Wer vom Heiligen Weg aus die Kaiserstraße Richtung Osten betritt, läuft aufs Soul Food zu. Ein guter Ort, um sich auf das gemütliche Kaiserstraßenviertel einzuswingen.

Dortmund

, 17.10.2018, 13:21 Uhr / Lesedauer: 4 min

Gut, frisch, regional und nachhaltig hergestellt sollen die Zutaten sein, wirbt das Soul Food auf seiner Webseite. Essen für die Seele eben, eine reine Philosophie für ein reines Gewissen. Das wollen wir aber gar nicht überprüfen, da vertrauen wir dem Gesundheitsamt. Wir wollen testen, wie es hier schmeckt, ob wir uns hier wohlfühlen und ob nicht nur die Augen, sondern auch die Seele mitisst.

Mit meiner Frau, unserer Vierjährigen und unseren Seelen auf Empfang gehe ich an einem sonnigen Herbstsamstagmittag aufs Soul Food zu. Die Terrasse ist hell und einladend, und das geht innen so weiter: helles Holz, helle mintfarbene Wände, helles Licht und ein helles Lächeln im Gesicht der Kellnerin.

Zurückhaltend, fein, offen und sanftfarben eingerichtet, hat der Innenraum was von einer großen, gemütlichen Küche. Nur ohne Herd, denn gekocht wird in der richtigen Küche, weiter hinten.

Fast alle Tische sind leer, aber reserviert. Kein Problem, sagt die Kellnerin, die beiden Zweiertische vor den großen Fenstern seien erst für abends reserviert, wir könnten also die nächsten fünf Stunden dort sitzen. Sie schiebt die Tische zusammen: „Bitte, nehmen Sie Platz!“

Wir bestellen ein Wasser (2,40 Euro), zwei Saftschorlen (je 2,50 Euro) und einen Tee mit frischer Minze (2,60 Euro), schauen ein bisschen aus dem Fenster auf die Kaiserstraße, hier kann man wunderbar Leute gucken, und dann in die Karte.

360-Grad-Bild: Schauen Sie sich im Soul Food um!

Das Essen im Soul Food:

Die Liste der warmen Gerichte ist kürzer als gedacht. Wir hatten vorher auf der Webseite von deutlich mehr Speisen gelesen, die auch sehr interessant klangen. Heute gibt es nur einen Teil des Angebots.

Aber auch die angebotenen Hauptgerichte kommen noch ziemlich soulig rüber. Zum Beispiel die Piadina, das sind Weizenteigfladen mit Rote Bete, Honig und Ziegenkäse (6,90 Euro) oder die frittierten indischen Gemüsebällchen auf Rote-Bete-Hummus mit Limetten-Minz-Dressing, das sich so liest, als könne man es auch als esoterischen Raumduft verwenden.

Die Frühstückskarte ist dagegen ziemlich umfangreich (das Soul Food ist samstags ab 9.30 Uhr geöffnet). Sie startet preislich mit der französischen Version (Croissant, Butter, hausgemachte Marmelade, 2,90 Euro). Das „Hungry Soul“ kann man sich zu zweit bestimmt gut teilen (Käseauswahl, Salami, hausgemachter Basilikum-Frischkäse-Aufstrich, Prosciutto, Bio-Butter, Brötchen und Brot, 9,90 Euro), genauso das „Eierschlacht Deluxe“ (Frischkäsecreme, Bio-Rührei, Basilikum-Pesto, Rucola, grüner Spargel und geröstetes Landbrot, 6,90 Euro).

Zu trinken gibt es neben einem umfangreichen Gin- und Cocktail-Angebot unter anderem den „Green Power Smoothie“ aus Spinat, Banane, Datteln und Mandelmilch für 5,90 Euro.

Wir bestellen als Vorspeise Blinis mit Sauerrahm, Schnittlauch und Räucherlachs (6,90 Euro). Zum Hauptgang nimmt meine Frau „Homemade Fries“ mit zwölf Stunden geschmortem Duroc-Schweinefleisch, roten Zwiebeln, Krautsalat und BBQ-Sauce (8,90 Euro).

