Das Taormina: Der falsche Sizilianer im Kreuzviertel

dzRestaurant-Check

Seit fast 50 Jahren wird im Taormina Pizza und Pasta serviert. Mit dem sizilianischen Namensgeber hat der Betreiber zwar nichts zu tun. Dafür aber viel mit guter italienischer Küche.

Kreuzviertel

, 22.08.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Taormina hat sie alle kommen und gehen sehen: Seit 1970 gibt es das italienische Restaurant am Neuen Graben bereits. Damit ist es eines der dienstältesten Restaurants des Kreuzviertels, in dem die Gastro-Szene sonst eigentlich immer im Wandel ist.

Doch trotz des Namens erwartet einen im Taormina keine spezielle sizilianische Küche. Chef Giuliano Micolucci stammt nämlich aus San Remo in Norditalien. Als er den Laden 1984 übernahm, behielt er einfach den Namen. Stand ja schon drüber.

360-Grad-Bild: Sehen Sie sich im Taormina um!

Das Essen im Taormina:

Das Taormina ist ein typischer Italiener – entsprechend dominieren Pizza und Pasta die Speisekarte (hier geht es zur kompletten Karte). Etwas ungewöhnlich ist die große Auswahl an Pizze Bianche, also Pizzen, die ohne Tomatensoße auskommen. Dazu gibt es noch mehrere Fleisch- und Fisch-Gerichte wie etwa „Scaloppine al marsala e pinoli“ (Kalbsmedallions in Marsalasoße mit Pinienkernen und getrockneten Tomaten, 17,60 Euro) oder „Orata alle verdure“ (eine filetierte Dorade auf Gemüse mit Knoblauch). Dazu gibt es wechselnde Saisonkarten.

Bei unserem Besuch gibt es aber erstmal Antipasti. Die Wahl meiner Begleitung fällt auf einen Klassiker: Bruschetta. Für 3,90 Euro gibt es drei dicke Scheiben geröstetes Landbrot garniert mit Olivenöl, Tomaten und Knoblauch. Andere Restaurants machen häufig den Fehler, nach der Devise „Viel hilft viel“ die Brote mit Tomatenstück-Bergen zu überfrachten, so dass mir beim Essen mindestens die Hälfte des Belags runterfällt. Das Taormina ist da eine schöne Ausnahme. Die Zutaten sind perfekt aufeinander abgestimmt, es ist ein Genuss.

Ich nehme etwas Extravagantes: „Lumache alla panna“, gebackene Schnecken in Sahnesoße und Knoblauch für 7,20 Euro. Muss man mögen, ich weiß. Ich persönlich mag die halbfeste Konsistenz des Schnecken-Fleisches, die der von eingelegten Pilzen ähnelt. Und die Sahnesoße ist - ich kann es nicht anders sagen - der Hammer, unfassbar würzig. Nachdem das gute halbe Dutzend Schnecken verzehrt ist, tunke ich die Soße mit Brot bis zum letzten Tropfen auf.

Das Taormina: Der falsche Sizilianer im Kreuzviertel

Meine „Tagliolini alla trasteverina“, hausgemachte Spaghetti mit Auberginen, wirklich schmackhaften Schweinefiletspitzen, Rucola und Schafskäse. Von oben sieht die Portion klein aus, doch ist der Teller in der Mitte sehr tief, eigentlich eine Schüssel. © Thomas Thiel

Beim Hauptgang entscheide ich mich für die „Tagliolini alla trasteverina“ (11,90 Euro). Der Name erinnert an einen schönen Abend im Römer Ausgehviertel Trastevere, mit Musik an allen Ecken, kaltem Wein und Wärme bis in die Nacht hinein. Hinter dem klangvollen Namen verbergen sich hausgemachte Spaghetti mit Auberginen, wirklich schmackhafte Schweinefiletspitzen, Rucola und Schafskäse.

