Das Meylant-Viertel ist Wickedes vergessene Ladenzeile

dzStadtentwicklung

Seit Jahren wird über die Entwicklung des Meylant-Viertels in Wickede diskutiert. Wer sich umschaut, sieht an vielen Stellen Still- und Leerstand. Doch es gibt auch Fortschritte.

Wickede

, 19.10.2018, 18:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Siedlung aus den 1960er-Jahren hat viele Probleme. Einige davon ist der Eigentümer, die LEG Immobilien AG, in den vergangenen Jahren angegangen. Hunderte Wohnungen sind saniert worden. Die Ansiedlung des Netto-Marktes 2016 hat die Nahversorgungssituation deutlich verbessert. Doch an anderen Stellen herrscht Stillstand.

Schilder symbolisieren den Verfall

Nirgends ist das so gut sichtbar wie an dem kleinen Platz zwischen Meylantstraße und Rauschenbuschstraße. Einst angelegt als Geschäftszentrum für die rund 2500 Bewohner dieses Viertels am Rande von Wickede, bietet sich kein schönes Bild. Davon, wie lange hier nichts passiert ist, erzählen zwei Schilder. Das eine untersagt im Namen der LEG ausdrücklich den Verzehr von alkoholischen Getränken auf dem Platz und ist völlig verwittert. Das andere wurde einst geschaffen, um das Meylant-Viertel als bunten Treffpunkt, symbolisiert durch springende Kugeln, darzustellen.

Das Schild ist lange nicht geputzt worden, die Farben sind verblasst, unschöne Regenstreifen verschandeln das Bild.

Die Beschreibung dieses äußeren Eindrucks wird den Tapferen nicht gerecht, die hier ausharren. Wer noch da ist: Der Jugendtreff Time out. Ein Pflegebüro im ehemaligen Sparkassengebäude.

Das Meylant-Viertel ist Wickedes vergessene Ladenzeile

Das Schild, das den Zusammenhalt im Meylantviertel symbolisieren soll, ist stark verschmutzt. © Felix Guth

Eine erst kürzlich eröffnet Pizzeria, ein Kiosk. Und der Friseursalon von „Wir für euch“ von Yvonne und Oliver Moranz. „Natürlich wäre es schön, wenn wir mehr Nachbarn hätten“, sagt Yvonne Moranz. Als sie vor zwölf Jahren hier ihr Geschäft eröffnete, war um sie herum noch Leben. Sparkasse, Schlecker, Restaurants und Imbissbuden, dazu das Mieterbüro der LEG – hier hatte das Viertel, was es damals brauchte.

„Es muss einfach Leben ins Meylant-Viertel“

Im Vergleich zu 2006 hat sich viel verändert. Für das Friseur-Ehepaar läuft das Geschäft über Stammkunden und Empfehlungen. Für alle anderen ist es schwer, der Kiosk etwa hat Mühe, Angestellte zu finden. Yvonne und Oliver Moranz sehen aus ihrem Laden immer wieder Interessenten für leer stehende Immobilien. Sie sehen aber auch, wie diese dann immer wieder abwinken.

Brackels Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka begleitet die Diskussionen über das Meylantviertel schon seit mehreren Jahren. „Wir versuchen alle, neue Nutzungen hier hinein zu bekommen.“ So gebe es immer wieder Gespräche mit Vereinen. „Hier gibt es renovierte, barrierefreie Räume mit Toiletten und Küchen, das sind eigentlich sehr gute Bedingungen“, sagt Czierpka. „Es muss einfach Leben ins Viertel“, meint er. Denn ein Abriss des gesamten Komplexes sei keine Alternative.

Keine Rückkehr des LEG-Mieterbüros

Fest steht jedenfalls, dass es keine Rückkehr eines LEG-Mieterbüros mit Mitarbeitern vor Ort zu festen Sprechzeiten geben wird. Zwar hatte sich dafür zuletzt im Mai der städtische Ausschuss für Umwelt. Stadtgestaltung und Wohnen ausgesprochen – auch, weil mehrere Anwohner diesen Wunsch geäußert hatten.

Die Antwort der LEG Immobilien AG im Juni war so ausführlich wie eindeutig. Hierin schildert das Unternehmen seine Strategie in Sachen Kundenservice (Zentrale Hotline, LEG-App, Hauswarte) und schließt mit den Worten: „Da die positiven Mieter-Feedbacks zu unserer Strategie die Anzahl der vereinzelten kritischen Rückmeldungen bei weitem übersteigen, sehen wir aktuell keine Veranlassung, in unserem Mieterbüro am Standort Wickede erneut fest, offene Sprechstunden anzubieten.“

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