sommer“.

Vegetarier können auf Salat, verschiedene Vorspeisen oder Spinat-Ricotta-Tarte mit Salatbeilage zurückgreifen.

Das Wirtshaus Krämer lockt mit Sauerbraten und Biereis ins Wannebachtal

Kürbis-Cremesüppchen mit Garnelenspieß. © Susanne Riese

Uns gefällt die Saison-Karte. Wir wählen Cremesüppchen vom Hokkaido-Kürbis mit Kürbiskernöl und gebratenem Garnelenspieß als Vorspeise, danach Wirtshaus-Ente mit Apfelrotkohl und Kartoffelklößen als Hauptgericht. Ab Ende Oktober wird die Herbst-Karte getauscht, „Gans Wild“ heißt es dann. Von der Hauptkarte bestellen wir „Ziegenfrischkäsetaler auf Couscous-Salat, Datteln, Sesamchip, Frisee und Granatapfelvinaigrette“ und den „Großen Salat vom Wochenmarkt mit gebratenen Streifen vom Maishähnchen“.

Das Wirtshaus Krämer lockt mit Sauerbraten und Biereis ins Wannebachtal

Ziegenfrischkäsetaler mit Datteln und Couscous. © Susanne Riese

Brot und Aufstrich sind nicht weiter erwähnenswert, wir freuen uns über die verlockend aussehenden Vorspeisen. Das Kürbissüppchen begeistert mein Gegenüber, er findet die Kombi mit den Garnelen sehr gelungen. Die Ziegenfrischkäsetaler mit einer feinen karamellisierten Oberfläche und Sesamchip, drapiert auf einer länglichen Platte, sind auch sehr gelungen. Auf den Couscous hätte ich verzichten können, das Granatapfel-Dressing zum Friseesalat aber ist super und macht zusammen mit den Datteln aus den nichtssagenden Kräuselblättern ein echtes Highlight.

Das Wirtshaus Krämer lockt mit Sauerbraten und Biereis ins Wannebachtal

Bunter Marktsalat mit Maishähnchen. © Susanne Riese

Für mich geht es mit Grünzeug weiter, so mag ich es. Der Marktsalat hat viel Frisches zu bieten, ist üppig mit frisch gebratener Poularde und mit Croutons angereichert. Auch hier finde ich die Vinaigrette sehr gelungen, der Koch ist offenbar ein Dressing-Künstler.

Die Ente haben wir vielleicht auf dem falschen Bein erwischt, sie machte einen etwas schlappen Eindruck, mit zwar gut gebräunter aber labberiger Haut. Der Apfelrotkohl schmeckte etwas zerkocht und weder nach Rotkohl noch nach Apfel. Dafür war die Sauce sehr gut, was ja bekanntlich die größte Kunst ist.

Weil wir uns so wohl gefühlt haben bei Krämer, und weil wir glauben, dass der Laden für den Chef wirklich eine Herzensangelegenheit ist, tue ich mich schwer damit, die Saison-Ente so schlecht zu machen. Aber hier ist eben eine ehrliche Meinung gefragt. Nach Rücksprache mit anderen Gästen aber habe ich den Eindruck gewonnen, dass es bei Wirtshaus-Schnitzel oder dem legendären Sauerbraten nichts zu meckern gegeben hätte.

Vielleicht hätte uns auch ein Dessert restlos überzeugt, aber das haben wir nicht mehr geschafft. Die Portionen sind nämlich ordentlich im Wirtshaus. Die „Crème brulée vom Ziegenfrischkäse mit zart schmelzendem Hövelsbier-Eis und Aprikosen“ muss aber etwas ganz Besonderes sein. Wir probieren das beim nächsten Mal, das es ganz sicher geben wird.

Preise

Suppen kosten 5,50 bis 7 Euro, andere Vorspeisen 7,50 Euro bis 11 Euro für den Ziegenfrischkäseteller, Hauptgerichte gibt es zum Preis von 13,50 Euro für das panierte Schnitzel vom Landschwein mit Bratkartoffeln und Salat bis 23 Euro für das Pfeffer-Steak mit Kartoffelgratin und Gemüse-Potpourri. Die Wirthaus-Ente kostet 20,50 Euro, der Marktsalat mit Fleisch 13,50 Euro. Die Dessert-Sensation mit Biereis gibt es für 6,90 Euro. Wir finden die Preise fair.

Kinderfreundlichkeit

Hähnchennugget oder ein kleines Schweine-Schnitzel mit Pommes und Salat stehen zur Auswahl; nicht originell, aber bei den Kleinen beliebt. Zumal es außerdem Eis mit Smarties gibt.

Barrierefreiheit

Für Rollstuhl- und Rollatorfahrer ist das Haus Krämer problematisch. Die großen Stufen zum Eingang lassen sich mit Hilfe noch überwinden, zur Toilette allerdings führt eine schmale, gewundene Treppe in den Keller. Hier fordert das alte Gebäude seinen Tribut.

Anbindung und Parken

Auf zwei Seiten steht reichlich Parkfläche zur Verfügung. Die Buslinie 432 ab Hörde Bahnhof hält an der Wannestraße.

Restaurant-Infos

Wirtshaus Krämer, Wannestraße 251, 44265 Dortmund, Tel. 02304 - 9 82 88 07, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 16.30 Uhr (im Sommer ab 14.30 Uhr) bis 22 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag 9.30 bis 23 Uhr. Montags geschlossen.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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