Die Nudeln sind al dente, die Zutaten frisch - ein leichtes Sommeressen ohne schwere Soße, aber auch ohne Wow-Effekt. Gute, aber auch keine besonderen Pasta, dazu ist alles ein wenig wässerig. Da habe ich schon bessere Nudeln gegessen. Andererseits: Für den Preis kann man echt nichts sagen.

Das Taormina: Der falsche Sizilianer im Kreuzviertel

Die Pizza Bianca „Romagnola“ mit Käse, Parmaschinken, Parmesan und Rucola kommt ohne Tomatensoße aus. Das macht sie leichter, aber auch etwas trockener. © Michael Schnitzler

Meine Begleitung ist neugierig auf eine Pizza Bianca und bestellt eine „Romagnola“ (9,90 Euro) mit Käse, Parmaschinken, Parmesan und Rucola. Der Teig ist fluffig, knusprig und dünn. Durch die fehlende Tomatensoße liegt die Pizza nicht so schwer im Magen, ist dafür aber auch trockener, besonders gegen Ende, als sie abkühlt. Im Großen und Ganzen eine gute Alternative zur klassischen Pizza, findet meine Begleitung.

Bei einem früheren Besuch hatte ich „Maltagliata di manzo“, ein dünn aufgeschnittenes Rumpsteak, das in Olivenöl angebraten und auf Rucolasalat mit Cherry-Tomaten und gehobeltem Parmesan serviert wird (17,80 Euro). Das war wirklich exzellent.

Die Preise:

Für die Lage im Herzen des Kreuzviertels (siehe unten: Atmosphäre) sind die Preise niedrig: Die Pizzen kosten zwischen 5 Euro und 9,90 Euro, die Pasta-Gerichte zwischen 7,90 Euro und 12,90 Euro. Fisch- und Fleisch-Gerichte kosten naturgemäß etwas mehr, zwischen 11,20 Euro und 21,90 Euro. Die Vorspeisen liegen zwischen 3,20 Euro und 12,80 Euro.

Wir haben für unsere zwei Gänge inklusive Getränke insgesamt 48,90 Euro gezahlt.

Der Service im Taormina:

Ist schwer zu bewerten, da bei unserem Besuch wegen Krankheit und Urlaub keiner der normalen Kellner da ist, wie wir später erfahren. Zum Glück springt in diesen Situationen der Chef ein. Giuliano Micolucci stromert dann mit all der Ruhe und Erfahrung aus seinen 34 Jahren Gastronomie zwischen den Tischen umher und bedient seine Gäste. Er ist kein Mann vieler Worte, manchmal wirkt er wie ein knurriger ligurischer Kutter-Kapitän. Doch dann lockern sich seine Züge plötzlich und er haut einen Witz raus.

Mir ist diese Unaufgeregtheit sehr sympathisch. Es hat etwas Familiäres, als Micolucci über meinen Kopf hinweg - wir sitzen draußen unter der Durchreiche zum Pizza-Ofen - unsere Pizza vom Koch in Empfang nimmt.


Die Atmosphäre:

Bei unserem Besuch herrschen sommerliche Temperaturen wie im echten Taormina auf Sizilien. Wir haben Glück und ergattern den letzten Zweiertisch vor dem Restaurant. Eine Seltenheit: Denn die Außenplätze des Taormina sind an Sommerabenden sehr begehrt und oft alle belegt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es im Taormina im Kreuzviertel aus

