Ende Juni zeigt das Autokino seinen vorerst letzten Film. Die Veranstalter ziehen ein erstes Fazit und geben einen Ausblick auf ein mögliches weiteres Kino-Event unter freiem Himmel.

Dortmund

, 13.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

65 Kinovorstellungen nach Anbruch der Dunkelheit wird es bis Ende Juni unter dem alten Hochofen in Hörde gegeben haben. Dann werden Leinwand und Projektor wieder abgebaut und zweieinhalb Monate Autokino auf dem Phoenix-West-Gelände gehen zu Ende.

In den Wochen nach der Auftaktvorführung mit dem Ruhrgebietsklassiker „Bang Boom Bang“ am 17. April war die pandemietaugliche Kinoalternative der reinste Publikumsschlager. „Die erste Woche war in weniger als 24 Stunden komplett ausverkauft“, sagt Projektleiter Simon Schlomberg von der Agentur Neovaude. Diese organisiert normalerweise das PSD Bank Kino im Westfalenpark, jetzt eben das Autokino.

Die Tickets kontrollierten die Ordner durch geschlossene Autofenster.

Die Tickets kontrollierten die Ordner durch geschlossene Autofenster. © Stephan Schuetze

Die Idee, das bereits bekannte Format abzuwandeln und ein Autokino einzurichten, war nicht neu. In der Corona-Krise wurde sie aber einerseits zur wirtschaftlichen Notwendigkeit und gab den Dortmundern andererseits auch eine willkommene Möglichkeit, die eigenen vier Wände zu verlassen und etwas Besonderes zu erleben.

Kurz bevor das Angebot endet, hat Simon Schlomberg die vergangenen Monate Revue passieren lassen. Das Fazit: Für Besucher wie Veranstalter war es ein Frühling voll schöner Abende.

Ganz anders als das Kino im Park

Die Stimmung im Autokino sei verglichen mit der im Kino im Westfalenpark, wo die Besucher ähnlich wie in einem Freilichttheater in einer großen Gruppe auf Bänken zusammensitzen, grundlegend anders, sagt Simon Schlomberg. Genau darin liegt aber der besondere Charme eines Autokinos. Ganz wie in amerikanischen Teenie-Filmen machen die Besucher es sich in ihrem eigenen Auto gemütlich. Ungehemmt kann gequatscht, mit Snacktüten geknistert und genascht werden. Störendes Strohhalm-Schlürfen des Kinobesuchers drei Reihen weiter vorn bleibt aus. Weil der Ton über das Autoradio läuft, kann jeder die Lautstärke selbst anpassen.

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„Das besondere Erlebnis am Autokino ist auf jeden Fall die intime und persönliche Situation. Ähnlich zum eigenen Wohnzimmer schaut man den Film gemeinsam mit seinem Partner, Freunden oder der Familie“, sagt auch Simon Schlomberg.

Der Abstand und die, abgesehen vom Ticketscan durch die Autoscheibe, fehlende Interaktion mit den Besuchern waren für die Organisatoren neu. „Lediglich das Hupen zum Start und zum Ende und die strahlenden Gesichter ließen uns die Zufriedenheit der Leute wahrnehmen“, sagt Simon Schlomberg. Um positive Kritik und Beschwerden zu äußern, hätten viele Gäste glücklicherweise digitale Kommunikationswege genutzt.

Kino und Veranstaltungsort

Das Austeilen von Decken und Kissen wie im Westfalenpark, der Verkauf von Snacks vor Filmbeginn, spontane Unterhaltungen mit Freunden und Bekannten, die man einige Meter weiter entdeckt, all das gab es in diesem Frühjahr nicht. Wie so vieles war eben auch das Kinoerlebnis im Jahr 2020 anders als sonst.

Anders, aber nicht unbedingt schlechter. Denn obwohl der Andrang nach vier bis fünf fast gänzlich ausverkauften Wochen ab Ende Mai etwas abebbte, ist das Fazit, das die Organisatoren aus zwei Monaten Autokino ziehen, grundsätzlich ein gutes. „Die Stimmung und das Feedback waren stets positiv. Die Besucher zufrieden und auch wir hatten und haben noch immer jede Menge toller Abende“, sagt Schlomberg.

In den ersten vier bis fünf Wochen war das Kino fast allabendlich vollständig ausverkauft. Vor dem Einlass bildeten sich lange Schlangen.

In den ersten vier bis fünf Wochen war das Kino fast allabendlich vollständig ausverkauft. Vor dem Einlass bildeten sich lange Schlangen. © Stephan Schuetze

Bei dem guten Wetter und den Lockerungen sei es aber auch absolut nachvollziehbar, dass die Menschen ihre Abende jetzt wieder anderswo verbringen. Dafür haben die Dortmunder Gelände und Format des Autokinos in den vergangenen Wochen für andere Veranstaltungen entdeckt. Neben den mehr als 60 Filmvorführungen in Industriekulisse haben unter dem Hochofen Gottesdienste, Schulfeiern, Firmenevents und der Parteitag der SPD stattgefunden. Immer aus den Autos der Teilnehmenden heraus. Insgesamt konnten schlussendlich rund 20.000 Gäste auf dem Gelände begrüßt werden, überschlägt Schlomberg. Trotz des Coronavirus. Und dank der vielen kleinen geschützten Räume aus Glas und Blech immer mit automatisch gewährleistetem Sicherheitsabstand.

Auch für Gottesdienste und Firmenveranstaltungen eignet sich das Konzept. An einigen Dortmunder Schulen werden sogar die Abiturzeugnisse hier vergeben.

Auch für Gottesdienste und Firmenveranstaltungen eignet sich das Konzept. An einigen Dortmunder Schulen werden sogar die Abiturzeugnisse hier vergeben. © Stephan Schuetze

Kino im Westfalenpark soll stattfinden

Ob es in Dortmund auch in Zukunft ein Autokino geben wird, steht bisher nicht fest. Ausgeschlossen ist es aber nicht. Auch für Neovaude nicht. „Wir haben Freude an dem Format gehabt und sehen darin grundsätzliches Potenzial. Und da wir den Plan schon einige Jahre vorher immer mal wieder hatten, ist es definitiv möglich, dass wir ihn in Zukunft erneut aufgreifen werden. Mal sehen, vielleicht kommen wir nochmal wieder oder schlagen woanders unsere Zelte auf“, sagt Schlomberg.

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Zuerst geht es aber an die Planung der Kinoabende im Westfalenpark. Zwar werden auch die wohl nicht ganz wie gewohnt stattfinden können. „Aber wir haben die feste Absicht, in angepasster Form auch diesen Sommer wieder Kinobegeisterte im Westfalenpark zu empfangen“, sagt Schlomberg.

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