Coronavirus: Dortmunder Unternehmensverbände sind besorgt wegen vieler Krankmeldungen

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Seit dem 9. März kann man sich wegen Erkrankungen der oberen Atemwege auch telefonisch krankschreiben lassen. Das lässt auch bei den Dortmunder Unternehmensverbänden die Telefone heißlaufen.

Dortmund

, 23.03.2020, 08:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neben der Unterbrechung von Lieferketten und dem Zusammenbruch von Märkten treibt Dortmunder Unternehmen eine weitere Sorge um. „Die Krankmeldungen steigen extrem an“, sagt Ernst-Peter Brasse, Geschäftsführer der Unternehmensverbände für Dortmund und Umgebung.

Schon bei leichten Symptomen zögen sich Mitarbeiter selbst aus dem Verkehr, so Brasse. Das sei einfach möglich, da man sich jetzt telefonisch wegen Erkrankungen der oberen Atemwege, zum Beispiel bei Husten und Halsschmerzen, für maximal sieben Tage krankschreiben lassen kann.

Grundlage ist ein Beschluss der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) vom 9. März; denn diese Patienten sollen die Arztpraxen nicht mehr persönlich aufsuchen, um sich krankschreiben zu lassen. Brasse: „Die Anfragen von Unternehmen mehren sich, wie man damit umgeht.“

Bei Wilo ist man nicht alarmiert

Bei dem Pumpenhersteller Wilo SE sieht dagegen keinen Grund, alarmiert zu sein. Man habe die Krankmeldungszahlen der vergangenen zwei Jahre mit den aktuellen verglichen, sagte Pressesprecher Klaus Hübscher auf Anfrage der Redaktion. Es gebe zwar einen leichten Anstieg der Krankmeldungen, doch den kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht als signifikant bezeichnen. Jedenfalls könne man keine Schlüsse daraus ziehen, dass dieser leichte Anstieg mit dem vereinfachten Verfahren der Krankmeldung zusammenhänge.

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Bei der AOK Nordwest gab es in den letzten zwei Jahren einen „leichten Anstieg“, sagte auch Kassensprecher Jens Kuschel, doch das sei noch keine belastbare statistische Auswirkung. Die notwendigen Daten bekomme man erst in den nächsten Tagen. Und selbst wenn die absolute Zahl möglicherweise gestiegen sei, müsse man klären, ob die Menschen wegen Erkältungen und dann noch mal differenziert wegen leichter oberer Atemwegserkrankungen arbeitsunfähig geschrieben worden seien. Kuschel: „Jetzt lässt sich das noch nicht seriös sagen.“

Noch keine belastbaren Zahlen

Bei der Krankenkasse BIG-direkt sind bundesweit die Erstbescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Vorjahreszeitraum bislang sogar leicht zurückgegangen, obwohl noch immer auch Grippesaison sei, teilte Kommunikationschefin Bettina Kiwitt mit. Dortmunder Zahlen gibt es noch nicht.

Eine mögliche Erklärung für die leicht gesunkenen Zahlen sieht die BIG-Sprecherin darin, dass Patienten aus Angst, sie könnten sich mit dem Coronavirus anstecken, nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt gingen. Kiwitt: „Wer sich jetzt in ein volles Wartezimmer setzt, macht das sicherlich mit einem sehr unguten Gefühl.“ Zudem neige man möglicherweise auch im Homeoffice nicht so schnell dazu, zum Arzt zu gehen.

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