22.08.2018
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Das Innere des traditionsreichen Italieners ist gemütlich-hölzern.© Dieter Menne
Die Tische vor dem Taormina sind bei schönem Wetter immer schnell weg. Der Italiener liegt an einer der schönsten Kreuzungen des Kreuzviertels.© Dieter Menne
Seit 1970 gibt es das Taormina am Neuen Graben schon.© Dieter Menne
Die Einrichtung kratzt an der Grenze zur Altbackenheit.© Dieter Menne
Ein Blick aus dem zweiten Raum durch ein Fenster in den Hauptraum des Taormina.© Dieter Menne
Durch die abgerundeten, großen Fenster blickt man auf die schönen Gründerzeit-Häuser des Kreuzviertels.© Dieter Menne
Das schlichte Erscheinungsbild des Taormina wird durch ein paar Bilder aufgelockert.© Dieter Menne
Ein Regal voller italienischer Spezialitäten erinnert an Giuliano Micoluccis vorherigen Laden, ein Feinkostengeschäft.© Dieter Menne
Die fertigen Pizzen können durch das Fenster direkt an die draußen sitzenden Gäste verteilt werden.© Dieter Menne
"Ein kleines Italien in Dortmund" - so sieht ein junger Fan das Taormina. Darauf scheint man hier ziemlich stolz zu sein.© Dieter Menne

Das liegt auch an der guten Lage des Restaurants an einer der schönsten Ecken des Kreuzviertels: An der Kreuzung Neuer Graben/Liebigstraße tummeln sich neben dem Taormina noch zwei andere Gastro-Betriebe, das „El Mundo“ und das „Schönes Leben“, was der Ecke ein lebendiges Flair verleiht. So kann man wunderbar Menschen gucken oder einfach nur den Blick über die Fassaden der schönen Gründerzeitbauten rund um die Kreuzung schweifen lassen.

Das Innere des Taormina wird dominiert von dunklem Holz. Die Einrichtung kratzt an der Grenze der Altbackenheit, überschreitet sie aber nicht. Die Tische stehen relativ eng aneinander, an der Wand hängen Schwarz-Weiß-Bilder von italienischen Filmstars und ein altes Werbeplakat. Im Eingangsbereich kann man dem Pizzabäcker bei der Arbeit zusehen.

Kinderfreundlichkeit im Taormina:

Eine eigene Kinderkarte gibt es nicht. Eine halbe Portion der Gerichte kriege man aber immer hin, meint Micolucci, nur bei den Pizzen nicht. Aber die könne man ja teilen oder halb-halb belegen.

Barrierefreiheit:

Das Taormina ist nicht barrierefrei: Um ins Restaurant zu gelangen, muss man eine ziemlich hohe Stufe überwinden. Bei den Toiletten merkt man, dass das Taormina in einem Altbau liegt: Sie sind eng und verwinkelt und nicht geeignet für Rollstuhlfahrer.

Anfahrt/Parkplätze:

Was soll ich sagen? Sie kennen die alte Leier, dass man im Kreuzviertel nie einen Parkplatz findet. Ich persönlich finde ja, dass die Parkplatznot nicht so schlimm ist, wie sie immer beschrieben wird. Ich finde meistens einen Platz, auch wenn ich davor manchmal fünf Minuten um den Block kurve. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt das Parkhaus der Städtischen Kliniken an der Hohen Straße 33. Dann muss man aber auch sieben Minuten laufen.

Am besten nimmt man sowieso die Bahn. Nur wenige Minuten zu Fuß entfernt sind die Haltestellen der U46 (Saarlandstraße) und U42 (Möllerbrücke), die S4 hält ebenfalls an der Möllerbrücke.

Was sagt das Netz zum Taormina?

Bei Tripadvisor belegt das Taormina Platz 203 von 668 Restaurants in Dortmund (Stand 1.8.2018). Der Bewertungsdurchschnitt liegt bei 4 von 5 Punkten. Die Bewertungen sind wechselhaft. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird gelobt, auch das Essen, während aber auch mehrfach die fehlende Freundlichkeit der Bedienung kritisiert wird. „Alles in allem ein durchschnittliches italienisches Restaurant unter vielen anderen“, schreibt ein Nutzer.

Bei Facebook erreicht das Taormina 4,6 von 5 Sternen.


Restaurant-Infos:

Taormina, Neuer Graben 55, 44139 Dortmund, Reservierung: 0231 / 12 65 85, per Mail an ristorante@taormina-dortmund.de. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 12 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr; sonntags 12 bis 23 Uhr (14.30 bis 18 Uhr nur Pizza); montags Ruhetag.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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