Homeoffice und Einzelbüros: Ist das Großraumbüro in Dortmund bald Geschichte?

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Zu Coronavirus-Zeiten arbeiten viele von zu Hause aus. Das Großraumbüro wird momentan eher gemieden. Ein Arbeitspsychologe sagt: Die Pandemie bietet auch Chancen.

Dortmund

, 30.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Arbeiten im Großraumbüro - in unserer Redaktion ist es seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Man ruft morgens ein „Hallo“ in den Raum, geht zum Platz und wirft den Computer an.

In der Küche holt man sich Kaffee und unterhält sich mit Kollegen. Gemeinsam schimpft man über die kaputte Spülmaschine, klaut sich ein paar Kekse vom Vortag und geht zum Platz zurück.

Türklinken und Tastaturen sind jetzt Virenfallen

Heute sitzen fast alle im Homeoffice. Zu gefährlich ist es im Büro geworden: Türklinken, Tassen und Tastaturen sind zu potentiellen Virenfallen geworden, und unbehaglich erinnert man sich an die Zeiten, als man gern in die angebotene Haribo-Tüte des Kollegen gegriffen hat.

Auch wenn das Homeoffice seine Tücken haben kann (vor allem, so lange die Kinder nicht in die Schule dürfen), stellen viele gerade fest: Es klappt. Ganz gut sogar.

Und der Gedanke kommt auf, wie es in Zeiten nach dem Coronavirus weitergehen wird. Arbeitet man öfter von zu Hause aus? Werden Großraumbüros noch gefragt sein?

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Das Essener Gewerbemaklerunternehmen „Ruhr Real GmbH“ hat bereits eine Trendwende festgestellt. „Das Zellenbüro erlebt eine Renaissance, weil es als einzige Grundrissform die durch das Coronavirus notwendig gewordene Distanz zwischen den Mitarbeitenden sicherstellt.“

Co-Working und Großraum seien out. „Büromieter wollen jetzt schnell zurück in die Zelle, nach dem Motto: Only my own office is my castle“, sagt Geschäftsführer Christian Hansmann.

„Zurück in die Zelle - das wäre ein Rückschritt“

Das sieht Dr. Karl Watermann, Inhaber des Dortmunder Unternehmens DoReal Immobilien Consulting e.K., ganz anders. „Die unterschiedlichen Nachfragen hängen immer von den einzelnen Unternehmen ab.“

So arbeiteten Steuerberater aus Datenschutzgründen eher im Zellenbüro. In der IT-Branche und in Kommunikationsunternehmen arbeite man gern im Großraumbüro. „Zurück in die Zelle - das wäre ein Rückschritt“, glaubt Watermann.

Arbeiten im Homeoffice kann stressig sein - das wissen auch Experten.

Arbeiten im Homeoffice kann stressig sein - das wissen auch Experten. © Niehaus

„Bei uns laufen die Telefone heiß, weil die Firmen ad hoc Veränderungen ihrer Raumsituation wünschen. Bestehende Open-Space-Lösungen sollen zurückgebaut und stattdessen Einzelbüros etabliert werden“, sagt dagegen Hansmann von der Ruhr Real GmbH.

„In Dortmund ist die Nachfrage nach Büroimmobilien allgemein etwas zurückgegangen. Viele stehen gerade vor der Frage: Kann ich das durchhalten?“, erzählt Karl Watermann. Einen Trend zum Einzelbüro sieht er momentan nicht. „Dafür ist es noch viel zu früh. Wir müssen uns überraschen lassen.“

„Wir befinden uns in einer Simulation einer Welt“

Arbeitspsychologe Jan Digutsch (24) vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) sieht auch eine Chance. „Momentan befinden wir uns in der Simulation einer Welt, wie wir sie uns nie vorstellen konnten. Natürlich hat sich das niemand gewünscht. Aber man kann versuchen, Vorteile daraus zu ziehen.“

So hätten gerade viele Unternehmen aus dem Zwang heraus technische Voraussetzungen geschaffen, um mehr Mitarbeiter im Homeoffice beschäftigen zu können. „Wenn die Pandemie eines Tages vorbei ist, sind diese Strukturen immer noch da. Und sie können vielen Menschen den Arbeitsalltag erleichtern.“

Es gebe Personen, die ihre Arbeit gerne in ihr Privatleben integrieren. „Zumindest kurzfristig kann es diesen Personen dann im Homeoffice sogar besser gehen als mit der normalen Arbeit. Man kommt sich zum Beispiel produktiver vor und ist motivierter“, erklärt Digutsch.

Das „Zwangs-Experiment“ werde in den meisten Fällen zeigen, „dass die Produktivität eines Unternehmens durch den Wechsel ins Homeoffice nicht verringert wird.“

Arbeitspsychologe Jan Digutsch (24)

Arbeitspsychologe Jan Digutsch (24) © privat

Wie der Alltag „danach“ in großen und kleinen Büros in Dortmund wieder aussehen wird, das wird sich zeigen. Bis dahin kocht ohnehin jeder sein Käffchen zu Hause. Ob es ihm gefällt oder nicht.

Die Unternehmen DoReal und Ruhr Real
  • DoReal ist spezialisierter Makler und Berater für Gewerbeimmobilien im Großraum Dortmund. Das Unternehmen vermarktet Büros, Gewerbeparks, Einzelhandel, Logistik- und Industrieflächen.
  • Die Ruhr Real GmbH mit Sitz in Essen ist ebenfalls ein Maklerunternehmen mit dem Fokus auf Gewerbeimmobilien. Das 2018 gegründete Unternehmen berät nationale sowie internationale Kunden bei der Immobilien- und Nutzersuche in den Städten und Kommunen der Metropole Ruhr.
  • Arbeitspsychologe Jan Digutsch forscht seit 2019 am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) in der Forschungsgruppe „Flexible Verhaltenssteuerung“ in der Abteilung „Psychologie und Neurowissenschaften“.
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