Bei einem Schnelltest ist die Gefahr eines falsch-positiven Ergebnisses vergleichsweise hoch. © dpa
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Corona-Ausbruch im Klinikum Dortmund: Schnelltest kein „Freifahrtsschein“

Aufgrund eines falsch-negativen Schnelltests haben sich im Klinikum Dortmund 26 Patienten mit dem Coronavirus infiziert. Das sollte man über den Umgang mit einem Schnelltest-Ergebnis wissen.

Im Klinikum Dortmund hat ein Besucher für einen Corona-Ausbruch gesorgt. Infolgedessen wurden bislang 26 Patienten und zusätzlich elf Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet.

Mittlerweile ließ sich rekonstruieren, dass das Ergebnis des Coronatests, das der Mann am Eingang vorlegte, falsch negativ gewesen ist. Ein Novum im Klinikum Dortmund.

„Bisher war ein falsch-negativer Schnelltest eines Angehörigen nicht als mögliche Ursache für eine Covid-19-Übertragung festgestellt worden“, erklärt Dr. Frank Hünger, Leiter des hauseigenen Hygieneinstituts.

Der massenhafte Einsatz von Schnelltests ist in Deutschland mittlerweile integraler Bestandteil der Coronaschutz-Strategie. Über die Interpretation des Ergebnisses herrscht in der Bevölkerung aber noch weitestgehend Verwirrung.

Wie funktioniert ein Schnelltest überhaupt?

Dazu muss man zunächst einmal verstehen, wie ein Corona-Schnelltest funktioniert. Der Abstrich, der mit einem Stäbchen aus dem Nasen-Rachen-Raum genommen wird, landet mit einer Flüssigkeit auf einem Teststreifen.

Dieser reagiert auf Eiweißbestandteile des Virus (sogenannte Antigene, deshalb bezeichnet man Schnelltests auch als Antigentests) und zeigt dies mit einer Verfärbung an. Nach 15-30 Minuten liegt dann das Ergebnis vor.

Wo liegt der Unterschied zum PCR-Test?

Im Prinzip funktioniert ein PCR-Test ähnlich wie ein Schnelltest. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: Beim PCR-Test wird das Erbmaterial des Virus im Labor vervielfältigt, ehe auf das Vorliegen einer Corona-Infektion getestet wird.

Das dauert zwar länger, aber dadurch gelingt es, Viren nachzuweisen, auch wenn bei der Entnahme des Abstrichs erst wenige Erreger vorhanden waren. Der PCR-Test gilt deshalb auch als Goldstandard unter den Coronatests.

Aber wie genau sind denn nun die Schnelltests?

Das hängt stark davon ab, von welchem Hersteller der Schnelltest ist. Auf der Packungsbeilage ist immer ein Wert für die Sensitivität angegeben, der meist zwischen 40 und 80 Prozent liegt. Die Sensitivität ist die Quote der erkannten infizierten Personen, das heißt mit dieser Quote fällt der Schnelltest zurecht positiv aus, da die getestete Person tatsächlich mit Corona infiziert ist.

Daneben gibt es noch die Spezifität, bei der Schnelltests unabhängig vom Hersteller häufig einen Wert von über 99 Prozent erreichen. Unter Spezifität versteht man die Quote der erkannten nicht infizierten Personen, also die Quote, mit der ein Schnelltest zurecht negativ ausfällt, da die getestete Person tatsächlich nicht mit dem Coronavirus infiziert ist.

Der Haken bei den asymptomatischen Fälle

Allerdings setzen die angegebenen Werte für die Sensitivität eine korrekte Durchführung der Tests voraus, bestenfalls durch geschultes Personal. Wer für ein Treffen mit Freunden den Schnelltest selbst durchführt, neigt schon mal dazu, das Stäbchen beim Abstrich nicht tief genug einzuführen.

Das ist aber nicht das einzige Problem. Laut einer großen Meta-Studie der Cochrane-Organisation aus dem März dieses Jahres sinkt die Trefferquote der Schnelltests erheblich, wenn es sich um eine symptomlose Infektion handelt.

Durchschnittlich erkannten die untersuchten Schnelltests 72 Prozent der Infizierten korrekt, wenn diese Symptome hatten. Unter den symptomlos Infizierten waren es hingegen nur 58 Prozent.

Sensitivität bei symptomlosen Fällen geringer

Auch deshalb ist bei einem negativen Ergebnis darauf zu achten, dass es sich insbesondere bei den Schnelltests nur um eine Momentaufnahme handelt. Denn bereits nach sechs bis acht Stunden ist ein negatives Ergebnis nicht mehr aussagekräftig, der Getestete unter Umständen bereits infektiös.

Gerade in diesem Punkt herrscht aber noch eine gewisse Leichtsinnigkeit. Laut des Covid-19 Snapshot Monitoring (COSMO) nahmen 67 Prozent der Befragten an, dass sie nach einem negativen Schnelltest-Ergebnis auch am nächsten Tag sicher nicht für andere Personen ansteckend sein können.

Schnelltest ist „kein Freifahrtschein“

Besucher im Klinikum Dortmund müssten eine Vielzahl von Maßnahmen beachten. „Ein negatives Schnelltestergebnis ist kein Freifahrtschein für einen Besuch, sondern eine zusätzliche Sicherheit zu allen anderen bindenden Hygienemaßnahmen während der Besuche“, betont Dr. Frank Hünger.

Dazu zähle das Tragen einer Schutzmaske natürlich genauso wie das Einhalten von Abständen und die Umsetzung weiterer Hygienemaßnahmen, erklärt der Leiter des Hygieneinstituts. Er stellt aber auch fest: „Leider halten sich Patienten und Besucher nicht immer strikt an diese Vorgaben.“

Patienten und Besucher missachten Vorgaben

Ob ein Patientenbesuch überhaupt möglich sei, obliege in allen Dortmunder Krankenhäusern dem Team der behandelnden Ärzte und des Pflegepersonals. „Wie lange liegt der Patient bereits im Krankenhaus? Wie ist die genaue aktuelle medizinische, psychische oder soziale Situation?“, zählt Hünger die Kriterien auf, nach denen man jeden Fall individuell prüfe.

An diesem Vorgehen soll sich vorerst nichts ändern. Noch. Denn der Arzt stellt auch fest: „Das Risiko von Covid-19-Übertragungen beziehungsweise -Ausbrüchen im Krankenhaus hängt auch direkt von der Covid-19-Prävalenz und der Zahl von Ausbrüchen außerhalb des Krankenhauses ab.“ In den letzten Tagen nahm die Zahl der Coronafälle in Dortmund kontinuierlich zu.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren in Ulm, aufgewachsen im Allgäu, angekommen im Ruhrgebiet schreibe ich über alles, was die Menschen in Dortmund und Umgebung umtreibt.
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