Neue Corona-Lage in Dortmund ist für Ärzte eine „Herausforderung“

dzSteigende Fallzahlen

Die steigenden Corona-Zahlen haben nun auch Dortmund erreicht. Die Folge: Viele Menschen sorgen sich und gehen zum Arzt. Doch sind die Mediziner bereit für einen Ansturm von Patienten?

Dortmund

, 16.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer mehr Menschen in Dortmund infizieren sich mit dem Coronavirus. Am Mittwoch (14. Oktober) überschritt die Stadt erstmals den Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Insgesamt wächst daher auch die Zahl der Corona-Verdachtsfälle. Zudem müssen immer mehr Menschen in Quarantäne.

Im Herbst steht zudem auch die Grippe-Saison an. Infekte häufen sich und Menschen wollen sich gegen die Grippe impfen lassen. Damit stehen Dortmunds Ärzte wohl vor einem Ansturm auf ihre Praxen. Gerade weil viele Menschen Gewissheit haben wollen, ob man mit dem Virus infiziert ist oder ob es doch nur eine Erkältung oder ähnliches ist.

„Kommende Monate werden eine Herausforderung“

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) rechnet in den kommenden Wochen mit mehr Infekt-Patienten – und damit Corona-Verdachtsfällen. Die Ärzte hätten sich auf diese besondere Lage jedoch bereits eingestellt.

„Die Vertragsarztpraxen sind auf die Versorgung einer erhöhten Anzahl an Infekt-Patienten, zu denen in diesem Jahr auch die Corona-Verdachtsfälle gehören, vorbereitet. Nichtsdestotrotz werden die kommenden Monate eine Herausforderung sein“, sagt Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der KVWL.

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In den vergangenen Tagen und Wochen stieg die Anzahl von Corona-Tests deutschlandweit kontinuierlich an – allein in der vergangenen Woche um etwa sieben Prozent. Gründe hierfür sind vor allem die negativen Corona-Tests, die man im Zusammenhang mit innerdeutschen Reisen in einigen Bundesländern braucht.

Info

Über eine Million Corona-Tests

  • Insgesamt wurden in Deutschland in der 41. Kalenderwoche (5. bis 11. Oktober) 1.069.048 Tests abgenommen. Das teilten die Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) mit. Insgesamt liegt die Testkapazität deutschlandweit bei rund 1,375 Millionen Tests pro Woche.
  • Die ALM verkündete auch, dass sie aktuell nicht hinterherkommen, alle Tests auszuwerten. „Die regional unterschiedliche und teilweise überproportionale Belastung der Labore führte dann auch zu einem deutlich zunehmenden Rückstau von 16.829 Tests.“

Keine kostenlosen Tests mehr für Herbstferien-Urlauber

Vor dem Hintergrund der Beherbergungsverbote in zahlreichen Bundesländern für Personen aus Risikogebieten hatte das NRW-Gesundheitsministerium am Freitag (9. Oktober) Städte und Kreise per Erlass angewiesen, Bürger aus Hotspot-Kommunen bis zum 17. Oktober kostenlos zu testen, sofern diese in den Herbstferien innerhalb Deutschlands verreisen möchten. Dieser Erlass wurde jedoch am Freitag (16. Oktober) aufgehoben.

Hintergrund ist, dass seit dem 15. Oktober die neue Corona-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums gilt. Ob Bürger vor Reiseantritt künftig kostenlose Tests erhalten können, regelt nun jede Kommune selbst – etwa per Allgemeinverfügung. Ob eine solche vor Ort besteht, erfahren Bürger bei ihrem jeweiligen Gesundheitsamt, andernfalls müssen Reisende die Testkosten grundsätzlich privat tragen.

Ärzte sind nicht verpflichtet zu testen

Grundsätzlich wies Pudlo darauf hin, dass ein Hausarzt nicht verpflichtet ist - gerade bei asymptomatischen Patienten - einen Corona-Test durchzuführen. „Bei einem Test beim Hausarzt handelt es sich um eine Wunschleistung, die privat bezahlt werden muss. Hausärzte machen das freiwillig und nur dann, wenn die Zeit dafür auch vorhanden ist. Bei Corona-Tests sollte das Gesundheitsamt der erste Ansprechpartner sein“, sagt Pudlo.

