Darum wird der Umbau der Faßstraße fast doppelt so teuer

Hörder Zentrum

Der Umbau der Faßstraße ist eines der umstrittensten Verkehrsprojekte in der jüngeren Vergangenheit. Jetzt wird das Vorhaben deutlich teurer als zunächst vorgesehen. Das sind die Gründe.

Hörde

, 10.10.2018, 13:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Darum wird der Umbau der Faßstraße fast doppelt so teuer

Arbeiten an der Faßstraße im Jahr 2016. Der Umbau der wichtigen Verkehrsachse verteuert sich um rund drei Millionen Euro. © Felix Guth

Der Umbau der Faßstraße kostet 7,2 Millionen Euro statt der bisher geplanten 4,2 Millionen Euro. Bei dieser Summe müssen selbst erfahrene und sonst eher zu nüchternen Formulierungen neigende Stadtplaner zu ungewöhnlichen Worten greifen.

Als „gewaltige Erhöhung“ bezeichneten zwei Vertreter des Stadtplanungsamts am Dienstag in der Sitzung der Bezirksvertretung Hörde den Anstieg um rund 3 Millionen Euro.

Mehrere Bezirksvertreter kritisierten die fehlerhafte Planung und befürchten, dass die endgültigen Kosten sogar noch höher liegen. Es gibt laut der Stadtverwaltung mehrere Gründe für den Preisanstieg. „Das meiste davon war nicht vorhersehbar“, sagte Ulrich Dreiskämper, stellvertretender Leiter der Stadterneuerung.

Das sind die Gründe für die höheren Kosten

  • Die allgemeine Kostensteigerung im Baugewerbe: Straße- und Tiefbau sind bundesweit um rund 30 Prozent teurer geworden, weil Baufirmen überlastet sind – das trifft auch an der Faßstraße zu und macht rund 60 Prozent der Kostensteigerung aus.

  • Die Arbeiten müssen rund um die Uhr von einem Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe begleitet werden, da sie sich in einem „äußerst sensiblen Bereich“ befinden. Die Stadt Dortmund war zunächst davon ausgegangen, dass dies nicht notwendig sei. „Der LWL hat hier eine andere Rechtsauffassung“, so Dreiskämper.

  • Die Kosten für Bodenentsorgung sind angestiegen.

  • Ein unterirdisches Schachtbauwerk ist entdeckt worden.

  • Der Baum vor der Faßstraße 21 („Zum Treppchen“) ist ein Naturdenkmal und muss deshalb besonders geschützt werden.

  • Die Planung der Bauphasen ist verändert worden, damit die Straße durchgängig in beide Richtungen befahrbar bleibt.

  • Die Treppenanlage und die Rampe auf Höhe der Kumpstraße werden teurer.

  • Es sind weitere Lärmschutzmaßnahmen notwendig – obwohl lärmmindernder Asphalt verbaut werden soll.

Das Stadtteil-Gremium stimmte mit knapper Mehrheit dafür, das zusätzliche Geld freizugeben. Allerdings nur vor dem Hintergrund, dass sonst das gesamte Projekt infrage steht. Denn rund die Hälfte der Summe wird durch das Land NRW gefördert – aber nur, wenn es auch so umgesetzt wird, wie es der Rat der Stadt Dortmund im Juni 2017 beschlossen hatte.

Verschiedene Ausschüsse beraten in den nächsten Wochen noch über das Thema. Die abschließende Entscheidung fällt der Rat der Stadt Dortmund am 15. November. Der Umbau soll 2019 starten. Zuerst stehen Kanalbauarbeiten an.

Neue Verkehrssituation ab der Straße Am Stift

Die Faßstraße soll zwischen Am Stift und der Einmündung in Höhe Alfred-Trappen-Straße so verändert werden, wie es bereits auf einem Teilstück ab der ehemaligen Stiftsbrauerei der Fall ist. Aus den bisher vier Fahrstreifen soll eine überbreite Fahrbahn mit einem Radfahrstreifen werden.

Die Stadt Dortmund verspricht sich davon neue „Gestaltungsspielräume“ durch breitere Gehwege, neue Baumpflanzungen, Parkplätze, einen begrünten Mittelstreifen und neue Fußgängerüberwege. Die gesamte Faßstraße soll zur Tempo-30-Zone werden.

Die Hauptachse für den nicht-motorisierten Verkehr zwischen dem Hörder Zentrum und dem Phoenix-See soll künftig die Hermannstraße sein.

Große Diskussionen über den Verkehrsversuch

Die Umgestaltung der Faßstraße auf dem ersten Teilstück, inklusive eines Verkehrsversuchs mit versetztem statt mehrspurigem Fahren, hatte unter Hörder Bürgern und auch in der Politik für Kontroversen gesorgt.

An der Faßstraße sind in den vergangenen Monaten mehrere Neubauten entstanden, unter anderem das neue Hilton-Hotel.

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