„Das ist die Apokalypse“: Tourismus in Dortmund erleidet drastische Umsatzeinbrüche

dzAuswirkungen der Krise

Der Tourismus steht vor einer großen Bewährungsprobe. Bis auf Weiteres sind wegen des Coronavirus sämtliche Reisen untersagt. Darunter leidet auch in Dortmund die gesamte Branche.

Dortmund

, 20.03.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grenzen in Europa sind dicht. Die Ausbreitung des Coronavirus hat dazu geführt, dass die von vielen Menschen sonst so geschätzte Reisefreiheit enorm eingeschränkt wird. Zum besonderen Leid der Tourismusbranche.

Für Michael Draeger bringt die derzeitige Situation enorme Probleme mit sich. Der Familienvater leitet unter anderem das Stoffregen Reisecafé in der Dortmunder Innenstadt und verbringt aktuell den Großteil seiner Zeit am Telefon:

„Uns rufen natürlich viele Menschen an, die entweder in anderen Ländern festsitzen, oder sich grundsätzlich nach ihren geplanten Reisen erkundigen möchten. Wir versuchen dann, jedem einzelnen Kunden zu helfen“, betont Draeger.

Der wirtschaftliche Schaden für sein Unternehmen sei allerdings jetzt schon enorm. „Wir haben die letzten Monate quasi für Null gearbeitet und müssen jetzt auch schauen, wie wir über die Runden kommen. Das ist die Apokalypse.“

Veranstaltungsabsagen vor allem in Dortmund ein Problem

So wie Draeger geht es der gesamten Tourismusbranche. Im Dortmunder Fall hängen diese Schwierigkeiten vor allem mit den zahlreichen Veranstaltungsabsagen zusammen.

„Die Hotels und Unterkunftsbetriebe erreichen aufgrund der Absagen aller Veranstaltungen und dem generellen Verbot von Übernachtungsangeboten derzeit zahlreiche Stornierungen von Zimmerbuchungen“, erklärt der Geschäftsführer von Dortmund-Tourismus, Matthias Rothermund.

Dies hat weitreichende Konsequenzen, wie die zuständige Pressesprecherin Sigrun Späte verdeutlicht: „Erste Hotels schließen vorübergehend, andere fahren den Betrieb teilweise herunter.“ Da Freizeitreisen ohnehin untersagt wurden, seien derzeit lediglich noch vereinzelte Geschäftsreisende in der Stadt unterwegs. „Da das öffentliche Leben langsam zum Erliegen kommt, kommt natürlich auch der gesamte Tourismus zum Erliegen“, unterstreicht Späte.

„Ein abgesagtes Spiel bedeutet 5000 Euro Verlust.“

Von den Auswirkungen konkret betroffen ist - ähnlich wie Michael Draeger - auch Phillip Schneider, der in Dortmund das Hotel Ambiente und die dazugehörige Gastronomie betreibt. Für den Unternehmer sei schon die bloße Absage eines Fußball-Bundesliga-Spiels ein finanzielles Desaster: „Alleine dadurch, dass beispielsweise das Revierderby abgesagt wurde, haben wir knapp 5000 Euro an Umsatz verloren.“

Weil es sich um einen noch vergleichsweise jungen Betrieb handele, seien auch die vorhandenen finanziellen Rücklagen in der jetzigen Situation schnell verbraucht. „Wir werden versuchen uns mit öffentlichen Stellen zusammenzuschließen und müssen dann schauen, wie wir für die Zukunft planen können“, erklärt Schneider.

Politik ist gefordert

Der Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein-Westfalen befürchtet für die Tourismusbranche indes historische Einbußen. So sei die Corona-Krise „die größte Herausforderung, mit der wir in den letzten Jahren konfrontiert waren“, sagt Pressesprecher Thorsten Hellwig.

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Man hätte besser gestern als heute konkrete Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung ergreifen müssen. „Wir müssen die Betriebe insgesamt flexibler machen, um ihnen auch durch solch schwierige Zeiten zu helfen“, so Hellwig. Deshalb müsse die Politik nun weiter aktiv werden. Laut Hellwig ist das vorrangige Ziel, „nach der Krise die gleiche Anzahl an Hotelbetrieben zu haben wie vorher.“

Für Michael Draeger steht unterdessen fest: „Es ist viel zu spät reagiert worden. Gerade jetzt müssen sich die Menschen allerdings gegenseitig helfen.“ Deshalb kümmere man sich in seinem Reisebüro sogar um Urlauber, die die Reise gar nicht über sein Unternehmen gebucht haben. „Das ist für uns zwar ein Nullsummenspiel, aber es geht jetzt um jeden Einzelnen.“

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