Der Flughafen Dortmund war während der Corona-Krise vor allem im ersten Lockdown zeitweise nahezu menschenleer (Archivbild). Inzwischen ist wieder mehr los. © Michael Schuh (A)
Dortmunder Flughafen

Corona setzt dem Flughafen sehr schwer zu – trotzdem herrscht Optimismus

Corona und der Flughafen: Die Passagierzahlen sind 2020 in den Keller gerauscht - und die Verluste massiv nach oben geschnellt. Trotzdem will der Airport bereits 2021 wieder die Kurve kriegen.

Die Sommermonate hatten etwas Zuversicht zurückgebracht. Nach Eröffnung der Wizz Air-Basis Ende Juli war es am Flughafen nach dem Lockdown im Frühjahr wieder deutlich aufwärts gegangen: Im August checkten immerhin wieder 71 Prozent so viele Reisende ein wie im Vergleichsmonat 2019. Am Airport wuchs die Hoffnung, bis Jahresende zumindest noch auf 1,5 Millionen Passagiere zu kommen.

Vorbei. Der zweite Lockdown hat aus allen Zahlenspielen Makulatur gemacht: Unter dem Strich muss sich der Dortmund Airport im Pandemiejahr 2020 mit gut 1,22 Millionen Fluggästen begnügen.

Immerhin: Verglichen mit den durchschnittlichen Werten der anderen deutschen Flughäfen, stehe Dortmund zwar prozentual besser da, sagt Airport-Chef Ludger van Bebber. Doch das eigentliche Ziel, an den Rekord aus 2019 anzuknüpfen, war faktisch nicht zu erreichen: 2,7 Millionen Passagiere waren 2019 durchs Terminal geströmt – so viel wie nie. Mit einem Plus von 19,1 Prozent war der Dortmund Airport der wachstumsstärkste aller deutschen Flughäfen.

EU-Betriebsergebnis wird tiefrot

Während sich die Passagierzahlen nach oben bewegten, gingen die Verluste zurück. Das Betriebsergebnis, das laut EU-Vorgaben bis Ende 2023 ausgeglichen sein muss, betrug 2019 noch 400.000 Euro Miese. Mit Blick auf noch ausstehende Zahlungen des Bundes hätte der Airport 2020 im operativen Ergebnis sogar erstmals ein Plus geschrieben, heißt es in Fachkreisen. Daran ist vorläufig nicht zu denken: Die Corona-Pandemie hat die roten Zahlen wieder in ungeahnte Höhen katapultiert.

Zwar liegt der offizielle Jahresabschluss noch nicht vor. Aber noch im Herbst hatte man am Flughafen befürchtet, dass die Verluste im Betriebsergebnis auf minus 13 Millionen Euro steigen könnten. Dennoch will der Airport der von der EU gesetzten Zielmarke treu bleiben und das rote Betriebsergebnis bis Ende 2023 in ein schwarzes verwandeln. Wie das konkret geschehen soll, bleibt vorläufig offen.

Gesamtdefizit liegt weit über Plan

Ähnlich die Entwicklung beim Gesamtergebnis: Noch 2019 war das Gesamtdefizit (inklusive Abschreibungen und Zinsen) um 3,8 Millionen Euro auf knapp 10,4 Millionen gesunken. Aber schon Ende des dritten Quartals 2020 hatte sich wieder ein Minus von rund 15,1 Million Euro Miese aufgebaut.

Der zweite Lockdown ab November hat die Situation zusätzlich verschärft, so dass sich der Airport nun auf einen Gesamtverlust von mindestens 23 Millionen Euro einstellen muss. Geplant waren minus 10,5 Millionen Euro.

Welcher Teil der roten Zahlen nun auf Coronaschäden zurückzuführen ist, lässt sich noch nicht genau beziffern. Vorsichtshalber hat der Airport bei der EU schon mal beantragt, notfalls Beihilfen bis zu 20 Millionen Euro beziehen zu dürfen.

Airport wartet auf Geld vom Bund

Von wem das Geld kommen soll, ist nach wie vor unklar: Bundesverkehrsminister Scheuer hatte beim Luftverkehrsgipfel Anfang November den Airports zwar Hilfen in Aussicht gestellt – angekommen ist aber noch nichts. Muss letztlich doch die Flughafen-Mutter DSW21 einspringen?

Mit Blick aufs laufende Jahr 2021 zeigt sich Airport-Chef van Bebber verhalten zuversichtlich. Eine exakte Prognose fürs Passagieraufkommen sei zwar kaum möglich. „Wir gehen aber davon aus, dass es eine substanzielle Erholung des Luftverkehrs geben wird“, so van Bebber mit Blick auf das fortschreitende Impfgeschehen.

Ziel sei es, Ende 2021 wieder auf „mehr als zwei Millionen Passagiere“ zu kommen. 2022 will der Airport dann wieder durchstarten und ans Rekordjahr 2019 anknüpfen.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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