Coronavirus: Anträge auf Soforthilfe ließen Server zusammenbrechen

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Auf die Soforthilfe von Bund und Land für Kleinunternehmer gab es am Wochenende einen Ansturm. Dortmunder Pralinen-Produzentin bekam Bewilligung schon nach anderthalb Tagen.

Dortmund

, 31.03.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Marie-Luise Langehenke schläft in diesen Tagen eher schlecht. In der Nacht zu Samstag (28. März) saß sie vor dem Computer, um für ihr Unternehmen einen Antrag auf Soforthilfe des Landes zu stellen. Marie-Luise Langehenke ist Inhaberin der Schokoladenmanufaktur Pott au Chocolat mit zwei Filialen in Dortmund (Kaiserstraße 61 und Hansastraße 99) sowie einer Filiale in Frankfurt.

Die Läden in der Hansastraße und Frankfurt sind geschlossen, in der Kaiserstraße läuft ein Notbetrieb. Doch es kommen nur wenige Kunden. Gleichzeitig laufen die Kosten weiter wie das Gehalt für die zwölf Mitarbeiter (vollzeitverrechnet) und die Miete. „Wir sind nicht Adidas und nicht H & M“, sagt sie. Die beiden großen Markenhersteller haben den Stopp von Mietzahlungen angekündigt – und einen Shitstorm geerntet.

Marie-Luise Langehenke zahlt ihre Miete, auch wenn die Kosten sie auffressen. Ihr Vermieter ist ihr mit einer leichten Mietsenkung für zwei Monate etwas entgegengekommen. Sie selbst zahlt sich nichts aus. Ihren Mitarbeitern würde sie gern mehr zahlen, wenn es machbar wäre.

Hauptsaison fällt weg

Doch die Schokolade kann sie nicht teurer machen. Sie kauft dafür edlen Kakao. „Ich zahle das Doppelte des Weltmarktpreises und spare nicht bei den Zutaten.“ Aber so kann sie nicht wirtschaftlich überleben. Zumal jetzt kurz vor Ostern die Hauptsaison wegfällt. Deshalb hat sie Kurzarbeit und 25.000 Euro aus der NRW-Soforthilfe beantragt.

Bis zu 25.000 Euro zahlt das Land NRW als Soforthilfe. Damit das Geld schnell ankommt, müssen die Förderanträge online gestellt werden. Das Antragsformular war am Freitag (28.3.) um 12 Uhr im Netz freigeschaltet.

Der Ansturm war so groß, dass selbst in der Nacht der Server immer wieder zusammenbrach. Marie-Luise Langehenke hat deshalb rund zehn Anläufe gebraucht, bis das Formular auf dem Datenweg zur Bezirksregierung war. Das Ausfüllen selbst sei relativ einfach, wenn man alle gefragten Daten zusammen hat, sagt sie.

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Wie Marie-Luise Langehenke haben viele hundert Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige am Wochenende einen Antrag auf NRW-Soforthilfe gestellt. Bis Montagmittag waren es im Regierungsbezirk Arnsberg 37.845.

Fast 1000 Anrufe bei IHK-Hotline

Allein bei der Soforthilfe-Hotline der Industrie- und Handelskammer Dortmund gingen seit Freitag bis Montagnachmittag 985 Anrufe ein. Bei der Handwerkskammer Dortmund, die sieben Hotlines zum Thema Corona hat, waren es rund 450 Anrufe von Handwerkern, Unternehmern und Auszubildenden.

Den stärksten Beratungsbedarf gab es bei der Handwerkskammer zu den Themen NRW-Soforthilfe 2020 und Förderanträge, Kurzarbeit, Öffnungsrichtlinien, Weiterbeschäftigungen sowie Hygienemaßnahmen im Unternehmen.

Marie-Luise Langehenke musste nicht lange auf die Bewilligung ihres Antrags warten. Sie kam bereits am Sonntag per Mail. „Das verschafft uns jetzt erst einmal Luft für den gesamten April“, sagt sie erleichtert. „Vielleicht auch Mai, wenn tatsächlich die Kurzarbeit genehmigt wird“; denn auf diese Bewilligung wartet sie noch.

Fast jeder zweite Arbeitplatz wird unterstützt

Mit der Gesamthilfe von Bund und Land wird nahezu jeder 2. Arbeitsplatz in Nordrhein-Westfalen unterstützt. Das Soforthilfe-Angebot richtet sich an Kleinunternehmer bis zu 50 Mitarbeitern, an Freiberufler und Solo-Selbstständige.

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Der Antrag muss online ausgefüllt und bis zum 31. Mai gestellt werden. Antragsteller müssten diese Dinge zur Hand haben: Personalausweis oder Reisepass, die Handelsregisternummer oder andere Registernummer sowie das zugehörige Amtsgericht, die Steuernummer des Unternehmens und Steuer-ID eines der Eigentümer, die Bankverbindung für die Auszahlung, die Art der gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit (sog. Wirtschaftszweigklassifikation) und die Anzahl der Beschäftigten.

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