Sonne statt Unwetter: Corona sorgt für falsche Wetterprognose in Dortmund

dzWarnung fürs Wochenende

Am Wochenende sollte es laut Experten zu Unwettern in Dortmund kommen. Davon war aber nicht viel zu sehen. Woran das liegt und was das Coronavirus damit zu tun hat? Der Wetterdienst verrät es.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 16.06.2020, 04:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum Wochenende des 13. und 14. Juni warnte der Deutsche Wetterdienst die Dortmunder vor Starkregen und Hagel bis hin zu heftigen Sommergewittern. Wer sich am Samstag (13.6.) davon nicht beeindrucken ließ und sich trotzdem aufs Fahrrad schwang, konnte der Warnung zum Trotz einen sonnigen Ausflug erleben. Und auch am Sonntag regnete es nur zeitweise.

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Wie kann es sein, dass eine offizielle Wetterprognose so daneben liegt - und stimmt es, dass der Universal-Übeltäter Corona selbst hier seine Finger im Spiel hat? Wir haben mit Uwe Kirsche, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes, gesprochen.

"Sommer und Corona ergeben eine unübersichtliche Kombi"

„Zuallererst: Ja, dieses verrückt klingende Gerücht, Corona habe etwas mit teils ungenauen Wetterprognosen zu tun, hat tatsächlich etwas mit der Realität zu tun“, so Kirsche: "Wenngleich auch auf indirektem Wege."

Dem Deutschen Wetterdienst fehlen zurzeit vor allem wichtige Messdaten aus Passagierflugzeugen. Es sei gängige Praxis, Wetterdaten über Flugzeuge zu sammeln, um so eine dynamische Prognose zu erhalten. Diese aber fallen Corona-bedingt gerade aus.

Neben Flugzeugen wird bei der Wettererfassung auf Satelliten gesetzt. Da man sich nun aber in besagter Daten-Klemme befände, greife man aktuell auf außergewöhnliche Maßnahmen wie den Aeokus-Satelliten zurück, der eigentlich von der Europäischen Weltraumorganisation zur Erdbeobachtung eingesetzt wird.

„Exakte Prognosen für Sommergewitter schwierig bis unmöglich“

„Auch wir vom Wetterdienst befinden uns in einer außergewöhnlichen Lage, und auch wir müssen uns nun neue Wege einfallen lassen, um auch während der Krise präzise Prognosen liefern zu können“, so Kirsche.

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Mit solch präzisen Prognosen sei es gerade in der Sommerzeit aber auch in normalen Jahren schwierig. In den Sommermonaten, in denen Gewitter häufig wie aus dem Nichts auftauchten und genau so schnell wieder verschwänden, sei es fast unmöglich, eine exakte Prognose zu liefern, die länger als eine halbe Stunde voraus gelte.

„Diese Wankelmütigkeit des Sommerwetters führte dann wohl auch in Dortmund am Samstag zu einer Differenz zwischen Wettervorhersage und tatsächlichem Erleben vor Ort“, so Kirsche. Zumindest die Regen-Warnung sollte sich am Sonntag dann aber noch erfüllen: Es kam zu kurzen Schauern.

"Am Ende zählt neben Technologie vor allem auch das Bauchgefühl"

Trotz aller Technologisierung, so betont Kirsche, hätten bei der Erfassung von Wetterdaten die Maschinen nicht das allerletzte Wort. So sei es an den Wetterexperten, mögliche Fehleinschätzungen mithilfe von Erfahrungswerten und Bauchgefühl auf ein Minimum zu reduzieren. Dass dies nicht immer funktioniere, liege in der Natur der Sache.

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