Ich entscheide mich für den Duroc-Burger, weil ich neugierig bin, wie der sich mit dem Gedanken der „Seelennahrung“ vereinbaren lässt: mit dem gleichen Schweinefleisch, Curry, Mayo, Rotkrautsalat, Cheddar, BBQ-Sauce und Kartoffelschnitzen (13,90 Euro). Dazu teilen wir uns einen kleinen Baby-Leaf-Salat mit Orangen-Senf-Vinaigrette und Rohkost (5,60 Euro).

Unsere Tochter bleibt ihrer Linie treu und bestellt das, was normalen Pommes am nächsten kommt: Homemade Fries mit Ketchup und Mayo.

Alle Gerichte, wirbt das Restaurant, seien frisch zubereitet, ohne Konservierungsstoffe, Industriezucker und Geschmacksverstärker. Also schmeckt‘s wahrscheinlich genauso zurückhaltend wie das Grün der Minztapete, könnte man denken. Hätte man dann aber falsch gedacht.

Das Soul Food braucht keine Geschmacksverstärker - auch nicht im Essen

Der Salat sieht nicht nur gut aus, er ist auch fresh und würzy. Und das Brot ist sehr lecker. © Tilman Abegg

Schon die Blinis schmecken kräftig, der Lachs ist frisch und zart. Der Salat ist ein hübsches Häufchen knackiger Blätter mit Möhren, Radieschen und anderen frischen Gewächsen. Die Vinaigrette ist ein Zusammenklang vieler kräftiger Kräuter. Gut. Wird man wach von.

Das zwölf Stunden lang geschmorte Duroc-Schweinefleisch entpuppt sich als Pulled Pork, sowohl auf den Fries meiner Frau als auch auf meinem Burger. Es ist der Höhepunkt in Sachen geschmacklichem Nachdruck. Wenn man im Winter mal Schnupfen haben sollte - hier kann man essen gehen und trotzdem was schmecken. Ein Bier würde super dazu passen. Aber ist ja erst Mittag.

Das Soul Food braucht keine Geschmacksverstärker - auch nicht im Essen

Die Fries meiner Frau nach dem ersten Kosten: Pommes etwas schlapp, Fleisch richtig lecker. © Tilman Abegg

Meiner Frau gefallen ihre Pommes nicht so gut, die könnten wohl etwas krosser sein, außerdem ist der in der Karte angekündigte Krautsalat nicht mehr als ein paar kleine Stückchen Rotkohl auf dem Fleisch. Das Fleisch selbst schmeckt ihr gut.

Das Soul Food braucht keine Geschmacksverstärker - auch nicht im Essen

Mein Burger. Es war schön mit ihm, auch wenn es nicht lang anhielt. © Tilman Abegg

Zwischen meinem Burger und mir entwickelt sich schnell eine kurze, heftige und etwas einseitige Freundschaft. Ich werde ihn in guter Erinnerung behalten.

Das Soul Food braucht keine Geschmacksverstärker - auch nicht im Essen

Pommes für die Vierjährige. Ergebnis: das schweigende Kauen der Zufriedenheit. © Tilman Abegg

Wir hätten gern noch ein Dessert probiert, zum Beispiel den Kuchen. Aber mehr als zwei Espressi (je 1,90 Euro) können wir nicht mehr einstecken.

Nachtrag: Inzwischen gibt es die „Winterkarte“. Die hat einen Bereich namens „Soulfood Specials“. Die klingt interessant: Da finden wir unter anderem ein Rote-Bete-Risotto mit Skrei-Filet an Kürbisschaum und Chips (18.90 Euro), einen gegrillten Muskatkürbis mit Nüssen, Linsencurry und Babyspinat (13,90 Euro) und das Gewürz-Steak „Black Angus“ mit Pastinaken-Nuss-Pürree und hausgemachtem Rotkohl-Cacao-Wild-Jus für 26,90 Euro, das teuerste Gericht.

Die Preise

Alles in allem haben wir 58,20 Euro bezahlt. Das ist nicht wenig für zweieinhalb Personen, aber in Ordnung, vor allem, weil es so schmeckt, als stimme das mit den regionalen, frischen Zutaten.

