Das Klinikum Dortmund ruft Mitarbeiter dazu auf, beim Nähen von Schutzmasken zu helfen. Ein interner Brief ist ungewollt öffentlich geworden – doch Bürger können in diesem Fall nicht helfen.

Dortmund

, 29.03.2020, 16:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Sozialen Medien verbreitet sich seit Samstag (28.3.) ein Schreiben der Leitung der Klinikum Dortmund gGmbH. Rudolf Mintrop, Vorsitzender der Geschäftsführung, wendet sich hierin an alle Mitarbeiter mit der Bitte, bei der Eigenproduktion von Schutzmasken mitzuhelfen.

„Es gibt nichts mehr zu bestellen und zu kaufen“, schreibt Mintrop. Deshalb werden Helferinnen oder Helfer „zum Zuschneiden der verschiedenen Materialien (Vlies, Draht, Bänder) und zum Nähen mit eigener Nähmaschine“ gesucht. „In ihrer Arbeitszeit, gerne auch stundenweise“.

Hunderte Accounts verbreiten den Aufruf

Das Schreiben ist bei Facebook mit dem Hinweis „Bitte teilen, weiter verbreiteten, es brennt“ über Hunderte Accounts verbreitet worden. Zahlreiche Menschen haben angekündigt, das Krankenhaus unterstützen zu wollen. Dabei war die Nachricht von Rudolf Mintrop nach Aussage von Klinikum-Sprecher Marc Raschke für die interne Kommunikation gedacht.

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„Sie ist sicherlich aus gutem Willen im Netz gelandet. Aber es bringt uns leider nicht weiter, wenn wir jetzt von vielen Leuten Angebote für selbstgenähte Schutzmasken erhalten“, sagt Marc Raschke. Solche anzunehmen sei schon aus hygienischen Gründen nicht möglich.

Masken für den Klinik-Alltag

Bei der Eigenproduktionen sollen Mitarbeiter einen Spezialstoff verarbeiten, den das Klinikum Dortmund angeschafft hat. Die fertigen Masken könnten im medizinischen Alltag eingesetzt werden. Für die intensive Behandlung von Patienten mit einer Covid-19-Diagnose werden ohnehin spezielle Masken mit festem Mund- und Augenschutz verwendet.

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Um welchen Stoff es sich handelt und woher er kommt, möchte Marc Raschke mit Hinweis auf den schwierigen Markt für alle Arten von Schutzmaterialien nicht sagen. Der Wunsch, bei einer solchen Produktion mitzuhelfen, sei auch aus der Belegschaft selbst gekommen. Das Klinikum stellt auch Desinfektionsmittel selbst her.

„Wir verlassen uns nicht nur auf das, was die Politik sagt“

„Wir machen das nicht, weil wir glauben, dass übermorgen Schluss ist. Es ist eine vorausschauende Maßnahme“, sagt Marc Raschke. „Aber wir verlassen uns nicht nur auf das, was die Politik sagt. Der Gesundheitsminister kann viele Versprechungen machen, die gut für Schlagzeilen sind. Aber wir glauben es erst, wenn es ankommt.“

Hintergrund dieser Aussage: Die Bezirksregierung Arnsberg hatte am Donnerstag (26.3.) gemeldet, dass eine erste Lieferung von FFP2-Schutzmasken in die zwölf kreisfreien Städte und Kreise im Regierungsbezirk geschickt worden sei - jedoch nur eine vergleichsweise kleine.

Mit einer Eigenproduktion möchte sich das Klinikum unabhängig von weiteren noch nicht absehbaren Entwicklungen machen. „Es ist wichtig, einen Plan B und C zu haben“, sagt Marc Raschke.

Das Klinikum weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Funktion und Wirkung eines Mundschutzes von Laien vielfach falsch eingeschätzt würden.

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Dr. Bernhard Schaaf, Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie im Lungenzentrum des Klinikums Dortmund, sagt: „Wenn Menschen ihn zum Eigenschutz tragen möchten, sollten sie dennoch nicht nachlässiger mit den anderen Hygienestandards wie zwei Metern Abstand halten oder Hände waschen werden.“

Der Schutz sei „nicht zu 100 Prozent gegeben“. Vor allem sei laut Schaaf der Mundschutz auf offener Straße weitgehend nutzlos: „Er macht höchstens im Nahbereich, also bei Kontakt unter zwei Metern Sinn.“

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Am Sonntag hat das Klinikum Dortmund mit einem längeren Beitrag in den Sozialen Medien auf das Missverständnis um den Brief der Geschäftsleitung hingewiesen und diejenigen um Entschuldigung gebeten, die sich zu Hilfe aufgefordert gefühlt haben.

So gehen die anderen Dortmunder Krankenhäuser mit dem Thema Schutzkleidung um

Die Versorgung mit wirksamen Schutzmaterialien beschäftigt auch die anderen Krankenhäuser in Dortmund, die zurzeit in die Bekämpfung des Coronavirus‘ involviert sind.

Für die katholische St.-Johannes-Gesellschaft sagt Sprecherin Gudula Stroetzel: „Wir haben weiterhin ausreichend Materialien. Aber die Mitarbeiter unserer Warenwirtschaftsabteilung sind jeden Tag an diesem Thema dran. Der Peak der Ausbreitung ist bisher ja noch nicht erreicht.“ Wann Lieferungen kommen, sei zurzeit schwierig vorherzusehen.

Auch das St.-Johannes-Hospital hätten schon viele selbst genähte Masken erreicht, unter anderem von den Frauen, die sonst regelmäßig Herzkissen für Brustkrebs-Patientinnen nähen. Die selbst genähten Masken können aber aus hygienischen Gründen nicht im medizinischen Bereich eingesetzt werden.

Klaus-Peter Wolter, Sprecher der Klinikum Westfalen GmbH, deren Brackeler Krankenhaus auch Covid-19-Patienten aufnimmt, sagt auf Anfrage: „Grundsätzlich haben wir noch kein Problem. Wir sind mit allen Materialien in vernünftigem Umfang ausgestattet und rechnen nicht in nächster Zeit mit Problemen.“

Man beschäftige sich aber intensiv mit „Plan-B-Strategien“. Dazu gehöre unter anderem, welche Aufbereitungsmöglichkeiten es gibt.

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