Coronavirus: „Manche melden ihre Kinder krank, damit sie nicht auf Klassenfahrten müssen“

dzEltern in Dortmund

Unter Dortmunds Eltern geht die Angst vor dem Coronavirus um. Es gibt Sorgen um die Hygiene in Schulen und Kritik an Klassenfahrten. Die Stadt hält dagegen – und stellt Geld für Schulen bereit.

Dortmund

, 06.03.2020, 08:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Tagen klingelt das Handy von Anke Staar fast ohne Unterlass. „So viele Anrufe von Eltern hatte ich selten“, sagt die Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern. Wenn sie rangeht, ist ihr Gesprächspartner meist beunruhigt – wenn nicht mehr: „Ich hatte schon weinende Menschen am Telefon.“

Viele Dortmunder treibt derzeit die Angst um, dass sich ihre Kinder mit dem neuartigen Coronavirus anstecken könnten. „Das Nervenkostüm vieler Eltern ist gerade ziemlich runter“, sagt Staar. Tut die Schule genug zum Schutz meiner Tochter? Gibt es dort genug Desinfektionsmittel und Seife? Soll ich meinen Sohn mit auf den Schulausflug schicken? Das werde sie momentan am häufigsten gefragt, erzählt Staar.

Wirklich helfen kann sie jedoch nicht. Staar vermisst eine einheitliche Handlungsempfehlung: „Das ungleiche Vorgehen der Städte verunsichert viele.“ Da würden teilweise Messen abgesagt, wo Menschen freiwillig hingehen, während gleichzeitig „staatliche Zwangsinstitutionen“ wie Schulen geöffnet blieben.

Gesundheitsbehörden entscheiden über Schulschließungen

In einem Schreiben an alle Schulen und Eltern betont Dortmunds Schuldezernentin Daniela Schneckenburger: „Sofern eine Schule nicht von den zuständigen Gesundheitsbehörden geschlossen wurde, besteht grundsätzlich Schulpflicht.“ Das betrifft auch Schulausflüge und Klassenfahrten.

Vor allem gegen Letztere regt sich Widerstand: „Manche Eltern lassen ihre Kinder krankschreiben, damit sie nicht auf Klassenfahrt müssen“, sagt Staar.

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Auch die angeblich mangelhafte Hygiene an den Schulen besorgt viele Eltern. Ein Vater, dessen Sohn auf ein Gymnasium im Dortmunder Süden geht, berichtet gegenüber unserer Redaktion davon, dass die Schulpflegschaft die Eltern gebeten habe, ihren Kindern Flüssigseife mitzugeben, da es der Schule nicht möglich sei, jeden Klassenraum entsprechend auszustatten.

„Das ist ein schlechter Witz!“, sagt der Dortmunder, der aus Angst vor „Repressalien“ durch die Schule gegen seinen Sohn anonym bleiben möchte. Auch bei Staar beschwerten sich mehrere Eltern über fehlende Seife und Papierhandtücher an den Schulen.

Seifenspender oft Gegenstand von Vandalismus

Aus Schulkreisen ist zu hören, dass fehlende Seifenspender tatsächlich ein verbreitetes Problem an Dortmunder Schulen sind. Sie würden häufig Opfer von Vandalismus und regelmäßig abgetreten. Ihr Fehlen falle aber erst dann vermehrt auf, wenn Schüler und Eltern wegen Krankheiten für Hygiene sensibilisiert seien.

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In den Schulen und bei der Stadt hat man reagiert: „Die Hausmeister sind durch den Fachbereich Schule bereits gebeten worden, für ausreichend Seife und Papierhandtücher Sorge zu tragen“, sagt Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage.

Stadt trägt Kosten

Außerdem habe man den Schulen am Mittwoch mitgeteilt, dass die Stadt alle entstehenden Kosten „für die zusätzliche Anschaffung vor allem von Handdesinfektion, Seife und Papierhandtüchern trägt“. Einige Schulen haben unabhängig davon bereits unbürokratisch Einweg-Seifenspender gekauft. Darüber hinaus stellen Dortmunds Schulen ihre Klassenfahrten auf den Prüfstand: Die Brackeler Geschwister-Scholl-Gesamtschule etwa hat bereits alle Reisen bis Ostern abgesagt.

Elternsprecherin Anke Staar hat abseits dessen einen weiteren Vorschlag zur Beruhigung der Eltern: „Die Schulen sollten die Eltern mitentscheiden lassen, ob eine Klassenfahrt abgesagt wird oder nicht.“

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