Der Service

Hier spätestens kommt die Seele auf ihre Kosten. Ich bin selten so freundlich und schnell bedient worden. Wie immer beim Restaurant-Check haben wir erst nach dem Begleichen der Rechnung erzählt, dass wir das Restaurant für die Ruhr Nachrichten testen. Aber die Bedienung war so freundlich, dass ich mich zwischendurch gefragt habe, ob sie vielleicht etwas ahnt.

Kann aber eigentlich nicht sein. Und zu den anderen Gästen war sie, soweit ich das beobachten konnte, genauso freundlich. Klasse!

Lange warten mussten wir weder aufs Essen noch auf die Rechnung.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es im Soul Food an der Kaiserstraße aus

17.10.2018
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Das Soul Food liegt am westlichen Eingang des Kaiserstraßenviertels.© Dieter Menne
Mittags scheint die Sonne auf die Terrasse. Ein guter Ort um zu sehen und gesehen zu werden.© Dieter Menne
So sieht es aus, wenn man eintritt: rechts die Bar, links die Terrasse, innen helle, gedämpfte Farben.© Dieter Menne
Geht man weiter durch, öffnet sich der Raum nach rechts...© Dieter Menne
... zu einem abgeschiedeneren Bereich. Gut für eine größere Gruppe.© Dieter Menne
Dort gibt es keine großen Fenster, sondern warmes Lampenlicht.© Dieter Menne
Die Ziegeloptik gibt dem Raum etwas Innenhofartiges.© Dieter Menne
Stehtische mit Hockern lockern den Innenraum auf.© Dieter Menne
Die Deko ist, wie die gesamte Einrichtung, zurückhaltend und geschmackvoll. Ein aparter Rahmen für die Gäste.© Dieter Menne
Essen kann man hier gut. In vielen Online-Kommentaren loben Gäste auch die Gin-Auswahl und die Cocktails.© Dieter Menne

Die Atmosphäre

Ruhig und entspannt. Allerdings waren wir mittags da, als es ziemlich leer war. Ideal, um sich zu unterhalten. Falls man alleine kommt: Die angenehm belebte Kaiserstraße vor den Fenstern trägt dazu bei, dass einem nicht so schnell langweilig wird. Hinweis für Pokemon-Go-Spieler: Es gibt drei Pokestops direkt vor dem Lokal, die von den Fensterplätzen und von der Terrasse erreichbar sind.

Kinderfreundlichkeit

Es gibt keine Gerichte extra für Kinder. Aber es war kein Problem, für unsere Vierjährige eine Schale Pommes mit Ketchup und Mayo zu bestellen. Sie hat sich dort wohl gefühlt, mit uns geredet, aus dem Fenster geschaut, an der Blume auf dem Tisch gerochen und zufrieden ihre Pommes gegessen.

Barrierefreiheit

Das Soul Food ist nicht barrierefrei. Ins Lokal gelangt man über eine Stufe, die Toiletten sind im Keller, eine Treppe tiefer.

Anfahrt und Parkplatzsituation

Die nächsten ÖPNV-Haltestellen sind Geschwister-Scholl-Straße (U44) und Lippestraße (U43). Die Parkplatzsuche in der Kaiserstraße und den Nachbarstraßen ist heikel, aber nicht hoffnungslos.

Das sagt das Internet über das Soul Food:

96 Google-Rezensionen ergeben einen Mittelwert von 4,5 von 5 Sternen. Die Rezensenten loben das Ambiente, die okeen Preise, die tolle Gin-Auswahl, das Essen und die Bedienung. Ebenso bei Facebook: 62 überwiegend sehr zufriedene Kunden kommen auf 4,5 von 5 Punkten.

Restaurant-Infos

Soulfood Manufactury by New Islands, Kaiserstrasse 24, 44135 Dortmund.

Telefon: (0231) 5321674, E-Mail: soulfoodmanufactury@newislands.de
Geöffnet Mo-Do 15 bis 23 Uhr, Fr 15 is 0 Uhr, Sa 9.30 bis 0 Uhr.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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