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Ärzteverbund, KVWL und die Gesundheitsämter der Region haben auf einer Internetseite Arztpraxen zusammengestellt, bei denen man sich testen lassen kann. Nach Eingabe der eigenen Adresse oder eines aktuellen Standorts werden die nächstgelegenen Praxen mit Test-Kapazitäten angezeigt.

Corona-Testmobil im Einsatz

In Dortmund gibt es derzeit mehrere Teststellen: Reiserückkehrer können sich im Klinikum Nord und am Flughafen testen lassen. Das Klinikum Nord weist darauf hin, dass Personen, die Corona-Anzeichen wie trockenen Husten oder Fieber haben, jedoch nicht die Teststelle aufsuchen, sondern lieber den Hausarzt kontaktieren sollen. Für Reisende, die aus einem Risikogebiet kommen, ist ein Test kostenlos.

Am Klinikum Mitte gibt es Tests für jeden. Personen, die keine Krankheitssymptome aufweisen, zahlen jedoch 60 Euro in Eigenleistung. Das Klinikum bietet die Testungen vier Stunden täglich an. Die Termine sind jedoch heiß begehrt. Viele der verfügbaren Zeiten bis zum 30. Oktober sind bereits reserviert oder angefragt (Stand 16.10.).

„Das ist jedoch unabhängig von den erhöhten Fallzahlen in Dortmund zu sehen. Die hohe Auslastung hängt damit zusammen, dass die Menschen für eine Reise in ein Risikogebiet einen negativen Corona-Test brauchen“, sagt Lisa Cathrin Müller, Pressesprecherin des Klinikums Dortmund.

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Seit Montag (12. Oktober) können sich zudem Studierende auf dem Uni-Gelände der TU Dortmund - im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) der TU an der Emil-Figge-Straße 59 - auf das Coronavirus testen lassen. Seit Mittwoch (14. Oktober) gibt es zudem das Corona-Testmobil, das vor allem an Schulen, in Kitas oder an Pflegeheimen eingesetzt werden soll.

Aktuell plant die Stadt erstmal keine weitere Teststellen. Das teilte Gesundheitsamts-Leiter Frank Renken am Donnerstag (15. Oktober) auf einer Pressekonferenz mit. Er sagte zudem, dass es künftig eine Umstellung der Testweise geben soll. Statt der bisherigen Tests kommen nun Schnelltests zur Anwendung. Diese Schnelltests sollen unter anderem in Pflegeheimen eingesetzt werden. Perspektivisch soll dann das Pflegepersonal selbst die Bewohner testen.

In einer früheren Version des Textes berichteten wir, dass die kostenlose Testung für Urlauber aus NRW-Hotspots bis zum 25. Oktober möglich ist. Wie nun im Text aktualisiert, wurde dieser Erlass am 16. Oktober aufgehoben.

Info

Infekt-Sprechstunden am Oktober-Samstagen

  • Diese Dortmunder Arztpraxen bieten eine Infekt-Sprechstunde - jeweils von 9 bis 13 Uhr - an Samstagen im Oktober an.

    17. Oktober
  • Anna Schimanski: Hohe Straße 11; 0231 144393
  • Dr. med. Henrike Bauer: Hedwigstraße 11; 0231651185
  • Gemeinschaftspraxis Innessa und Eduard Sbrijer: Hermannstraße 48-52;
  • 0231 33046561
  • Tip Dr. (TR) Süleyman Soytürk: Minister-Stein-Allee 2; 0231 9507949

    24. Oktober
  • Ali Arouk: Kleppingstr. 24; 0231 523002
  • Dr. med. Marita Trenz: Europaplatz 2; 0231 452131
  • Dr. med. Peter Gödde: Schafstallstraße 4 0231 290911
  • Elias Najjar: Lütgendortmunder Str. 140, 0231 639898

    31. Oktober
  • Gemeinschaftspraxis Dres. med. Gumbiowski und Weber Rheinlanddamm 10, 0231 4882840
  • Gemeinschaftspraxis Akin und Arkin Kara Oesterholzstr. 71, 0231 818687
  • Gemeinschaftspraxis Innessa und Eduard Sbrijer Hermannstraße 48-52,
  • 0231 33046561
  • Praxis Dr. (Yu) Amela Jelkic-Brimo Hayek Berghofer Str. 155, 0231 486080
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